Philosophie Lexikon der Argumente

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Semantic Web: Ausdruck für eine Vorgehensweise zur eindeutigen Beschreibung von Gegenständen im Web zwecks Archivierung, Bewältigung von Suchanfragen und Steuerung von Prozessen. Gegenstandsklassifizierungen erfordern bei diesem Ansatz im Prinzip Listen mit Zuschreibungen von Eigenschaften, basierend auf Prädikatenlogik. Konkurrierende Ansätze sind z.B. Conceptual Spaces, die Objekte als Punkte in mehrdimensionalen Räumen repräsentieren, was eine schnellere maschinelle Bearbeitung ermöglicht. Siehe auch Wissensrepräsentation, Semantisches Mapping, Conceptual Spaces.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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Peter Gärdenfors
I 257
Semantic Web/Gärdenfors: Berners-Lee, Hendler und Lassila (2001) These: Das Semantic Web ist eine Erweiterung des gegenwärtigen Web, in dem die Bedeutung der gegebenen Information wohldefiniert ist, was die Kooperation von Mensch und Roboter erleichtert.
GärdenforsVsBerners-Lee: statt RDF (zur Informationsrepräsentation) und OWL (zum Ausdrücken der Ontologie) zu entwickeln, sollte man untersuchen, wie Menschen Wörter verarbeiten.
I 258
Semantisches Web: der Traum ist, eine einheitliche Sprache zur Repräsentation von allem zu entwickeln, was im Web existiert.
Berners-Lee: (Berners-Lee, 1998) These: das Semantic Web ist das, was wir erhalten wenn wir denselben Globalisierungsprozess, den das Web ursprünglich auf den Hypertext anwendete, auf Wissensrepräsentation anwenden. Wir schaffen die zentralen Begriffe der absoluten Wahrheit, des totalen Wissens und der totalen Beweisbarkeit ab und sehen, was wir mit dem begrenzten Wissen anfangen können.
I 258
Semantic Web/Shirky/Gärdenfors: Shirky (2004) These: Das Semantische Web nimmt es als gegeben an, dass viele wichtige Aspekte der Welt sich auf unzweideutige Weise und in einer universell akzeptierten Art dargestellt werden können. Danach geht viel Zeit dabei drauf, was das ideale XML-Format für solche Beschreibungen sei. Das legt zu viel Gewicht auf ein falschen Teil des Problems: wenn die Welt leicht zu beschreiben wäre, könnte man sie in Sanskrit beschreiben.
Lösung/Gärdenfors: Conceptual Spaces.
I 259
Semantic Web/GärdenforsVsSemantic Web: Klassifikation/Ähnlichkeit/Gärdenfors: wenn wir bedenken, wie Menschen mit Begriffen umgehen, dann erfassen die Klassenstrukturen meist Ähnlichkeiten zwischen den Objekten. (Goldstone, 1994; Gärdenfors, 2000).
Problem: gerade ein Begriff wie Ähnlichkeit kann gar nicht in der Ontologie des Semantic Web ausgedrückt werden.
Semantic Web/Shirky/Gärdenfors: (Shirky, 2003): These: das Semantische Web ist eine Maschine zur Erstellung von Syllogismen. Wenn das Semantische Web also alle Bereiche verbessern will, wo wir Syllogismen gebrauchen, dann muss man sagen, das ist praktisch nirgends.
I 260
Semantic Web/Conceptual Space/Gärdenfors: wenn wir Conceptual Spaces (mit der Repräsentation von Objekten mit Eigenschaften als Punkten in Dimensionen und Regionen) für die Ausbildung des Semantic Web nutzen, ergeben sich Taxonomien (Begriffshierarchien) von selbst. Diese Hierarchien werden für symbolische Strukturen gebraucht. Bsp Ein Rotkehlchen ist ein Vogel: entsteht automatisch aus der Tatsache, dass die Region Rotkehlchen eine Teilregion der Region ist, die Vögel repräsentiert.
Ontologie/Computation: eine Voronoi-Tesselierung des Begriffsraums kann automatisch durch den Rechner erstellt werden und das ist alles, was man für eine Ontologie braucht. (Siehe Noy & McGuinnes, 2001).
Identität: ergibt sich ebenso automatisch aus dem Zusammenfallen von Punkten.
Eigenschaften: Charakteristika von Eigenschaften wie Transitivität und Symmetrie ergeben sich aus dem Format der Conceptual Spaces. Bsp Die Transitivität von „früher als“ folgt aus der linearen Struktur der Zeitdimension.

((s) Fazit: statt Wortlisten und Listen von Wortlisten mit einer Erklärung von Begriffshierarchien und Unterscheidung von Wortklassen (wie z.B. der besonderen Rolle von Verknüpfungen und Operatoren oder Quantoren) braucht man nur noch die geometrischen Eigenschaften von Punkten.
Die Erklärungen der Unterschiede der Wortklassen würden wiederum mit Worten gegeben, was durch Begriffsräume überflüssig wird.
So wird a) die Handhabung durch Computer einfacher und b) eine mögliche Zirkularität in der Erklärung der Rolle von Wörtern durch Wörter unwahrscheinlicher.)

I 261
Schlussfolgerungen/Gärdenfors: dann braucht man auch keine Inference Engines auf der symbolischen Ebene mehr.
Bsp Produktsuche: man kann einen ähnlichen Wein mit vielen ähnlichen und einigen abweichenden Eigenschaften durch die geometrische Lokalisation im Conceptual Space finden.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Gä I
P. Gärdenfors
The Geometry of Meaning Cambridge 2014

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 23.11.2017