Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 161
Durchschnittsnutzen/Rawls: das Prinzip des Durchschnittsnutzens unterscheidet sich von denen der Vertragstheorie.
Angewendet auf die Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der die Individuen hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position sind, erfordert das Prinzip des Durchschnittsnutzens, dass Institutionen dergestalt arrangiert werden, dass die absolut gewichtete Summe der Erwartungen der relevanten repräsentativen Individuen maximiert werden.
I 162
Diese Summe wird größer, wenn die Zahl der Personen in einer Gesellschaft wächst.
Utilitarismus: hier werden Erwartungen an der Summe der tatsächlichen und voraussehbaren Befriedigung gemessen.
Theorie der Gerechtigkeit als Fairness: hier geht es dagegen um ein Verzeichnis der primären öffentlichen Güter (z.B. Freiheiten, Infrastruktur usw.).
Klassische Theorie des Durchschnittsnutzens: wurde von Mill und Wicksell vertreten. Siehe dazu Gunnar Myrdal, The Political Element in the Development of Economic Theory London, 1953, pp.38f.; J. C. Smart, An Outline of a System of Utilitarian Ethics, Cambridge, 1961, p. 18; J.C. Harsanyi „Cardinal Utilitry in Welfare Economics and the Theory of Risk Taking“, Journal of Political Economy, vol. 61, 1953.).
Summe des Nutzens/Bevölkerungswachstum/Rawls: die Summe wird nicht wachsen, wenn wir sie auf die Fraktionen der Gesellschaft mit bestimmten Positionen anwenden, solange der Prozentsatz dieser Fraktionen sich nicht ändert.
Bevölkerungswachstum: nur wenn eine Bevölkerung sich ändert gibt es einen Unterschied zwischen der klassischen Theorie und der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness.
I 166
Durchschnittsnutzen/Rawls: die Annahme einer Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der alle hinter einem Schleier des Nichtwissens stehen, spricht für die Einführung des Durchschnittsprinzips und gegen die klassische Sicht. Allerdings ist die Durchschnittstheorie nicht teleologisch, wie die klassische Theorie.
Durchschnittsprinzip: es ist nicht so, dass es von allen Teilnehmern die gleiche Art von Risikobereitschaft verlangt.
I 171
Durchschnittsnutzen/Rawls: es scheint so, dass das Durchschnittsprinzip an das Prinzip des unzureichenden Grunds (siehe Risiken/Rawls) gebunden sein muss. Wir brauchen etwas wie die Laplace-Regel für Entscheidungen unter Ungewissheit: die Möglichkeiten werden auf eine natürliche Weise bestimmt und jeder wird eine Wahrscheinlichkeit zugeschrieben. Dabei wird nicht von allgemeinen Informationen über die Gesellschaft ausgegangen. (Vgl. W. Feller, Profitability and Profit, pp. 210-233; L.J. Savage, The Foundations of Statistics, New York, 1954; H.E. Kyburg, Probability and Inductive Logic, Riverside, 1970). Siehe Wahrscheinlichkeit/Rawls).
I 188
Durchschnittsnutzen/Idealer Beobachter/Rawls: vom Standpunkt der Personen in der Anfangssituation gibt es keinen Grund, den Einschätzungen eines mitfühlenden idealen Beobachters zuzustimmen. Eine solche Übereinstimmung hätte alle Nachteile des klassischen Nutzenprinzips. Wenn jedoch die Teilnehmer als vollständige Altruisten aufgefasst werden, d.h. also als solche, die mit den Zielen des mitfühlenden idealen Beobachters übereinstimmen,
I 189
dann würde das klassische Prinzip übernommen. Die größte Summe an Glückseligkeit befriedigt den Beobachter wie den Altruisten innerhalb des Systems. Damit erhalten wir das überraschende Ergebnis, dass, während das Prinzip des Durchschnittsnutzens der Ethik des Individuums entspricht, die klassische utilitaristische Doktrin eine solche der altruistischen Ethik ist!


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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