Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas IV 400
Macht/Systemtheorie/Parsons/Habermas: innerhalb der Systemtheorie von Parsons wird Macht als ein Kommunikationsmedium aufgefasst (die anderen drei Kommunikationsmedien bei Parsons sind Geld, Einfluss und Wertbindung). (Siehe auch Geld/Parsons/ Kommunikationsmedien/Parsons) Als Steuerungsmedium stellt Macht die symbolische Verkörperung von Wertmenge dar, ohne dass ihr selbst ein intrinsischer Wert zukommt. Macht besteht weder in effektiven Leistungen noch in der Anwendung physischer Gewalt. Wie Geld spiegelt das Machtmedium die Struktur von Anspruch und Einlösung.
Habermas IV 401
Ansprüche: die durch den Code festgelegten nominellen Ansprüche auf Folgebereitschaft für bindende Entscheidungen können in Realwerten eingelöst werden und sich durch Reserven besonderer Art gedeckt. Dem „Tauschwert“ der Macht entspricht nach Parsons der „Gebrauchswert“ der Verwirklichung kollektiver Ziele. Als Deckung dinet die Disposition über Zwangsmittel. (1)
Code: ist im Fall der Macht ähnlich strukturiert wie beim Medium Geld: Machthaber und Machtunterworfener gehören demselben Kollektiv an. Denn Machtinteressen sind dadurch definiert, dass Leistungspotentiale für die Erreichung von kollektiv erwünschten Zielen mobilisiert werden. Der generalisierte Wert ist hier Effizienz (beim Geld ist es Nutzen). Der Machtcode schematisiert mögliche Äußerungen als Zustimmung zu oder Ablehnung von Imperativen.
Habermas IV 402
Wert: die dem Anspruch auf Folgebereitschaft entsprechende Wertmenge ist nicht so manipulierbar wie der Tauschwert im Fall des Geldes. Das liegt daran, dass im Machtmedium kein Zeichensystem zur Verfügung steht wie im Fall des Geldmediums. Machtsymbole wie Uniformen, Embleme oder Amtssiegel sind unter syntaktischen Gesichtspunkten nicht dem System von Preisen vergleichbar. Das führt zum Problem der Messbarkeit.
Macht kann veräußert werden, ist aber nicht zirkulierbar wie Geld. Allerdings kann Macht nur die Form eines Mediums überhaupt nur deshalb annehmen, weil sie nicht an bestimmten Machthabern oder Kontexten haftet. Allerdings bindet Macht sich stärker symbiotisch an Personen und Institutionen als Geld dies tut.
Habermas IV 403
Macht muss von Zeit zu Zeit demonstriert werden, da sie nicht wie ein Depot bei einer Bank, gedeckt ist. Insgesamt lässt sich Macht nicht so gut kalkulieren wie Geld.
Macht/Geld/Luhmann: was die Systemeigenschaften betrifft, verhalten sich die beiden Medien Geld und Macht teilweise entgegengesetzt: während die Finanzierung von Geld, z.B. die Kreditgewährung in der Regel die Eigenkomplexität des Wirtschaftssystems erhöht, wird die Komplexität des Systems im Falle einer Verstärkung der Macht herabgesetzt. (2)
Habermas IV 404
Anders als Geld braucht Macht nicht nur eine Deckung (durch Zwangsmittel) und einer rechtlichen Normierung (in Form von Amtsinhaberschaft) sondern sie bracht zusätzlich noch eine Legitimation.


1.T Parsons, Some Reflections on the Place of Force in Social Process, in: T. Parsons, Social Theory and Modern Society, NY 1967, S. 264ff
2.N. Luhmann, Zur Theorie symbolische generalisierter Kommunikationsmedien, in. ZfS 1974, S 236ff.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

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