Philosophie Lexikon der Argumente

Screenshot Tabelle Begriffe

Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas III 299
Protestantische Ethik/Weber/Habermas: in der traditionellen Gesellschaft kann das kognitive Potential, das mit den durchrationalisierten Weltbildern entsteht, innerhalb deren sich der Entzauberungsprozess vollzieht, noch nicht wirksam werden. Es wird erst in modernen Gesellschaften entbunden. Dieser Vorgang bedeutet die Modernisierung der Gesellschaft. (1)
Habermas III 307
Beruf/Protestantismus/Weber: die moderne Berufskultur ist genau diejenige Implementierung der Gesinnungsethik, mit der die Zweckrationalität des Unternehmerhandelns in einer für den kapitalistischen Betrieb folgenreichen Weise motivational gesichert wird.
Habermas III 308
Weber will nicht erklären, warum die katholischen Hemmungen gegen das kaufmännische Gewinnstreben gefallen sind, sondern wodurch die Umstellung möglich geworden ist. Die entsprechenden Lehren entdeckt er im Calvinismus und im Umkreist der protestantischen Sekten. Im religiösen Gemeindeleben findet er die Institutionen, die für die sozialisierende Wirksamkeit der Lehren in den Trägerschichten des frühen Kapitalismus sorgte. (2)
Habermas III 310
Beruf/Weber/Habermas: die Berufsarbeit als ganze wird ethisch aufgeladen und dramatisiert. Die Sphäre des Berufs wird von traditionaler Sittlichkeit freigesetzt und wird zur Sphäre zweckrationaler beruflicher Bewährung. Das hängt mit einer auf individuelle Gnadenerweise eingeschränkten Gesinnungsethik zusammen, die das katholische Nebeneinander von Mönchs-, Priester- und Laienethik zugunsten einer elitären Trennung zwischen Virtuosen und Massenreligiosität beseitigt.
Konsequenzen daraus sind die innere Vereinsamung des Individuums und das Verständnis des Nächsten als eines in strategischen Handlungszusammenhängen neutralisierten Anderen. (3)
Habermas III 311
Protestantische Ethik/Schluchter: die Ethik des asketische Protestantismus stellt die Beziehung des Einzelnen zu Gott über seine Beziehungen zu den Menschen und gibt diesen Beziehungen eine neue Bedeutung: sie sind nicht mehr in Pietätsbegriffen interpretiert. (4)
Habermas: bereits die Versachlichung dieser Beziehungen zerstört die Legitimationsgrundlage der Pietät. Sie degradiert alle überlieferten Normen zu bloßen Konventionen. Dazu bedarf es allerdings nicht der speziellen Versachlichung, die für den kapitalistischen Wirtschaftsverkehr erforderlich ist und die Segmentierung eines rechtlich organisierten Bereichs strategischen Handelns ermöglicht.
HabermasVsWeber: dieser verneint eine solche Entwickungsmöglichkeit.
Habermas III 312
Und zwar wegen er strukturellen Unvereinbarkeit jeder konsequent ethisierten Erlösungsreligion mit den unpersönlichen Ordnungen einer rationalisierten Wirtschaft und einer versachlichten Politik.


1.Vgl. H.V. Gumbrecht, R. Reichardt, Th. Schleich (Hrg), Sozialgeschichte der Französischen Aufklärung, 2 Bde, München, 1981
2. M. Weber, Die protestantische Ethik, hrsg. v. J. Winckelmann, Bd 2, Hamburg 1972, S. 232.
3. Schluchter, Die Entwicklung des okzidentalen Rationalismus, Tübingen 1979, S. 250f.
4. Schluchter ebenda S. 251.


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Send Link
> Gegenargumente gegen Weber

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z