Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 291
Sparen/Generationengerechtigkeit/Reziprozität/Rawls: die Generationen sollen sich fragen, wieviel sie bereit sind, anzusparen, wenn alle anderen dasselbe tun. Dadurch sollen sie ein Prinzip des gerechten Sparens aufstellen, dass für alle gilt.
I 288
Einzig die Angehörigen der allerersten Generation profitieren nicht davon, aber niemand weiß in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, zu welcher Generation er gehört.
I 289
Das Prinzip des gerechten Sparens zwingt aber nicht dazu, auf ewig weiter zu sparen. Details sind zu späteren Zeitpunkten zu klären.
Jede Generation hat ihre eigenen, angemessenen Ziele. Generationen sind einander ebenso wenig unterworfen wie Individuen es sind. Keine Generation hat besondere Ansprüche.
I 290
Sparen/Sparrate/Wohlstand/Rawls: das letzte Stadium einer Gesellschaft muss keines des Überflusses sein. Das Prinzip der Gerechtigkeit fordert nicht frühere Generationen zu sparen, damit spätere mehr haben. Vielmehr geht es beim Sparen um die Ermöglichung einer besseren Ausprägung einer gerechten Gesellschaft und gleicher Freiheiten. Wenn mehr angespart wird, ist es für andere Zwecke. Es wäre ein Missverständnis zu denken, die Verwirklichung einer guten und gerechten Gesellschaft müsse warten bis ein hoher Lebensstandard erreicht ist.
Reziprozität/Rawls: Das Prinzip der Reziprozität wird meist angewendet, wenn es um einen Ausgleich von Vorteilen geht. Aber man kann der früheren Generation nichts zurückgeben. Das ist der Spezialfall für die Reziprozität beim Sparen.
I 291
Alexander Herzen und auch Kant beklagten die Ungerechtigkeit, dass die Späteren von den Leistungen der Früheren profitieren, ohne etwas zurückzugeben. (Kant „Idea for a Universal History with a Cosmopolitan Purpose“, Zitiert aus Hans Reiss (ed.) Kant, Political Writings, Cambridge, 1970, p. 44.; Zitat A. Herzen aus Isaiah Berlin’s Einführung zu Franco Venturi, Roots of Revolution, New York, 1960 p. xx.)
RawlsVsKant/RawlsVsHerzen: diese Gefühle sind fehl am Platze: die Relation ist asymmetrisch, aber das ist zu beheben. Zunächst stellt sich die Frage der Gerechtigkeit wegen der zeitlichen Erstreckung in nur einer Richtung gar nicht. Was gerecht oder ungerecht sein kann ist die Weise, wie Institutionen mit dieser Situation und mit historischen Möglichkeiten umgehen. Wenn nun alle Generationen mit Ausnahme der ersten profitieren, und jeder von seinen Vorfahren erbt, muss nur ein gerechtes Spar-Prinzip gewählt werden, das sicherstellt, dass Spätere auch von seinen Leistungen profitieren. Die einzige Reziprozität zwischen Generationen ist virtuell. Die Einzelheiten kann jede Generation jedoch für sich selbst regeln.
I 292
Spargerechtigkeit/Gerechtes Sparen/Rawls: wir nehmen die fiktive Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft als Gegenwart und uns selbst als Teilnehmer an. Diese Situation beinhaltet Angehörige aller möglichen Generationen. Niemand weiß, welcher Generation er selbst angehört.
So gibt es für niemand einen Grund, zu sparen – entweder haben frühere Generationen gespart oder nicht. Daran kann man jetzt nichts ändern.
Lösung/Rawls: Individuen als Teil einer Familienlinie anzunehmen, die sich fortsetzt. Das weitere wird von den beiden Prinzipien der Gerechtigkeit geregelt. (Siehe Prinzipien/Rawls.) So wie das erste Gerechtigkeitsprinzip und das Prinzip der fairen Chancengleichheit die Anwendung des Differenzprinzips (siehe Differenzprinzip/Rawls) innerhalb einer Generation begrenzt, so begrenzt das Prinzip des gerechten Sparens seine Anwendung zwischen den Generationen.
I 293
Kein Benachteiligter aus irgendeiner Generation kann sich dann beklagen, dass andere nicht ihren Teil beitragen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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> Gegenargumente gegen Rawls

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