Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Pfotenhauer IV 100
Ästhetik/Vischer/NietzscheVsVischer/Pfotenhauer: Friedrich Theodor Vischer, der schon früh Nietzsches Abscheu erregt hatte als ein „namhafter Ästhetiker aus der Hegelschen Vernünftigkeits-Schule“ (F. Nietzsche Unzeitgemäße Betrachtungen, 2, KGW III, 1, S. 167) war bereits mit einer einschlägigen Schrift „Über das Erhabene und Komische“, 1837, hervorgetreten. In ihr ging es darum, wie das zunächst Unästhetische, das Hässliche, im Medium der Kunst aufgehoben werden könne. Als Herausforderung für die Ästhetik galt Vischer „das Interesse der Sinne“ (F. Th. Vischer, Über das Erhabene und Komische und andere Texte zur Ästhetik, (Ed.) Willi Oelmüller, Frankfurt/M. S. 71)., die Disharmonie im „Streit empörter Kräfte“, die Herbheit des tragischen Zwiespalts (ebenda S. 69), aber auch das vereinzelte, die „stoffartigen Atome“, welche uns in ihrer „Massenhaftigkeit“ als Naturerfahrung gegenwärtig seien (ebenda S. 64). Die Frage war, wie diese, die ästhetische Harmonie gefährdenden Elemente bewältigt werden können.
Lösung/Vischer: der Schlüssel für die Lösung des Problems liegt in Kants Bestimmung eben des Erhabenen. Das Erhabene beweise „ein Vermögen des Gemüts“, „das jeden Maßstab der Sinne übertrifft.“ (ebenda S. 71; zu Kants Kritik der Urteilskraft §25ff, S. 333ff, insbes. S 336).
Erhabenes/Vischer: was unserer sinnlichen Einbildungskraft maßlos und ungeheuer erscheine, erwecke das Gefühl eines übersinnlichen Vermögens in uns. Das Endliche in seiner, den Sinnen inkommensurablen Gestalt müsse unser ästhetisches Empfinden nicht beleidigen, sondern könne in uns die Vorstellung vom Unendlichen ex negativo wachrufen.
Das Hässliche wird zum bloßen Anlass.
Schönheit/Vischer: das Schöne treibe aus sich selbst Turbulenzen, „Gärungen“ (ebenda S. 69) hervor, um sich anlässlich seines eigenen Gegensatzes auf eine höhere Stufe heben zu können.
Erhabenes/Vischer: das erhabene wird damit ein notwendiger und wesentlicher Bestandteil der Idee des Schönen. Es erweist dessen Steigerungsfähigkeit und Überlegenheit.
NietzscheVsVischer/Pfotenhauer: Nietzsche konnte sich diese Zuversicht in das Verweisen und Transzendieren nicht zu eigen machen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Vischer I
Friedrich Theodor Vischer
Über das Erhabene und Komische und andere Texte zur Ästhetik Frankfurt/M. 1967

Pfot I
Helmut Pfotenhauer
Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985

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