Philosophie Lexikon der Argumente

Screenshot Tabelle Begriffe

 
Theorien: Theorien sind Aussagensysteme zur Erklärung von Beobachtungen z.B. von Verhalten oder physikalischen, chemischen oder biologischen Prozessen. Beim Aufstellen von Theorien werden ein Gegenstandsbereich, ein Vokabular der zu verwendenden Begriffe und zulässige Methoden der Beobachtung festgelegt. Ziel der Theoriebildung ist außer Erklärungen Prognosefähigkeit und Vergleichbarkeit von Beobachtungen. Siehe auch Systeme, Modelle. Experimente, Beobachtung, Beobachtungssprache, Theoretische Termini, Theoretische Entitäten, Voraussagen, Analogien, Vergleiche, Beweise, Verifikation, Reduktion, Definitionen, Definierbarkeit.

_____________
Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas IV 355
Theorien/Parsons/Habermas: bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts bekräftigt Parsons seine These: Wissenschaftliche Theorie ist ein Korpus zusammenhängender Propositionen über empirische Phänomene innerhalb eines Bezugsrahmens. (1)
Bezugsrahmen/Parsons/Habermas: hat den Status von Grundbegriffen und Grundannahmen, die, wie z.B. das protophysikalische Gerüst der klassischen Mechanik, nicht mit den empirischen Theorien, die mit ihrer Hilfe aufgestellt werden können, verwechselt werden dürfen. In diesem Sinne sollte auch der handlungstheoretische Bezugsrahmen den Gegenstandsbereich der Sozialwissenschaften konstituieren. Parsons hatte ihn aber nicht als theoretisches Modell eingeführt – er sollte keineswegs die unter analytischen Gesichtspunkten von der Realität selber abstrahierten Grundzüge repräsentieren. Vielmehr besteht der analytische Realismus auf einer Problemstufenordnung, die zwischen dem kategorialen Rahmen, empiristischen Theorien, wissenschaftlichen Prognosen/Erklärungen und Tatsachen interne, nichtempirische Beziehungen herstellt. Diese Hierarchie bricht aus dem sprachlichen Universum der wissenschaftlichen Kommunikationsgemeinschaft nicht aus.
Neu: nachdem Parsons den handlungstheoretischen Rahmen mit jenen emergenten Eigenschaften identifiziert, die in der Evolution natürlicher Systeme auf der Stufe soziokultureller Lebensformen auftreten, behält der analytische Realismus nur noch einen deklamatorischen Wert. Der handlungstheoretische Rahmen dient von nun an zur Charakterisierung eines bestimmten Typus von grenzerhaltenden Systemen; dabei fällt der allgemeinen Systemtheorie die Aufgabe zu, Modelle aufzustellen, die relevante
Habermas IV 356
Wirklichkeitsausschnitte simulieren. Aussagen über analytische Beziehungen zwischen Werten, Zielen, Normen und Ressourcen verwandeln sich zu Aussagen über empirische Beziehungen zwischen Systembestandteilen.
Die empiristisch uminterpretierte Handlungseinheit bildet sich in Prozessen des Austauschs zwischen ihren Komponenten. Nur unter dieser essentialistischen Voraussetzung kann auch der Organismus oder das Verhaltenssystem zwanglos der Trias Person, Gesellschaft und Kultur angegliedert werden. (Parsons pro Essentialismus). Seine Theorie erhält nun die Konnotationen einer Nachkonstruktion von Merkmalen sich selbst strukturierender Handlungssysteme.


1.T.Parsons, E.Shils, K. D. Naegele, J.R. Pitts (Eds.) Theories of Society, NY 1961, S. 965.


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Send Link
> Gegenargumente gegen Parsons
> Gegenargumente zu Theorien ...

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z