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Cartesianismus: (geht auf René Descartes zurück) die These, dass wir zwischen ausgedehnten Gegebenheiten (Körpern, Materie, res extensa) und nichtausgedehnten Gegebenheiten (Geist, Seele) unterscheiden müssen. Siehe auch Dualismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Wilhelm Dilthey über Cartesianismus – Lexikon der Argumente

Gadamer I 241
Cartesianismus/Dilthey/Gadamer: [Dilthey vermochte] die Konsequenz seines lebensphilosophischen Ansatzes gegen die Reflexionsphilosophie des Idealismus nicht wirklich festzuhalten (...). Sonst hätte er in dem Einwand des Relativismus den erkennen müssen, dem sein eigener Ausgangspunkt von der Immanenz des Wissens im Leben gerade den Boden
entziehen wollte. >Relativismus/Dilthey, >Leben/Dilthey, >Lebensphilosophie/Dilthey.
Diese Zweideutigkeit hat ihren letzten Grund in einer inneren Uneinheitlichkeit seines Denkens, dem unaufgelösten Cartesianismus, von dem er ausgeht. Seine erkenntnistheoretischen Besinnungen zur Grundlegung der Geisteswissenschaften schließen sich nicht wirklich mit seinem lebensphilosophischen Ausgangspunkt zusammen. Dafür gibt es in seinen spätesten Aufzeichnungen einen sprechenden Beleg. Dilthey fordert da von einer philosophischen Grundlegung, dass sie sich auf jedes Gebiet erstrecken müsse, in welchem »das Bewusstsein das Autoritative abgeschüttelt hat und
Gadamer I 242
durch den Standpunkt der Reflexion und des Zweifels zu gültigem Wissen
zu gelangen strebt«(1).
Gadamer: Ein solcher Satz scheint eine unverfängliche Aussage über das Wesen der Wissenschaft und der Philosophie der Neuzeit überhaupt. Die cartesianischen Anklänge darin sind gar nicht zu überhören. In Wahrheit aber findet dieser Satz in einem ganz anderen Sinne seine Anwendung, wenn Dilthey fortfährt: »Überall führt das Leben zu Reflexionen über das, was in ihm gesetzt ist, die Reflexion zum Zweifel, und soll sich diesem gegenüber das Leben behaupten, so kann das Denken erst endigen in gültigem Wissen«(2). Hier sind es nicht mehr philosophische Vorurteile, die durch eine erkenntnistheoretische Grundlegung im Stile Descartes überwunden werden sollen, sondern hier sind es Wirklichkeiten des Lebens, die Tradition der Sitte, der Religion und des positiven Rechts, welche von der Reflexion zersetzt werden und einer neuen Ordnung bedürfen. Wenn Dilthey hier von Wissen und Reflexion spricht, so meint er nicht die allgemeine Immanenz des Wissens im Leben, sondern eine gegen das Leben gerichtete Bewegung.


1. Dilthey, Ges. Schriften Vll, 6.
2. Ebenda.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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