Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 43
Symbolische Referenz/Deacon: These: Symbolische Referenz ist allein der menschlichen Spezies vorbehalten, während viele Tiere über komplexe nichtsymbolische Referenz verfügen.
Grammatik. Grammatische Regeln und Kategorien sind symbolische Regeln und Kategorien.
Syntax: syntaktische Strukturen sind nur physikalische Regelmäßigkeiten, wenn sie nicht als symbolische Operationen aufgefasst werden, die es zu entschlüsseln gilt.
Daher müssen Sprachtheorien zuerst symbolische Referenz erklären.
I 44
Dass Linguisten der symbolischen Referenz nicht viel Beachtung geschenkt haben, ist damit zu erklären dass Grammatik und Syntax durch den Vergleich von Sprachen erklärt werden kann. Auch die Korrelationen von Sprachprozessen und Gehirnfunktionen können ohne symbolische Referenz erklärt werden.
Spracherwerb: kann weit gehen ohne Bezug auf symbolische Referenz erklärt werden.
Tier/Mensch/Sprach/Deacon: aber Theorien, die die Unterschiede zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Kommunikation erklären wollen, können nicht ohne Bezug auf symbolische Referenz auskommen. Das gilt auch für Theorien, die menschlichen und tierischen Geist vergleichen wollen.
I 82
Symbolische Referenz/Deacon: bleibt auch erhalten, wenn ein Reiz durch einen anderen ausgelöscht wird, z.B. wenn die Koppelung zwischen einem Signal und einem folgenden Ereignis unterbrochen wird. Eine indexhafte, indexartige Assoziation würde diese Korrektur nicht überdauern.
Lernen von Symbolen/Tiere: wenn eins von mehreren gelernten Zeichen ausgelöscht wird, hat dies so gut wie keine Auswirkung auf die Assoziation mit anderen Zeichen. Das ist ganz anders im Fall von Wörtern.
Wörter: stehen – anders als Symbole - in Relation zu allen anderen Wörtern einer Sprache.
I 83
Symbolische Referenz/Deacon: entsteht aus kombinatorischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Das ist der Unterschied zur einfachen Korrelation von Signalen mit Reizen.
I 88
Symbolische Referenz/Deacon: kein einzelnes Symbol legt seine Referenz fest. Referenz entsteht aus der hierarchischen Beziehung zwischen den zwei Stufen der zeichenhaften (indexartigen) Referenz: a) keine Interaktion bzw. Korreliertheit zwischen den Elementen, weder auf der Ebene der Objekte, noch auf der der Zeichen, lediglich Assoziation von Zeichen und Objekt.
b) keine Interaktion (Korreliertheit) auf der Ebene der Objekte – wohl aber auf der der Zeichen (sinnvolle Muster)
Symbol: Erst auf der dritten Stufe stellt sich symbolische Repräsentation ein: hier gibt es Interaktion (bzw. die Unterscheidung sinnvoller und sinnloser Muster) auf beiden Ebenen: der der Objekte und der der Zeichen.
Neu: damit wird logische und kategorische Verallgemeinerung möglich, die bei der Verallgemeinerung von Reizen (stimulus generalization) nicht möglich ist.
Tierversuche: (Savage-Rumbaugh et al., 1978; 1980 und Savage-Rumbaugh 1986): zeigten mit Affen, das neue Symbole relativ schnell in ein bereits etabliertes Schema mit verschiedenen Bedeutungskategorien eingeordnet wurden. Dabei spielte ein Verständnis der Funktionen der Relationen der Zeichen untereinander offensichtlich eine Rolle. Die Aufmerksamkeit der Tiere war dabei nicht mehr nur auf die Objekte, sondern auch auf die Zeichen und ihr Verhältnis untereinander gerichtet.
Kategorien: die Fähigkeit zur Kategorisierung und zum Erkennen logischer Beziehungen ist ein wesentlicher Teil des Lernens symbolischer Referenz.
I 89
Symbolisches Lernen: nachdem die Tiere den Unterschied zwischen Symbolen für essbare und nicht-essbare Objekte gelernt hatten, lernten sie, die Objekte in verschiedene Behälter zu sortieren. Später lernten sie etwas entscheidendes Neues: sie lernten, die Symbole für die jeweiligen Objekte Symbolen für die jeweiligen Behälter zuzuordnen. Damit zeigten sie, dass sie eine symbolische Verallgemeinerung vornehmen konnten. >Verstehen/Einsicht/Deacon, Tier/Deacon.
I 322
Symbolische Referenz/Gehirn/Deacon: These: das Aufkommen der symbolischen Referenz bei unseren entfernten Vorfahren änderte grundsätzlich die Weise, wie Prozesse der natürlichen Selektion das menschliche Gehirn seitdem veränderten. Letztlich veränderte der Gebrauch von Sprache etwas, das sich in der Anatomie und im Aufbau unseres Gehirns niederschlug. Man könnte sagen, „Das Wort wurde Fleisch“. (>Koevolution von Sprache und Gehirn).


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013

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