Philosophie Lexikon der Argumente

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Haslam I 174
Reziprozität/Gruppenverhalten/Psychologische Theorien: Was ist das Besondere an der Reziprozität in der eigenen Gruppe ("InGroup")? Es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass die Menschen von der InGroup Reziprozität erwarten, aber wenn Reziprozität das Entscheidende ist, warum scheint sie dann weniger effektiv zu sein, wenn sie ausdrücklich von einer minimalen anderen Gruppe (OutGroup) kommt?
Problem: Forscher haben eher auf evolutionäre Argumente zurückgegriffen und vorgeschlagen, dass es aus evolutionärer Sicht gute Gründe geben kann, der InGroup zu vertrauen und der OutGroup zu misstrauen oder sogar Angst zu haben (Gaertner und Insko, 2000(1); Yamagishi et al., 1999(2)).
Gruppenverhalten/VsEvolutionspsychologie (Spears/Otten: Ein Problem ist, dass evolutionäre Standardargumente dazu führen könnten, dass man erwartet, dass Männer generell wettbewerbsfähiger sind als Frauen (z.B. Sidanius et al., 1994(3); Yuki und Yokota, 2009(4)). Und obwohl es schwierig ist, diese evolutionären Argumente auszuschließen, ist es genauso schwierig, sie zu beweisen.
Wenn es bei begrenzter Gegenseitigkeit um Eigeninteresse geht, warum opfern Gruppenmitglieder das Eigeninteresse wie in der maximalen Differenzierungsstrategie? (MD; siehe >Methode/Tajfel). In diesem Zusammenhang hat Marilyn Brewer (1999)(5) behauptet, dass die Theorie der sozialen Identität (und die Ergebnisse der Minimalgruppenstudien) besser in der Lage sind, "In-Group-Liebe" zu erklären als "OutGroup-Hass".
Vs: Diese Kritik scheint noch mehr auf das Argument der begrenzten Reziprozität zuzutreffen: Schließlich geht es mehr darum, sich innerhalb der InGroup zu revanchieren als der OutGroup zu schaden. Zusammenfassend kann also das Eigeninteresse helfen zu erklären, warum die Teilnehmer danach streben, den Gewinn in der Gruppe zu maximieren. Jedoch bietet dies keine ausreichende Erklärung, warum sie den Gewinn in der Gruppe opfern, um einer anderen Gruppe den Nutzen zu entziehen.



1. Gaertner, L. and Insko, C.A. (2000) ‘Intergroup discrimination in the minimal group paradigm: Categorization, reciprocation or fear?’, Journal of Personality and Social Psychology, 79: 77–94.
2. Yamagishi, T., Kikuchi, M. and Kosugi, M. (1999) ‘Trust, gullibility, and social intelligence’, Asian Journal of Social Psychology, 2: 145–61.
3. Sidanius, J., Pratto, F. and Mitchell, M. (1994) ‘In-group identification, social dominance orientation, and differential intergroup social allocation’, Journal of Social Psychology, 134: 151–67.
4. Yuki, M. and Yokota, K. (2009) ‘The primal warrior: Outgroup threat priming enhances intergroup discrimination in men but not women’, Journal of Experimental Social Psychology, 45: 271–4.


Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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