Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Brocker I 193
Mensch/Ortega y Gasset: Als Wesen, das zur Freiheit bestimmt ist, das heißt immer wieder zu entscheiden hat, wer er sein will und wie er leben möchte - denn die »Umstände« können nicht für ihn entscheiden - ist der Mensch geschichtlich situiert, in bestimmten Handlungs- und Entscheidungskonstellationen existentiell verankert, die er nicht ignorieren kann. Sie sind ein bestimmter Raum von Möglichkeiten und Optionen, innerhalb dessen er handeln und entscheiden kann, um überhaupt weiterleben zu können. Sie sind seine »Lebensbestimmung«. Über diese Lebensbestimmung bzw. »vitale Bestimmung« heißt es: »Die Umstände – die Möglichkeiten – sind das Gegebene und uns Auferlegte an unserem Leben. Sie bilden unsere Welt. Das Leben wählt seine Welt nicht; es findet sich von vornherein in einer bestimmten, unvertauschbaren, in dieser gegenwärtigen Welt vor. Unsere Welt ist die schicksalhaft bestimmte Komponente, die in unser Leben eingeht. Aber diese vitale Bestimmung gleicht nicht der physikalischen.« (1)
Diese „vitale Bestimmung“ hebt allerdings die Entscheidungsfreiheit des Menschen nicht auf. Sie stellt Optionen zur Verfügung. Aber innerhalb der Umstände. Diese Optionen sind nicht identisch mit den Umständen.
Brocker I 196
Massenmensch/Ortega: die Vermassung (Siehe Masse/Ortega) hat dazu geführt, dass der Durchschnittsmensch Herr im Gesellschaftlichen geworden ist. Er handelt nach seinem eigenen Gutdünken, setzt seine Art zu genießen und zu leben durch, verweigert jede Unterordnung und hört auf niemanden.
Brocker I 197
Def Massenmensch/Ortega: 1. Er ist eine statistische Durchschnittsgröße, ein Typ, ein anonymes Bündel von Eigenschaften. ((s) Dennoch spricht Ortega hier nicht von einem Typ im Sinne von Kategorie, sondern von Individuen, wie man sie in der Öffentlichkeit trifft und Ortega meint, diesen fehle eine Individualität.)
Ortega: 2. Der Massenmensch ist affektbestimmt, nicht primär vernunftgeleitet und daher leicht beeinflussbar.
3. Wird der Massenmensch nicht durch Intelligenz und Verantwortungsfähigkeit ausgezeichnet. In der Masse sinkt das Niveau der einzelnen Individuen, sowohl was die Intelligenz, als auch, was die persönliche Verantwortung betrifft. (Siehe Kollektive Intelligenz, Siehe Masse/Freud).
4. Charakteristikum: die ungehemmte Ausdehnung der Wünsche sowie eine grundsätzliche Undankbarkeit gegen alles, was sein reibungsloses, komfortables Leben ermöglicht hat. Ähnlich einem verwöhnten Kind. (2)
5. Unbelehrbarkeit: Er ist sich selbst genug. Er ist zufrieden mit sich selbst, so wie er ist, und verspürt nicht das Bedürfnis, den eigenen Horizont zu erweitern und über ihn hinauszugehen. (3)
Brocker I 198
Der Massenmensch ist für Ortega ein Produkt der liberalen Demokratie, der experimentellen Naturwissenschaft und des technischen Industrialismus. (4)
Siehe auch Verhalten/Ortega.


1. José Ortega y Gasset, La Rebelión de las Masas (con un prólogo para franceses, un epílogo para ingleses y un apéndice: Dinámica del tiempo), Madrid 1937 (zuerst 1929). Dt.: José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, S. 33.
2. Ebenda S. 41
3. Ebenda S. 44
4. Ebenda S. 39.


Thomas Gil, „Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen (1929)“ In: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Ortega y Gasset, José

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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