Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 284
Taxonomie/Klassifikation/Ordnung/Gould: manche Taxonomen vertreten die Auffassung, Organismen sollten nur nach ihren Abzweigungsmustern gruppiert werden.
Wenn zwei Gruppierungen voneinander abgezweigt sind und keine Nachfolger haben, wie Vögel und Dinosaurier, müssen sie in einer formalen Klassifizierung zusammengefasst werden, bevor jede von ihnen sich einer anderen Gruppe anschließt, (wie z.B. Dinosaurier mit anderen Reptilien)
Kladistisches (Abzweigungs-) System der Taxonomie: in einem solchen System können Dinosaurier keine Reptilien sein, solange nicht auch Vögel Reptilien sind. Sind aber Vögel keine Reptilien, müssen Dinosaurier und Vögel eine eigene neue Klasse bilden.
Kladistisch: ist die Frage, welche Abzweigung zuerst kommt, denn es entsteht eine neue Gruppe. Traditionelle Auffassung: Strukturunterschiede sind maßgeblich.
Andere Taxonomen sind der Meinung, die Abzweigungspunkte sollten nicht das einzige Kriterium sein, und ziehen auch den Grad der adaptiven Divergenz von Strukturen in Betracht.
Bsp Nach dem kladistischen System haben Lungenfische und Kühe einen höheren Verwandtschaftsgrad als Lungenfische und Lachse.
Tradition: Nach dem traditionellen System berücksichtigen wir sowohl die biologische Struktur als auch die Abzweigungsverhältnisse und können Lachse und Lungenfische wegen zahlreicher gemeinsamer Merkmale zusammenhalten.
Das traditionelle System erkennt eine ungleichmäßige Evolutionsgeschwindigkeit nach einer Abzweigung als Klassifikationskriterium an.
I 289
Gould: ich neige eher dem traditionellen als dem kladistischen System zu. Auch Fledermäuse werden nicht einer gesonderten Klasse zugewiesen, bloß weil sie fliegen.
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IV 131
Taxonomie/Gould: Variation spielt hier eigentlich eine andere Rolle als in der Evolution.
Evolution: es gibt wohl "Inseln der Form": Es gibt keine fließenden Übergänge von Katzen zu anderen Tieren.
Art: obwohl Arten diskret sein können, besitzen sie doch keine unveränderlichen Merkmale! Variationen sind das Rohmaterial der evolutionären Veränderung.
Variationen gibt es von Anfang an: Merkmale sind trügerisch.
Def Art: Arten müssen als Ketten nicht reduzierbarer Variationen definiert werden. (Anti-Essentialismus).
IV 173
Taxonomie/Gould: numerische Präzision kann nicht das Ordnungsprinzip der Taxonomie sein, weil sich das Leben im Zeitverlauf entfaltet.
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III 23
Taxonomie/Klassifikation: bei der Einteilung exotischer Arten können wir vielleicht "größtmögliche Objektivität" walten lassen, aber beim Homo sapiens geraten wir ins Stolpern.
Nichts ist irreführender, als eng begrenzte, formal richtige Information, die aus dem Zusammenhang gerissen wurde.
Vorurteil: in unseren Bildern nimmt die Zeit vor dem Auftauchen der Wirbeltiere nie mehr als 10% aus, in Wirklichkeit ist sie fast die Hälfte der gesamten Evolutionsdauer.
III 27
Wirbeltiere: bis heute sind mehr als die Hälfte aller Wirbeltiere Fische.
III 60
Klassifikation/Gould: besteht nicht darin, dass man objektiv erkennbare Kategorien verteilt. Taxonomie umfasst viele menschliche Entscheidungen, die wir der Natur aufzwingen. Es gibt tatsächlich objektive Natur, aber wir können uns mit ihr nur durch die Struktur unserer taxonomischen Systeme verständigen.
Es ist nicht wahr, dass solche Systeme frei von Zweideutigkeiten wären.
Bsp "Zwei Geschlechter Modell": gibt es erst seit Descartes und Newton. Von der Antike bis zur Renaissance bevorzugte man ein "Ein Geschlecht Modell": die Körper der Menschen befinden sich in einem kontinuierlichen Spektrum der Vollkommenheit vom Niedrig-Irdischen bis zur höchsten Idealisierung.
III 89
Klassifikation: Problem: manche Systeme stellen erfolgreiche Gruppen als von der Hauptlinie entfernt dar.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

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