Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
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Def Hedonismus/Rawls: der Hedonismus wird in der Tradition in zwei Weisen interpretiert: a) als die Auffassung, dass das einzige intrinsische Gut das Gefühl von etwas Angenehmen sei oder b) als die psychologische These, dass Genuss das einzige sei, dass Individuen anstreben.
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Rawls: ich fasse den Hedonismus als den Versuch auf, das Konzept des Endziels durchzusetzen, d.h. den Versuch zu zeigen, dass eine rationale Entscheidung stets möglich ist, wenigstens im Prinzip. Obwohl dieser Versuch fehlschlägt, lohnt es sich, an seinem Beispiel den Unterschied zwischen Utilitarismus und Vertragstheorie zu zeigen.
Hedonismus/Rawls: nimmt also an, es müsse ein Endziel geben, weil es keinen rationalen Weg gibt, gleichrangige Ziele gegeneinander abzuwägen. Genuss ist für ihn dann einfach ein angenehmes Gefühl und damit der einzige Kandidat für ein übergeordnetes Ziel, und zwar durch Elimination konkurrierender Ziele, nicht durch ein Prinzip. Wenn es rationale Entscheidungen gibt, muss es ein höchstes Ziel geben und Glück oder ein anderes objektives Ziel kann es nicht sein, weil das zirkulär wäre. (Siehe C. D. Broad, Five Types of Ethical Theory (London, 1930).
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Hedonismus/Sidgwick/Rawls: auch wenn zu wenig Information zur Verfügung steht, vermittelt maximales Vergnügen eine Idee vom Guten. Für Sidgwick ist das hinreichend dafür, dass Vergnügen als rationales Ziel eine Orientierung der Überlegung ist. (Siehe H. Sidgwick, The Methods of Ethics, 7th ed. (London, 1907), pp. 405-407.)
RawlsVsHedonismus: er scheitert daran, ein vernünftiges übergeordnetes Ziel zu definierten, denn sobald das Vergnügen hinreichend detailliert beschrieben ist,
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sodass es in die rationalen Überlegungen des Handelnden einbezogen werden kann, ist es nicht mehr plausibel, dass es das einzige rationale Ziel sein sollte. (Vgl. Broad, p. 187).
((s) Erklärung: wenn es z.B. um das Erleben der Geburt eines Enkels geht, muss es schon ein übergeordnetes Ziel geben, nämlich selber so lange zu leben. - Wird der Handelnde gefragt, was ihm wichtiger sei, das eigene oder das Leben des Enkelkinds, wird er seinen Hedonismus wahrscheinlich aufgeben.)
Vergnügen/Sidgwick/RawlsVsSidgwick/Rawls: für ihn ist es schwierig, verschiedene Formen des Angenehmen gegeneinander abzuwägen und zu bewerten. (Sidgwick p. 127.).
Vergnügen/Aristoteles/Rawls: Aristoteles sagt, dass ein guter Mensch sein Leben, wenn nötig, für einen Freund aufgibt, mit der Begründung, er bevorzuge eine kurze Zeit intensiven Vergnügens gegenüber einem langen stumpfsinnige Leben. (Aristotle, Nicomachean Ethics, 1169a17-26).
Santayana/Rawls: meint, wir müssten den relativen Wert von Vergnügen und Schmerz gegeneinander abwägen.
Petrarca/Santayana/Rawls: wenn Petrarca sagt, dass tausend Vergnügen nicht einen einzigen Schmerz aufwiegen können, nimmt er einen Maßstab an, der hinter beide Möglichkeiten zurückgeht. Der Handelnde muss sein ganzes Leben bei der Abwägung einbeziehen. So kommt das Problem der Vielheit der Zwecke zurück. (G. Santayana, The Life of Reason in Common Sense (New York, 1905) pp. 237f.)
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Wirtschaftstheorie/Nachfragetheorie/Rawls: Es ist ein Missverständnis, dass in der modernen ökonomischen Theorie, z. B: der Nachfragetheorie, das Problem des Hedonismus gelöst wäre. Hier werden Bedürfnisse als Menge von Alternativen konvex und vollständig geordnet. Dann gibt es eine Nutzenfunktion, die die günstigste Alternative für ein Individuum aussucht.
RawlsVs: das kann aber nur als Leitlinie genommen werden, wenn ein Individuum sich daran zu halten wünscht. Dann sind wir aber wieder beim Problem der Rationalen Entscheidung angekommen. (Siehe L. Walras, Elements of Pure Economics, Homewood, Ill, 1954) p. 256; P. A. Samuelson, Foundations of Economic Analysis (Cambridge, 1947), pp. 90-92; R.D. Luce and H. Raiffa, Games and Decisions (New York, 1957), pp. 16, 21-24, 38.)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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