Philosophie Lexikon der Argumente

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Regeln, Philosophie: Beschränkungen eines Auswahlbereichs von Möglichkeiten für Subjekte, Gemeinschaften oder Funktionsträger bzw. allgemein für handelnde Individuen oder Gruppen. Regeln können implizit oder explizit sein und durch Verordnung oder durch gemeinsames Entwickeln gleichberechtigter Teilnehmer z.B. in einem Diskurs etabliert werden. In einem anderen Sinn können Regeln als tatsächliche Regelmäßigkeiten verstanden werden, die durch Beobachtung entdeckt werden können. Diese Regeln können nicht nur im Handeln sondern auch in der Beschaffenheit von Gegenständen wie sprachlichen Strukturen entdeckt werden. Siehe auch Normen, Werte, Regelfolgen, Privatsprache, Sprachregeln, Diskurs, Ethik, Moral, Kognitivismus, Intuitionismus, Gesellschaft, Praxis.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Émile Durkheim über Regeln – Lexikon der Argumente

Habermas IV 76
Regeln/Durkheim/Habermas: Durkheim unterscheidet technische von moralischen Regeln. Er vergleicht beide Typen unter dem Gesichtspunkt, was passiert, wenn diese Regeln verletzt werden. (1) Während ein Verstoß gegen eine gültige technische Regel ein Misslingen einer Intervention zur Folge hat, führt ein Verstoß gegen eine moralische Regel zu Sanktionen, die nicht immer als Misserfolg verstanden werden kann. Zwischen Handlungsregel und Handlungsfolge besteht ein konventioneller Zusammenhang. Dieser ist nicht empirisch wie im Fall technischer Regeln. Durkheim nennt den Zusammenhang zwischen Handlungen und Konsequenzen ein synthetisches Band. (2)
Habermas IV 77
Autorität/Durkheim/Habermas: Durkheim will auf moralische Autorität von Regeln hinaus, nicht auf materielle Autorität einer physischen Vorherrschaft. (3) Das erklärungsbedürftige an der Geltung moralischer Regeln ist gerade der Umstand, dass sie eine verpflichtende Kraft besitzen, die Sanktionen erst begründet – und nicht ihrerseits Sanktionen voraussetzt. Moralische Regeln tragen ein Sondermerkmal: den obligatorischen Charakter, der uns gewisse Handlungen einfach verbietet. (4)
Regeln/“Moralische Tatsachen“/Durkheim/Habermas: zwei Merkmale: a) ein Charakter des Unpersönlichen, b) eine Gefühlsambivalenz, die die moralische Autorität im Handelnden auslöst.

1.E. Durkheim, Sociologie et philosophie, Paris 1951, German Frankfurt 1967, S. 93.
2.Ebenda, S. 93
3.Ebenda, S. 129
4. Ebenda, S. 94


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Durkheim I
E. Durkheim
Die Regeln der soziologischen Methode Frankfurt/M. 1984

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

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