Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas III 235
Religion/Weber/Habermas: Weber untersucht die religiösen Grundlagen der rationalen Lebensführung am Alltagsbewusstsein z. B. von Calvinisten, Methodisten, Pietisten, täuferischen Sekten. Hauptzüge sind
- Radikale Verwerfung magischer Mittel
- Vereinsamung des einzelnen Gläubigen
- Weltliche Erfüllung der beruflichen Pflichten als gehorsames Werkzeug Gottes
- Umformung jüdisch-christlicher Weltablehnung in eine innerweltliche Askese.
- Prinzipiengeleitete autonome Lebensführung.
Habermas III 273
Religion/Weber/Habermas: Weber These: es gibt eine gleichgerichtete Rationalisierung aller Weltreligionen. Laut F. H. Tenbruck steht Weber damit im Lager des damaligen Evolutionismus. (1)
Tenbruck: „Die rationalen Zwänge, denen die Religionen folgen sollen, ergeben sich aus dem Bedürfnis, eine rationale Antwort auf das Theodizeeproblem zu erhalten und die Stufen religiöser Entwicklung sind die immer expliziteren Fassungen dieses
Habermas III 274
Problems und seiner Lösungen. (2)
Monotheismus/Weber/Tenbruck: der Monotheismus war für Weber eine Idee, die erst einmal geboren werden musste, dann aber weitreichende Folgen hatte.
Strafender Gott: ebenso war die Vorstellung einer lohnenden und strafenden Gottheit neu, ebenso das Sendungsbewusstsein, nach dem der Mensch sich als Werkzeug Gottes verstehen musste.
Protestantismus/Weber/Tenbruck: fügte dem noch die Prädestination (Vorherbestimmtheit) hinzu. (3)
Habermas III 275/275
R. DöbertVsWeber: dieser unterscheidet nicht genug zwischen der inhaltlichen Problematik und den Bewusstseinsstrukturen, die aus der Ethisierung der Weltbilder hervorgehen. (4)
Inhalte: spiegeln die verschiedenen Lösungen des Theodizeeproblems.
Strukturen: zeigen sich an den „Stellungnahmen zur Welt, die durch formale Weltkonzepte bestimmt sind.
Habermas III 281
Weber: die Weltreligionen versuchen, „das rationale Interesse an materiellem und ideellem Ausgleich“ zu befriedigen, und zwar durch Erklärungen, die zunehmend systematischen Ansprüchen genügen. (5)
Habermas III 293
Entzauberung/Weltbilder/Religion/Moderne/Weber/Habermas: die Entzauberung beobachtet Weber vor allem an der Interaktion zwischen Gläubigen und Gott. Je stärker diese als Kommunikation gestaltet ist,
Habermas III 294
umso strikter kann der Einzelne seine innerweltlichen Beziehungen unter den abstrakten Gesichtspunkten einer Moral systematisieren. Das bedeutet
a) Das Herauspräparieren eines abstrahierten Weltbegriffs
b) Die Ausdifferenzierung einer rein ethischen Einstellung, in der der Handelnde Normen befolgen und kritisieren kann
c) Die Ausbildung eines zugleich universalistischen und individualistischen Personenbegriffs mit den Korrelaten des Gewissens, der moralischen Zurechnungsfähigkeit, der Autonomie, der Schuld usw.
Die pietätvolle Bindung an traditionell verbürgte konkrete Lebensordnungen kann damit zugunsten einer freien Orientierung an allgemeinen Prinzipien überwunden werden.

Habermas IV 281
Religion/Weber/Habermas: Weber hat gezeigt, dass die Weltreligionen von einem Grundthema beherrscht sind, nämlich von der Frage nach der Legitimität der ungleichen Verteilung der Glückgüter unter den Menschen.
Theodizee/Weber/Habermas: die theozentrischen Weltbilder entwarfen Theodizeen, um das Bedürfnis nach einer religiösen Erklärung des als ungerecht wahrgenommenen Leidens in ein individuelles Heilsbedürfnis umzuinterpretieren und zu befriedigen.
Kosmozentrische Weltbilder. Bieten äquivalente Lösungen für dasselbe Problem. Gemeinsam ist religiösen und metaphysischen Weltbildern eine mehr oder weniger scharf ausgeprägte dichotomische Struktur, die es erlaubt, die soziokulturelle Lebenswelt auf eine Hinterwelt zu beziehen. Die Welt hinter der sichtbaren Welt des Diesseits und der Erscheinungen repräsentiert eine fundamentale Ordnung; solch Weltbilder können ideologische Funktionen übernehmen, wenn es gelingt, die Ordnungen der stratifizierten Klassengesellschaft als Homologien dieser Weltordnung darzustellen.

1.F.H. Tenbruck, Das Werk Max Webers, KZSS, 27, 1975, S. 677
2. Ebenda S. 683
3. Ebenda S. 685
4. R. Döbert, Systemtheorie und die Entwicklung religiöser Deutungssysteme, Frankfurt 1973.
5. M.Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I Tübingen, 1963, S. 253.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

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