Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas III 232
Gesinnungsethik/ethic of conviction/Weber/Habermas: Die Autonomisierung von Recht und Moral führt zum formalen Recht und zu profanen Gesinnungs- und Verantwortungsethiken. Freilich bahnt sich diese Autonomisierung selbst noch innerhalb religiöser Deutungssysteme an. Das führt zur Dichotomisierung zwischen einer Heilssuche, die an inneren Heilsgütern und Erlösungsmitteln orientiert ist, und der Erkenntnis einer äußeren, objektivierten Welt. Weber zeigt, wie sich aus dieser Gesinnungsreligiosität gesinnungsethische Ansätze entwickeln. (1)
Die Gesinnungsethik ist prinzipiengeleitet und universalistisch. Sie hebt die Trennung zwischen Binnen- und Außenmoral auf. Dem entspricht ein radikaler Bruch mit dem Traditionalismus rechtlicher Überlieferung. (2)
Normen, die sich auf Magie usw. berufen, werden entwertet. Normen gelten nun als bloße Konventionen, die einer hypothetische Betrachtung zugänglich sind und positiv gesetzt werden können.
III 233
Normen, Verfahren und Materien werden zum Gegenstand rationaler Erörterung und profaner Entscheidung. Daraus folgen die wichtigsten Merkmale legaler Herrschaft:
- Jedes beliebige Recht kann zu einer Satzung werden
- Das Recht als Ganzes besteht aus einem System abstrakter Regeln, die Rechtspflege besteht in der Anwendung dieser Regeln auf Einzelfälle.
- Beamten sind keine persönlichen Herrsche. Die Verwaltung ist ebenfalls durch Rechtsregeln gebunden und wird nach angebbaren und nicht missbilligten Prinzipien geführt.
- Die Menschen, die der rechtsmäßig konstituierten Herrschaft gehorchen, sind Bürger und keine Untertanen. Sie gehorchen dem Recht, nicht Beamten.
- Jede Maßnahme eines Eingriffs in die Freiheit oder das Eigentum ist zu begründen. (3)
Habermas III 314
Problem: die moralisch-praktische Rationalität der Gesinnungsethik kann in der Gesellschaft, deren Start sie ermöglicht, selbst nicht institutionalisiert werden. Sie wird vielmehr durch einen Utilitarismus ersetzt, der sich einer empiristischen Umdeutung der Moral, nämlich der pseudomoralischen Aufwertung der Zweckrationalität, verdankt und über die interne Beziehung zur moralischen Wertsphäre nicht mehr verfügt.
Lösung/Weber: die Konkurrenz mit den wissenschaftlich rationalisierten Deutungsmustern und Lebensordnungen entscheidet über das Schicksal der Religion
Habermas III 315
und verschiebt diese letztlich ins Irrationale. (4)
Habermas III 318
Gesinnungsethik/Weber/Habermas: Laut Weber ist die Gesinnungsethik durch folgende Einstellung charakterisiert: „Der Christ tut recht und stellt den Erfolg Gott anheim“. (5)
Habermas: damit betritt Weber den Boden einer philosophischen Diskussion, die den Eigensinn moralisch-praktischer Fragen, die Logik der Rechtfertigung von Handlungsnormen herausarbeiten konnte, nachdem sich Moral und Recht von der Begrifflichkeit religiöser (und metaphysischer) Weltbilder gelöst hatten.


1. M. Weber, Gesammelte Ausätze zur Religionssoziologie, Bd. I. 1963, S. 541.
2. Ebenda S 543.
3. R. Bendix, Max Weber. Das Werk, München 1964, S. 320.
4. M. Weber (1963) S. 253
5. M. Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I Tübingen, 1963, S.552.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

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