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Interpretation: A. Das Aufstellen von Aussagen über andere Aussagen, wobei sich die neuen Aussagen des Vokabulars der ursprünglichen Aussagen bedienen sowie eventuell neues Vokabular einführen. Wird kein neues Vokabular eingeführt, kann neue Information durch Umstellung der syntaktischen Elemente gewonnen werden.
B. In der Logik das Einsetzen von Werten (Gegenständen) anstelle der Konstanten bzw. freien Variablen.


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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Charles Taylor über Interpretation – Lexikon der Argumente

Gaus I 65
Interpretation/Charles Taylor/Forbes: Charles Taylor (1971)(1), der das klassische Plädoyer für das Interpretieren in den Sozialwissenschaften darstellt, argumentierte, dass politische Phänomene analog zu obskuren Texten betrachtet werden sollten, die einer Übersetzung oder einer interpretativen Erklärung bedürfen. Wie bei Texten, so auch bei politischen Phänomenen: Wir verstehen sie erst, wenn wir ihre Bedeutungen verstehen.
Forbes: Meinungsumfragen und andere Erhebungen (z.B. Mandel und Verba, 1963) mögen eine gewisse Hilfe sein, aber da die relevanten Bedeutungen nicht nur "subjektiv" (und mehr oder weniger weit verbreitet), sondern auch "intersubjektiv" sind (und daher normalerweise nicht Gegenstand von Diskussionen oder gar Reflexionen sind), werden direkte Antworten auf direkte Fragen oft nicht aufschlussreich sein. Die tieferen Bedeutungen, nach denen wir suchen, können nur durch die Art von "dichter Beschreibung" ans Licht gebracht werden, wie sie in Clifford Geertz' berühmter (1973) Analyse des balinesischen Hahnenkampfes exemplifiziert wird.
Das vielleicht beste Etikett für das, was Taylor und Geertz heute repräsentieren, ist der Titel dieses Abschnitts, "intentionale Analyse". Er vermeidet die wenig hilfreiche Breite der "Interpretation", die Neuartigkeit und Unklarheit der "dichten Beschreibung", die ablenkenden Assoziationen der "Hermeneutik" und die irreführende Andeutung, die der alte Gegensatz zwischen Erklärung und Verständnis (von Wright, 1971)(4) impliziert, dass die Klärung von Absichten nicht erklärend sei. Sie stellt den zielgerichteten Charakter individueller Handlungen und sozialer Institutionen in den Vordergrund und legt deutlich die Notwendigkeit einer sorgfältigen Analyse nahe, da die relevanten Absichten nicht offensichtlich oder leicht zu formulieren sein mögen.


1. Taylor, Charles (1985 [1971]) ‘Interpretation and the sciences of man’. In his Philosophy and the Human Sciences, Philosophical Papers, vol. 2. Cambridge: Cambridge University Press, 15–57.
2. Almond, Gabriel and Sidney Verba (1963) The Civic Culture: Political Attitudes and Democracy in Five Nations. Princeton, NJ: Princeton University Press.
3. Geertz, Clifford (1973) The Interpretation of Cultures: Selected Essays. New York: Basic.
4. Von Wright, Georg Henrik (1971) Explanation and Understanding. London: Routledge and Kegan Paul.


Forbes, H. Donald 2004. „Positive Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

EconTayl I
John Brian Taylor
Discretion Versus Policy Rules in Practice 1993

Taylor III
Lance Taylor
Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019

TaylorB II
Barry Taylor
"States of Affairs"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

TaylorCh I
Charles Taylor
The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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