Philosophie Lexikon der Argumente

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G. W. F. Hegel über Anerkennung – Lexikon der Argumente

Gadamer I 349
Anerkennung/Hegel/Gadamer: (...) der dialektische Gang der „Phänomenologie des Geistes“ [ist] vielleicht durch nichts so entscheidend bestimmt wie durch das Problem der Anerkennung des Du. Um nur einige Stationen dieser Geschichte zu nennen: Das eigene Selbstbewusstsein gelangt nach Hegel nur dadurch zur Wahrheit seines Selbstbewusstseins, dass es sich im anderen seine Anerkennung erkämpft. Das unmittelbare Verhältnis von Mann und Frau ist das natürliche Erkennen des gegenseitigen Anerkanntseins (S. 325)(1). Darüber hinaus stellt das Gewissen das geistige Element des Anerkanntwerdens dar, und erst über das Bekenntnis und die Verzeihung kann das gegenseitige Sichanerkennen, worin der Geist absolut ist, erreicht werden.
Gadamer: Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Einwürfe von Feuerbach und von Kierkegaard sich
in diesen von Hegel beschriebenen Gestalten des Geistes bereits vorgedacht finden.


1. Eine genaue Interpretation der Dialektik der Anerkennung (Phänomenologie des
Geistes IV, A. Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewusstseins. Herrschaft
und Knechtschaft) habe ich inzwischen in „Hegels Dialektik. Sechs hermeneutische Studien, Tübingen 1980 (Bd. 3 der Ges. Werke), Kap. Ill, vorgelegt.

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Brocker I 793
Anerkennung/Hegel/HonnethVsVegel/Honneth: in Hegels Kritik an Hobbes (Siehe Hobbes/Hegel, Intersubjektivität/Hegel) fehle der letzte Schritt: Hegel kritisiert an Hobbes die individualistische Sicht eines Kampfes der Individuen um knappe Ressourcen, die den gleichzeitig stattfinden Kampf um intersubjektive Anerkennung vernachlässige. Dabei unterlässt Hegel aber den entscheidenden Schritt: der über die Sphäre des Rechts hinausweisende Anspruch auf Selbstverwirklichung verweise für Hegel auf das „sittliche Verhältnis des Staates“ (1) als den Ort seiner Verwirklichung. Dieser Schritt bleibe aber meist in einer äußerlichen Darstellung des „institutionellen Umbau[s] des Rechts von einem informellen zu einem staatlich organisierten Verhältnis (…)“ stecken.(2)
Brocker I 794
HonnethVsHegel: seiner Interpretation fehlt damit gerade hier die anerkennungstheoretische Komponente. Der Grund dafür ist laut Honneth Hegels Wende zu bewusstseinstheoretischen Fragen. Hegels Staatsbegriff folgt daher spätestens seit seiner Jenaer Realphilosophie jener bewusstseinsphilosophischen Logik, die in den späteren Schriften zunehmend in den Vordergrund rückt. Siehe Staat/Hegel.


1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 94
2. Ebenda S. 92f.

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

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Höffe I 329
Anerkennung/Phänomenologie/Hegel/Höffe: In der Konkurrenz mit seinesgleichen kommt es dem Menschen nicht erst auf Selbstbehauptung, sondern schon auf die Konstitution eines Selbst an. Hegel erweitert die oft bloß sozial-, rechts- oder staatstheoretisch
geführte Debatte um drei weitere Themen: um die
a) Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst, um die
b) Auseinandersetzung mit der Natur und um den zu den drei Dimensionen gehörenden
c) Begriff der Arbeit.
Höffe I 330
Selbstbewusstsein: Das Selbstbewusstsein tritt dabei zunächst als schlichtes Streben nach Selbsterhaltung auf, stößt jedoch auf das konkurrierende Streben eines anderen (...) und führt, da die eine Selbsterhaltung der anderen widerstreitet, zu einem «Kampf auf Leben und Tod».(1) >Herrschaft/Knechtschaft/Hegel.
Der Kern dieses Kampfes um Anerkennung besteht in einer «Selbsterkenntnis im Anderen».
a) personal: Man erkennt sich erst und nur in einer zweiten Person.
b) apersonal: Die Selbsterkenntnis kommt durch eine soziale Anerkennung allein noch nicht zustande. Sie bedarf auch der durch Arbeit, also ein ökonomisches Handeln vermittelten Auseinandersetzung mit der vor- und außerpersonalen Welt.
Soziale Dimension/Höffe: Die wechselseitige Anerkennung, die erst nach schmerzlichen Erfahrungen gelingt, hat, sobald sie Rechtscharakter annimmt, einen unschätzbaren Vorteil. (...) die rechtsförmige wechselseitige Anerkennung leidet nicht unter Knappheit. Der Status einer Rechtsperson und eines Staatsbürgers ist kein knappes Gut, er kann jedem gewährt werden.


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

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> Gegenargumente gegen Hegel

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