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Interpretation: A. Das Aufstellen von Aussagen über andere Aussagen, wobei sich die neuen Aussagen des Vokabulars der ursprünglichen Aussagen bedienen sowie eventuell neues Vokabular einführen. Wird kein neues Vokabular eingeführt, kann neue Information durch Umstellung der syntaktischen Elemente gewonnen werden.
B. In der Logik das Einsetzen von Werten (Gegenständen) anstelle der Konstanten bzw. freien Variablen.


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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Feminismus über Interpretation - Lexikon der Argumente

Gaus I 23
Interpretation/Politik/Feminismus/Ball: Der Feminismus hat die Art und Weise, wie wir Werke in der Geschichte des politischen Denkens untersuchen und interpretieren, tiefgreifend und nachhaltig beeinflusst. Eine feministische Perspektive stellt die Geschlechterfrage in den Vordergrund, und von diesem Standpunkt aus betrachtet man die politische Theorie neu und macht interessante - und manchmal erschreckende - Entdeckungen (...). Eine solche Sensibilität verleiht dem Studium "klassischer" Werke einen starken Anflug von Skepsis. Denn, wie Susan Okin bemerkt, "die große Tradition der politischen Philosophie besteht im Allgemeinen aus Schriften von Männern, für Männer und über Männer" (Okin 1979: 5)(1). Diese Tradition aus einer feministischen Perspektive zu untersuchen, ist insofern bemerkenswert, als dass der bürgerliche und rechtliche Status von Frauen lange Zeit als ein Thema angesehen wurde, das einer theoretischen Behandlung nicht würdig war - oder vielleicht nur unter der Verachtung der Theoretiker und daher außerhalb der Reichweite von Historikern des politischen Denkens, von denen die meisten zufällig männlich sind.
Eine feministische oder geschlechterzentrierte Herangehensweise an die Geschichte des politischen Denkens begann in den 1960er Jahren, als Frauen auf der Suche nach einer "nutzbaren Vergangenheit" waren, einer Geschichte, die die gegenwärtigen Kämpfe mit früheren, von den meist männlichen Historikern weitgehend vernachlässigten verbindet. Feministische Historikerinnen des politischen Denkens suchten Heldinnen - und Helden -, die sich für die Rechte der Frauen und damit verbundene Anliegen eingesetzt hatten. Eine frühe Anthologie (Schneir, 1972)(2) enthielt nicht nur Auszüge aus Mary Wollstonecraft, Emma Goldman und anderen, sondern auch einen Abschnitt über "Männer als Feministinnen", der Friedrich Engels, John Stuart Mill und andere Männer in das feministische Pantheon stellte. Diese transsexuelle "Volksfront" suchte Unterstützung von allen verfügbaren Seiten. Während dieser kurzen Zeit erschienen mehrere spezialisierte Studien über bestimmte Denker. Theoretiker, die man grob als "liberal" bezeichnen könnte, wurden für besondere Aufmerksamkeit und Huldigung herausgegriffen. Melissa Butler (1991)(3) fand die "liberalen Wurzeln" des Feminismus in Lockes "Angriff auf den Patriarchalismus". Jeremy Bentham wurde als "der Vater des Feminismus" (Boralevi, 1984(4): Kap. 2) und John Stuart Mill als sein "Schutzpatron" (Williford, 1975)(5) geehrt. Diese Volksfront war jedoch nur von kurzer Dauer, denn der Vater wurde als Patriarch und als so etwas wie ein Frauenfeind entlarvt und der Schutzpatron als heimlicher Sünder mit einer verborgenen Schwäche (Okin, 1979(1): Kap. 9; Pateman, 1988(6); 1989(7)).

1. Okin, Susan M. (1979) Women in Western Political Thought. Princeton, NJ: Princeton University Press.
2. Schneir, Miriam, ed. (1972) Feminism: The Essential Historical Writings. New York: Vintage.
3. Butler, Melissa A. (1991) ‘Early liberal roots of feminism: John Locke and the attack on patriarchy’. In Mary Lyndon Shanley and Carole Pateman, eds, Feminist Interpretations and Political Theory. University Park, PA: Pennsylvania State University Press.
4. Boralevi, Lea Campos (1984) Bentham and the Oppressed. Berlin: de Gruyter.
5. Williford, Miriam (1975) ‘Bentham on the rights of women’. Journal of the History of Ideas, 36: 167–76.
6. Pateman, Carole (1988) The Sexual Contract. Stanford, CA: Stanford University Press.
7. Pateman, Carole (1989) The Disorder of Women. Stanford, CA: Stanford University Press.


Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Feminismus

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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