Philosophie Lexikon der Argumente

Screenshot Tabelle Begriffe

Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Brocker I 851
Staat/Pettit: Der Staat wird von Pettit vornehmlich als eine politische Agentur mit der Aufgabe begriffen, die Freiheit des Individuums zu befördern und sie vor Fremdbeherrschung zu schützen. Für diese auf Freiheit gerichtete staatliche Regulation reserviert Pettit den Begriff der »interference«, eine Art freiheitsverbürgende Intervention des Staates. (1)
Brocker I 852
Es kann also durchaus staatliche Eingriffe geben, ohne dass es zu einer Beeinträchtigung von individueller Freiheit kommt. Siehe Interventionen/Pettit, Individuum/Pettit.
Brocker I 853
Pettit begreift die berechtigte staatliche Intervention vor allem als eine Gesetzesherrschaft (»regime of law«), die zwar in individuelle Lebensformen eingreife, aber durch rechtliche Garantien dem Schutz von deren Gestaltungsfreiheit dienen solle. (2)
Brocker I 854
Staatstheorie/Pettit: Pettits Modell geht von schwerwiegenden Voraussetzungen aus: Es muss eigentlich im Staat bereits eine schon mehrheitlich legitimierte Vorstellung von einer gerechten Gesetzgebung und einem »guten Regieren« geben, bevor die Rechtfertigung von Gesetzen, von staatlichen Eingriffen und von staatlicher Verteilungspolitik beurteilt werden kann. Pettit aber verweigert sich, auch in späteren Werken, einer stärkeren Akzentuierung der bürgerschaftlichen Zusammengehörigkeit und ihrer Funktion für die Auseinandersetzung mit politischen Fragen, durch die letztendlich auch die Vorstellungen vom »guten Regieren« generiert werden. An dieser Stelle zeigt sich Pettits schwanken zwischen Republikanismus und Liberalismus. (3)(4)(5) Siehe Liberalismus/Pettit, Republikanismus/Pettit.
Brocker I 857
„Volkssouveränität“/Pettit: Die »Volkssouveränität« umfasst nach Pettits Überzeugung die Verantwortung jedes Einzelnen für die gemeinsamen politischen Belange, die Möglichkeit zur Mitwirkung an ihnen, und damit die Reduzierung der Staats- und Regierungsfunktionen auf eine treuhänderische Entscheidungsbefugnis, die jederzeit in Frage gestellt und revidiert werden kann. Diese Passagen seines Werks stehen in deutlichem Kontrast zu der in den vorangehenden Teilen hervorgehobenen Konzentration auf die institutionellen Rahmungen, die für die Sicherung einer der Willkür entzogenen Freiheit erforderlich sind.



1. Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford 1997, S. 63-66
2. Ebenda S. 36
3. Nicholas Southwood 2»Beyond Pettit’s Neo-Roman Republicanism: Towards the Deliberative Republic«, in: Critical Review of International Social and Political Philosophy 5/1, 2002,S. 27, 33
4. Maynor, John W., Republicanism in the Modern World, Cambridge/Malden, Mass. 2003.
S. 53
5. Goldsmith, Martin M., »Republican Liberty Reconsidered«, in: History of Political Thought 21/3, 2000, S. 555f


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Send Link
> Gegenargumente gegen Pettit
> Gegenargumente zu Staat

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z