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Terrence W. Deacon über Evolution – Lexikon der Argumente

I 29
Evolution/Selektion/Deacon: es scheint selbstverständlich, dass schlauere Spezies über primitivere obsiegen. Ist das wirklich immer so? Ist es richtig, Geist und mentale Defizite auf einer linearen Skala zu ordnen? Dabei werden Ausdehnung von Bewusstsein, sozialer Fortschritt und Evolution als wechselseitig austauschbare Begriffe angesehen. Das rührt daher, dass wir die Welt in Begriffen von Design betrachten und den Begriff der Evolution aus der Geschichte der Technischen Entwicklung entlehnt haben.
Biologische Evolution/Deacon: diese ist im Gegensatz zur technischen Evolution nicht additiv. Das menschliche Genrepertoire entspricht ungefähr dem des Frosches oder der Maus. Auch der Körperbau und sogar das Gehirn ist bei den meisten Primaten fast identisch aufgebaut.
Evolution: verstärkt Diversifikation und Verteilung. Damit werden aber nur weitere Nischen besetzt.
I 317
Evolution/Adaption/Anpassung/Deacon: es gibt eine „evolutionäre Überdetermination“: die scheinbare Unabhängigkeit vieler adaptierter Vorteile tragen zum selben strukturellen Wechsel bei. Da die Evolution durch Muster von Tendenzen angetrieben ist, tendieren unabhängige Entwicklungen auf die Dauer dazu, sich gegenseitig zu verstärken. So kann es dazu kommen, dass sich gewisse Funktionen auf eine Gehirnhälfte konzentrieren.
I 322
Evolution/Baldwins Evolution/Deacon/Baldwinsche Evolution/J. M. Baldwin/Deacon: James Mark Baldwin schlug eine Modifikation der Darwinschen Evolution vor(1). Baldwin These: Lernen und verhaltensmäßige Flexibilität können natürliche Selektion durch die Ausbildung bestimmter Fähigkeiten beeinflussen, die Individuen ermöglicht, neue Nischen zu besiedeln. In der Folge sind nachfolgende Generationen einer anderen Art von Selektionsdruck ausgesetzt. Damit wird nicht behauptet, dass die Evolution innerhalb eines Lebens wirksam wird, sondern dass Nachkommen eventuell bessere Voraussetzungen für weitere Anpassungen erhalten, z.B. für die Besiedlung kälterer Regionen. Damit widerspricht Baldwin in keiner Weise der Lehre des Darwinismus.
I 323
Während also kein genetischer Wechsel augenblicklich in Gang gesetzt wird, wird der Wechsel in den Bedingungen eine Veränderung bewirken in Bezug darauf, welche der schon existierenden genetischen Prädispositionen in der Zukunft bevorzugt werden. Als Beispiel dafür wird oft Lactose-Intoleranz angeführt.


(1) J. M. Baldwin, (1902): Consciousness and Evolution, Science 2, 212-223, J. M. Baldwin Development and Evolution, NY.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013

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