Philosophie Lexikon der Argumente

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Modelle, Philosophie, Logik: Ein Modell wird erhalten, wenn eine logische Formel durch Einsetzen von Gegenständen anstelle der freien Variablen wahre Aussagen liefert. Ein Problem ist der Ausschluss unintendierter Modelle. Siehe auch Modelltheorie.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Brocker I 550
Modelle/Simulation/World3/Wachstum/Meadows: für die Ausarbeitung seines Modells „World3“ dienten Meadows die Vorarbeiten von Jay W. Forrester, der am MIT das World-2-Modell entwickelte (Forrester 1971 (1)).
Meadows: stellte fünf makroökonomische Größen ins Zentrum der Untersuchung: Bevölkerung, Nahrungsmittelproduktion, Industrieproduktion, Rohstoffvorräte und Umweltverschmutzung (2). Alle fünf Größen zeichnen sich durch exponentielles Wachstum aus.
Problem: Schon die Nahrungsmittelproduktion ist nur linear steigerbar.
Brocker I 553
World3-Modell: ist aus 4 Schritten konstruiert:
1. Die Wechselwirkung der 5 Grundgrößen wird in rückgekoppelten Regelkreisen beschrieben. Diese kann positiv (sich verstärken) oder negativ sein.
2. Diese Wechselwirkungen werden definiert, so dass sich 99 Variablen ergeben, die in mehr als hundert prinzipiell gleichartigen Kausalketten verknüpft sind. (3)
3. Diese Daten wurden im Computer für die 200 Jahre zwischen 1900 und 2100 durchgerechnet. Dabei wurden die Eingaben mehrfach variiert, um das Verhalten des Systems zu beobachten.
4. Maßnahmen, die zu der damaligen Zeit vorgeschlagen wurden, wurden probeweise in das System eingebracht. (4)
Resultate: A. Die Kurven der ersten siebzig Jahre bis zur damaligen Gegenwart waren in allen Durchläufen identisch, danach gingen sie auseinander und dokumentierten, wie das Modell auf unterschiedliche der eingespeisten quantifizierten Annahmen reagierte. Das »Systemverhalten tendiert eindeutig dazu, die Wachstumsgrenzen zu überschreiten und dann zusammenzubrechen«, schrieben die Verfasser, wobei der Zusammenbruch »infolge Erschöpfung der Rohstoffvorräte« erfolgen würde (5).
Brocker I 555
B: Die verschiedenen Szenarien (Annahmen über Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittelressourcen, Technologien usw.) zeigten den Klimawandel als das vordringlichste globale Umweltproblem. Alle Durchläufe mit Varianten mündeten in Systemzusammenbrüchen
Dies würde letztlich zu einem Sinken der Bevölkerungszahl und einer Abnahme der industriellen Kapazität führen (6).
VsMeadows: die Resultate waren zu erwarten, da die Anlage ((s) der Simulation) so gewählt war, dass exponentiell wachsende Faktoren (Bevölkerung und industrielle Produktion) mit begrenzten Faktoren (Nahrungsmittel, Rohstoffvorräte,
Brocker I 556
Absorptionsfähigkeit von Schadstoffen) interagierten. Unter diesen Annahmen musste die Modellwelt zwangsläufig früher oder später kollabieren. Das Ergebnis war letztlich in der der Fragestellung enthalten.
Brocker I 559
VsMeadows: sein Modell habe den Preismechanismus außer Acht gelassen. Dieser werde dafür sorgen, dass knappe durch reichlich vorhandene Güter ersetzt würden.
VsMeadows: seine Datenbasis sei zu schmal für weitreichende Aussagen.
VsMeadows: es fehle eine regionale Differenzierung, was zu einer vorschnellen Globalisierung der Probleme führe. Letztlich werde dadurch das Problem entpolitisiert.
VsMeadows: neuere Kritik: der prognostizierte Ressourcen- und Nahrungsmittelmangel sei ausgeblieben.


1. J.W. Forrester, Word Dynamics, 1971
2. Vgl. Donella H. Meadows/Dennis L. Meadows/Jørgen Randers/William W. Behrens III, The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome’s Project on the Predicament of Mankind, New York 1972. Dt.: Dennis Meadows/Donella Meadows/Erich Zahn/Peter Milling, Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart 1972, S. 15
3. Ebenda S. 108, Diagramm des Weltmodells: S. 88-91.
4. Ebenda S. 76-77.
5. Ebenda S. 111.
6. Ebenda S. 17.


Patrick Kupper, „Dennis Meadows u. a., Die Grenzen des Wachstums“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

PolMeado I
Dennis L. Meadows
Dynamics of Growth in a Finite World Cambridge 1973

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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