Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
II 56
Altruismus/Verhalten/Evolution/Gould: Def Haplodiploid: die Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Damit kann die Anzahl der Weibchen gesteuert werden.
II 57
Dieses faszinierende System kann dazu beitragen, den Ursprung der sozialen Systeme bei Ameisen zu erklären. Oder auch, Bsp dass eine männliche Milbe vor ihrer eigenen Geburt stirbt, nachdem sie im Mutterleib ihre Schwestern befruchtet hat.
Wenigstens 10% aller bekannten Tierarten sind haplodiploid
Das führt zu Problemen aus darwinistischer Sicht: wieso sollten in einer Welt, in der jedes Individuum für den persönlichen Fortpflanzungserfolg arbeitet, eine große Anzahl von Weibchen ihrer eigene Fortpflanzung aufgeben, um ihrer Mutter (der Königin) dabei zu helfen, mehr Schwestern heranzuziehen?
Die geniale Erklärung beruht auf der asymmetrischen Beziehung zwischen den Geschlechtern bei haplodiploiden Tieren. Sowohl bei diploiden als auch bei Haplodiploiden gibt die Mutter jeweils die Hälfte ihres Erbmaterials an ihre Nachkommen (andere Hälfte der Vater). Daher ist sie mit ihren Söhnen und Töchtern gleichermaßen verwandt.
Ein diplo Weibchen teilt ebenfalls mit ihren Brüdern und Schwestern jeweils die Hälfte ihrer Gene. Ein haplo Weibchen hingegen teilt dreiviertel der Gene mit den Schwestern aber nur ein Viertel mit den Brüdern.
Veranlasst nun der darwinsche Imperativ Organismen dazu, die Anzahl ihrer eigenen Gene in zukünftigen Generationen zu maximieren, dann tun die Weibchen bei Haplodiploiden besser daran, ihrer Mutter bei der Aufzucht der Schwestern zu helfen, anstatt eigene Nachkommenschaft zu zeugen.
Tatsächlich haben sich solche Entwicklungen mehrmals unabhängig voneinander ergeben.
II 59
Kausalität: Die Biologen waren durch diese Beobachtungen so fasziniert, dass sich in viele Beschreibungen eine subtile Umkehrung der Kausalität eingeschlichen hat: allein das Bestehen des Haplodiploidismus wird elegant mit der Entscheidung "für" ein besseres Sozialsystem Bsp der Ameisen in Verbindung gebracht.
II 61
GouldVs: Haplodiploide Vorfahren waren sicherlich noch nicht gänzlich sozial, das hat sich erst als "phylogenetischer Zusatzgedanke" in einigen unabhängigen Stämmen entwickelt.
Umwelt solcher Stämme: jedes einzelne Weibchen! Selbst ein unausgewachsenes wird zu einer möglichen Begründerin neuer Kolonien, da es ganz allein in der Lage ist, eine Generation von Männchen zu erzeugen, mit denen es sich paaren kann, um eine neue Generation von Weibchen ins Leben zu rufen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

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