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Kollektive: In den Sozialwissenschaften bezieht sich der Begriff "Kollektive" auf Gruppen von Individuen, die sich aufgrund gemeinsamer Interessen, Ziele oder Eigenschaften zusammenschließen und gemeinsam handeln, um gemeinsame Ziele zu verfolgen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Jürgen Habermas über Kollektive – Lexikon der Argumente

IV 166
Kollektive/Habermas: Ob die Lebensform eines Kollektivs mehr oder weniger „geglückt“ (…) ist, (…) ähnelt der klinischen Frage nach der Beurteilung einer seelischen und geistigen Verfassung eines Patienten als der moralischen Frage nach der Anerkennungswürdigkeit einer Norm oder eines Institutionensystems. Die moralische Beurteilung setzt eine hypothetische Einstellung voraus, also die Möglichkeit, Normen als etwas zu betrachten, dem wir soziale Geltung verleihen oder ansprechen können. Sinnlos ist aber die analoge Voraussetzung, dass wir Lebensformen in gleicher Weise wählen könnten. Keiner kann der Lebensform, in der er sozialisiert worden ist, in derselben Weise reflektiert zustimmen wie einer Norm, von deren Gültigkeit er sich überzeugt hat.(1)
>Normen
, >Regeln, >Gemeinschaft, >Prinzipien.
IV 167
In dieser Hinsicht besteht eine Parallele zwischen der Lebensform eines Kollektivs und der Lebensgeschichte eines Individuums. Der Erwachsene hat die generalisierte Fähigkeit erworben, sich autonom zu verwirklichen.
IV 206
Kollektive/Habermas: Kollektive erhalten ihre Identität nur in dem Maße, wie sich die Vorstellungen, die sich die Angehörigen von ihrer Lebenswelt machen, hinreichend überlappen und zu unproblematischen Hintergrundüberzeugungen verdichten. Die Angehörigen können eine persönliche Identität nur ausbilden, wenn sie erkennen, dass die Sequenz ihrer eigenen Handlungen eine narrativ darstellbare Lebensgeschichte bildet und eine soziale Identität nur dann, wenn sie erkennen, dass sie über die Teilnahme an Interaktionen ihre Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen aufrechterhalten und dabei in die narrativ darstellbare Geschichte von Kollektiven verstrickt sind.
Zur Analyse narrativer Aussagen in diesem Sinne: vgl. A. C. Danto.(2)

1. Zur Hegelschen Unterscheidung zwischen Moralität und Sittlichkeit siehe A. Wellmer, Praktische Philosophie und Theorie der Gesellschaft. Zum Problem der normativen Grundlagen einer kritischen Sozialwissenschaft, Konstanz 1979.
2. A.C. Danto, Analytische Philosophie der Geschichte, Frankfurt 1974.

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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

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