Philosophie Lexikon der Argumente

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Brocker I 194
Masse/Ortega y Gasset: Der Bevölkerungszuwachs an sich ist nicht schon das, was Ortega »Vermassung« nennt. Vermassungsprozesse kommen zustande, wenn die Tatsache der »Anhäufung« von Menschen bzw. der »Überfüllung« mit Menschen die Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen dieser Menschen, ihren konkreten Lebensstil wesentlich verändert. Die Menschen treten nun in sichtbaren »Mengen« und »Verbänden« auf. Sie nehmen als (quantitative und visuelle) »Menge« die einzelnen Räume und Handlungsplätze der Gesellschaft ein.(1) Und diese allgemeine Überfüllung von Räumen und Plätzen führt zu einer radikalen Veränderung der Weisen der Wahrnehmung und des Verhaltens.
Brocker I 195
Vermassung oder »Masse-Sein« ist für Ortega nicht bloß ein Bevölkerungszuwachs, sondern eine »psychische Tatsache«: Der »Durchschnittsmensch« setzt sich überall durch, rückt in den Vordergrund der Gesellschaft vor, besetzt die Lokale, benutzt die Geräte, nimmt die einzelnen Vergnügungsmöglichkeiten wahr, überbordet alles und führt anschaulich vor (»ad oculos« heißt es im Text Ortegas), dass es einen neuen Verhaltenstyp gibt.
„Vermassung“ als kulturelles Phänomen betrifft das öffentliche Leben. Dieses hat eine geistige, eine sittliche, eine wirtschaftliche, eine religiöse, eine politische und eine gesamtgesellschaftliche Komponente respektive Dimension und betrifft alle Kollektivgebräuche (die sogenannten »usos«, die für Ortegas Kulturbegriff so fundamental sind!) des gesellschaftlichen Seins. Unterschiedliche sozioökonomische und soziokulturelle Bedingungen machen die »Vermassung« möglich, aber sie ist mehr als die einzelnen Bedingungen und auch mehr als ihre Gesamtsumme.
Siehe auch Verhalten/Ortega.


1. José Ortega y Gasset, La Rebelión de las Masas (con un prólogo para franceses, un epílogo para ingleses y un apéndice: Dinámica del tiempo), Madrid 1937 (zuerst 1929). Dt.: José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, S. 12

Thomas Gil, „Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen (1929)“ In: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Ortega y Gasset, José

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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