Philosophie Lexikon der Argumente

Screenshot Tabelle Begriffe

 
Moral: Eine mehr oder weniger kodierte Menge von Regeln, Handlungsmaximen, Pflichten und Verboten innerhalb einer Gesellschaft oder Gruppe. Die meisten dieser Regeln sind bei den Mitgliedern der Gesellschaft oder Gruppe unbewusst verinnerlicht. Ihre Rechtfertigung und die mögliche Bewertung von Handlungen werden in der Ethik und Metaethik reflektiert. Siehe auch Werte, Normen, Rechte, Ethik.

_____________
Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas IV 260
Moral/Entwicklung/Psychologie/Kohlberg/Habermas: L. Kohlberg unterscheidet drei Ebenen des moralischen Bewusstseins (1), a) die präkonventionelle Ebene, auf der nur Handlungsfolgen beurteilt werden, b) die konventionelle, auf der bereits die Orientierung an und der Verstoß gegen Normen beurteilt wird, c) die postkonventionelle Ebene, auf der auch die Normen selbst im Lichte von Prinzipien beurteilt werden.

1.L. Kohlberg, Zur kognitiven Entwicklung des Kindes, Frankfurt 1974.


Slater I 165
Moral/Kohlberg: Wie Piaget (>Moral/Piaget) bat Kohlberg (1963/2008)(1) Kinder, über eine Situation nachzudenken. Z.B. das Heinz Dilemma.
Def Heinz Dilemma: Herr Heinz, der Ehemann einer krebskranken Frau, brach in eine Apotheke ein, um ein Medikament zu stehlen, nachdem sich der Apotheker geweigert hatte, ihm das Medikament zu einem reduzierten Preis oder auf Kredit zu geben.
Die Kinder (Jungen im Alter von 10 bis 13 Jahren) diskutierten dann ausführlich über dieses Problem.
Phasen/Kohlberg: 6 Phasen der Moral, gruppiert in drei Stufen:

Erste Stufe: die prämoralische Stufe, Urteile sind durch Eigeninteresse gekennzeichnet.

Die Orientierung in Phase 1 konzentriert sich darauf, Strafen zu vermeiden und Gehorsam um seiner selbst willen zu zeigen.
Die Ausrichtung der zweiten Phase konzentriert sich auf das, was Kohlberg "naiver instrumentaler Hedonismus" nannte, der oft als "Du kratzt meinen Rücken und ich kratze deinen" bezeichnet wird.

Zweite Stufe: die Moral der konventionellen Rollenkonformität, in der Urteile durch die Betonung sozialer Beziehungen und die Wertschätzung von Normen und Konventionen gekennzeichnet sind.

Die Ausrichtung der dritten Phase konzentriert sich auf die Aufrechterhaltung positiver Beziehungen zu anderen, indem sie den erwarteten gesellschaftlichen Standards für gute Leistungen folgt.
Die Ausrichtung der vierten Phase konzentriert sich auf die Einhaltung der Gesetze zur Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung.

Dritte Stufe: Moral der selbst akzeptierten moralischen Prinzipien, mit Urteilen, die sich durch einen Fokus auf die intern gehaltenen moralischen Prinzipien auszeichnen.

Die Ausrichtung der fünften Phase konzentriert sich auf die Koordination der Interessen der Gruppe mit wichtigen universellen Werten wie der Notwendigkeit, das Leben zu erhalten.
Phase 6 konzentriert sich auf das Handeln nach dem Gewissen in Bezug auf die Grundprinzipien der Fairness wie Gleichheit und Menschenrechte.

Kohlbergs These: Es ist notwendig, dass Individuen die Phasen in der Reihenfolge durchlaufen. Das Muster der Zusammenhänge (...) unterstützte die Vorstellung, dass die höheren Ebenen der moralischen Argumentation die niedrigeren Ebenen ersetzen, während sich Kinder entwickeln.


Vor Kohlberg und Piaget waren die dominanten Ansichten der moralischen Entwicklung der behavioristische Ansatz, der sich darauf konzentriert, wie Verhaltensweisen durch Konditionierung erworben werden, der Sozialisationsansatz, der die Internalisierung sozialer Normen betont, und der psychodynamische Ansatz, der die Rolle unbewusster Motive im menschlichen Verhalten betont. Jeder dieser Ansätze stellt Kinder als passive Empfänger von Werten und Normen dar, die ihnen entweder extern oder intern über unbewusste Prozesse auferlegt werden. Kohlberg hingegen charakterisierte die moralische Argumentation von Kindern als sich entwickelnd, wenn sie in komplexen sozialen Umgebungen interagieren und Erfahrungen mit sozialen Rollen sammeln (Turiel, 2008)(2). Kohlberg argumentierte, dass selbst kleine Kinder die mentale und emotionale Fähigkeit haben, ihr soziales Umfeld zu verstehen und über die moralischen Auswirkungen ihres Verhaltens nachzudenken.



1. Kohlberg, L. (1963/2008). The development of children’s orientations toward a moral order. I: Sequence in the development of moral thought. Human Development, 51, 8—20.
2. Turiel, E. (2008). The development of children’s orientations toward moral, social, and personal orders: More than a sequence in development. Human Development, 51, 21—39.


Gail D. Heyman and Kang Lee, “Moral Development. Revisiting Kohlberg’s Stages“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Kohlb I
Lawrence Kohlberg
The Philosophy of Moral Development: Moral Stages and the Idea of Justice New York 1981

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

Send Link
> Gegenargumente gegen Kohlberg
> Gegenargumente zu Moral ...

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z