Philosophie Lexikon der Argumente

Screenshot Tabelle Begriffe

Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Brocker I 656
Antike Philosophie/Moral/Tugenden/Ethik/MacIntyre: in den heroischen Gesellschaften zur Zeit Homers war die Gemeinschaft vorrangig. Es gab weder einen ausgeprägten Individualismus, noch eine reflektierte Ethik. MacIntyre These: „Moral und soziale Struktur“ waren in der heroischen Gesellschaft „ein und dasselbe“. (1)
Brocker I 657
Bestimmend war nicht die Reflexion, sondern eine Praxis des sozialen Handelns. „Ein Mensch ist in der heroischen Gesellschaft das, was er tut.“ (2)
Polis/MacIntyre: in der Athener Polis ging der „Holismus“ der heroischen Gesellschaften verloren und es wurde ein Pluralismus der Tugenden durchgespielt. Es gab keine Einhelligkeit darüber, warum Freundschaft, Tapferkeit, Selbstbeherrschung, Weisheit, Gerechtigkeit Tugenden waren und was sie forderten (3), auch wenn sie allgemein anerkannt waren. Das homerische Prinzip der Verwandtschaft wurde ersetzt durch die politische Isonomie, d.h. durch eine Gleichberechtigung der Bürger.
Sophisten/MacIntyre: Die Sophisten übernahmen von Homer das Motiv des Rechts des Stärkeren als moralbestimmendes Moment.
Platon: homogenisierte die Tugendbegriffe, indem er sie ordnete und in eine Hierarchie brachte.
Staat/Platon: sollte der geordneten und vernunftgeleiteten Seele entsprechen.
Aristoteles/MacIntyre: erst Aristoteles hat die ethische Reflexion zu einer rationalen Tradition gemacht. Er dechiffrierte das Wesen der menschlichen Handlungen als das Streben
Brocker I 658
nach einem Gut.
Def Tugenden/Aristoteles: sind die Eigenschaften, deren Besitz den einzelnen in die Lage versetzt, eudaimonia zu erlangen.
Def Eudaimonia/Eudämonie/Aristoteles: das übergeordnete Gut eines gelingenden Lebens.
Polis/Aristoteles: Die Polis gibt den konstitutiven Hintergrund ab, vor dem Aristoteles seine Tugendlehre konstruiert. Die Tugenden entfalten erst in Bezug auf sie ihre Wertigkeit, da sie nicht allein dem individuellen Leben dienten, sondern der Förderung der Gemeinschaft. (4)
MacIntyre: These: „Wenn eine prämoderne Sicht von Moral und Politik gegen die Moderne verteidigt werden soll, muss das in irgendeiner ähnlichen Form wie der aristotelischen geschehen, oder gar nicht.“ (5)


1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987) S. 166.
2. Ebenda S. 164
3. Ebenda S. 181
4. Ebenda S. 200f.
5. Ebenda S. 160.


Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
MacIntyre, Alasdair

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Send Link
> Gegenargumente gegen MacIntyre

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z