Philosophie Lexikon der Argumente

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Gould II 243
Mensch/Teilhard/Gould: Teilhard These: Beim Menschen hat sich der Geist so weit angesammelt, dass er Selbstbewusstsein entwickelt. Teilhard lobt den österreichischen Biologen Eduard Suess für den von ihm geprägten Begriff der "Biosphäre" als Zusatz zu den traditionellen konzentrischen Schichten der Lithosphäre und der Atmosphäre. Aber das Bewusstsein, so argumentiert Teilhard, hat noch eine zusätzliche Schicht: die "psychisch reflektive menschliche Schicht, die Noosphäre".
Teilhard beschreibt die Noosphäre als eine physische Realität, als eine dünne, zerbrechliche Schicht, die sich nun folgend auf die Erscheinung unserer Vorfahren in Afrika und der anschließenden Auswanderung über die ganze Welt erstreckte.
Teilhard These: Die Evolution hat nun den halben Weg hinter sich. Es beginnt die Herrschaft des Geistes, bisher war alles Materie...+..
GouldVsTeilhard: wäre es zu kleinkariert angesichts eines so großartigen Entwurfs, darauf hinzuweisen, dass er an seinem einzigen überprüfbaren Berührungspunkt mit dem Fossilbeleg zu scheitern scheint? Wenige Paläontologen können eine allgemeine Tendenz in der Geschichte des Lebens feststellen, ganz zu schweigen von einer Tendenz zunehmender Geistigkeit. Der Großteil des Lebens besteht aus Insekten, Bakterien, Milben, und da kann man beim besten Willen keine zunehmende Geistigkeit erkennen.
Gould: Die Evolution ist doch ein kompliziert wuchernder Busch und kein Bündel von parallelen Zweigen.
Teilhard hat den Ausdruck Evolution in einem metaphysischen Sinn angewandt, um die Gesetze des kosmischen Fortschritts zu identifizieren, und nicht in unserem gängigen Sinne, um die Mechanismen der organischen Veränderung (die Teilhard mit "Transformismus" bezeichnet) zu beschreiben.
GouldVsTeilhard: seine technische Arbeiten sind stichhaltig und fundiert, aber sie beschäftigen sich mit "Transformismus" und existieren in einer Welt, die von seiner anthropozentrischen Vision einer "kosmischen Evolution" klar getrennt ist.
Vielleicht besteht das Problem bei all diesen zoozentrischen wie anthropozentrischen Systemen darin, allzu umfassende Systeme konstruieren zu wollen.
Gould: unsere Stellung in der Welt ist komplex und einfach zu vieldeutig. (…) Man kann weder einen Bretterzaun um den Menschen in der Evolution ziehen, noch kann man eine völlige Kontinuität konstruieren. Wir sind nur ein winziges Zweiglein auf einem Baum, den wir mit mindestens einer Million anderer Tierarten teilen, aber wir haben die Oberfläche des Planeten gründlich verändert.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Teilhard I
Pierre Teilhard de Chardin
The Phenomenon of Man New York 1976

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

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> Gegenargumente gegen Teilhard de Chardin

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