Philosophie Lexikon der Argumente

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Morphem: Kleinste sprachliche bedeutungstragende Einheit. Ein Wort kann unter Umständen in mehrere Morpheme zerlegt werden.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 172
Def Morphem/Lyons: nicht weiter distributionell klassifizierbare Einheiten: Bsp „un“ „akzept“ „abel“. ( Siehe Distribution/Lyons).
I 184
Def Morphem/Lyons: die meisten Autoren: definieren das Morphem als kleinste Einheit der grammatischen Analyse. (Oft wird aber auch das Wort als kleinste Einheit angesehen. Beide sind aber letztlich nicht völlig universale Merkmale).
Morphem: muss noch von der phonologischen oder orthographischen Gestalt unterschieden werden.
Morphem. Ist (anders als der Laut oder das Schriftzeichen) eine distributionelle Einheit.
Zerlegung: von Wörtern: ist eine graduelle, nicht prinzipielle Angelegenheit.
feste Zerlegung (Segmentierung): Bsp boy-s, jump-ed, jump-ing, tall-er,
I 185
Nicht festgelegte Segmentierung:
Bsp Manche Plurale: men, children, mice, sheep.
Bsp Starke Verben: went, took, came, run, cut,
Bsp Unregelmäßige Komparative und Superlative: better, best, worse, worst
Lösung: es gibt eine gewisse orthographische Verwandtschaft zwischen man und men und zwischen mouse und mice.
Problem: Bsp bad – worse, Bsp go – went. Diese können nicht zerlegt werden.
Lösung: Distribution, das Morphem als distributionelle Einheit:
I 186
Analogie: Man kann sagen, dass bad sich von worse unterscheidet wie tall von tall-er.

Bad: worse: worst = tall: taller: tallest

Tradition: würde sagen, dass diese Adjektive nicht in derselben Gruppe von Sätzen vorkommen können, d.h. nicht dieselben Nomina qualifizieren können.
Heute:
Distribution: die verschiedenen Adjektive (hier: auch Komparative) haben nicht dieselbe distributionelle Verteilung. (Siehe Distribution/Lyons).
Pointe: dann können wir Morpheme als Distributionsmerkmale auffassen, und damit als eine Komponente des Adjektivs. ((s) taller wird in anderem Kontext gebraucht als tall und muss daher ein Merkmal haben, das tall nicht hat und umgekehrt. Und dasselbe muss für bad und worse gelten).
Zunächst also:

A : B : C = D : E : F

Dann Zerlegung (Segmentierung) in Faktoren:

Ax : bx : cx = ay : by : cy

Def Morphem/Lyons: Morpheme sind dann die distributionellen Faktoren bzw. Komponenten der Wörter.
Distribution: eines Worts: ist dann das Produkt der Distribution der Morpheme, aus denen es besteht.
I 187
Morphem/Lyons: ist selbst kein Wortsegment! Es hat keine Position innerhalb des Worts!
Def Morph/Lyons: wenn ein Wort in Segmente aufgeteilt werden kann (das sind nicht die Morpheme!) dann nennt man diese Segmente Morphe.
Bsp bigger: hat zwei Morphe: {big}, {er}. (Auch Morpheme).
Schreibweise: Morphe: geschweifte Klammer.
Unregelmäßige Verben/Morphem/Morph/Lösung/Lyons: dann können wir sagen, dass Bsp went, das nicht weiter in Morphe zerlegt werden kann, aus den zwei Morphemen {go} und {ed} besteht.
(Morphem/((s): ist also ein abstrakte Sinnkomponente – Morph/Lyons: eine letztlich phonologisch oder orthographisch im Wort auffindbare Einheit.)

Def Allomorph/Lyons: ein bestimmtes Morphem kann durch verschiedene Morphe vertreten werden (in verschiedenen Umgebungen).
I 188
Bsp Pluralmorphem des Englischen: {s} wird durch die Allomorphe /s/, /z/ und /iz/ dargestellt.
I 191
Def Isolierende Sprache/Lyons: (auch „analytisch“) (nach dem Klassifikationssystem aus dem 19. Jahrhundert): ist eine Sprache, deren Wörter unveränderlich sind, Bsp Vietnamesisch, dann gibt es keine Unterscheidung Wort/Morphem. Mit Einschränkung gilt das auch für Bsp Chinesisch.
Def Agglutinierend/Sprache/Lyons: hier setzen sich die Wörter meist aus einer Folge von Morphemen zusammen, wobei jedes Morph ein Morphem repräsentiert.
I 192
Bsp Türkisch:
Plural. {ler}
Possessivmorph: {i} („sein, ihr, usw)
Ablativmorph: {den}.
Sie bewahren immer ihre phonologische Identität.
Außerdem:
In einem Wort repräsentiert jedes Morph genau ein Morphem.
Def Flektierend/Sprache/Lyons: eine flektierende Sprache liegt vor, wenn Wörter nur willkürlich und inkonsequent in Morphe zerlegt werden können, wobei es eine Vielfalt von Allomorphen gibt,
Bsp Latein:
domus (Nominativ, Singular)
domi (Genitiv, Singular)
I 193
Tradition/Lyons: führte wegen . der Schwierigkeit, Wörter Lateinischen in Morphe zu zerlegen, überhaupt die Begriffe Deklination und Konjugation ein.
I 194
Latein: es fehlt eine Entsprechung zwischen den Wortsegmenten und den Morphemen. Selbst wenn wir domus, domi usw. in das Morph dom (bzw. die Allomorphe dom domo) und eine Reihe von „Endungen“ segmentieren, könnten wir nicht sagen, dass ein Teil von us (oder s) {Singular} und ein andere Teil {Nominativ} repräsentiert usw. Stattdessen: müssten wir sagen, dass sie es gleichzeitig repräsentieren.
I 196
Morphem/Morph/Lyons: das Verhältnis zwischen ihnen ist kein rein grammatisches. Bsp lateinische Wörter lassen sich ebenso gut in distributionelle Faktoren zerlegen wie türkische.
flektierend/agglutinierend: der Unterschied liegt also nicht in der grammatischen Struktur, sondern in der Weise, wie die kleinsten grammatischen Einheiten in der phonologischen oder orthographischen Form repräsentiert sind.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Ly II
John Lyons
Semantics Cambridge, MA 1977

Lyons I
John Lyons
Einführung in die moderne Linguistik München 1995

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