Philosophie Lexikon der Argumente

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Appraisal-Theorie/Reisenzein/Weber: Eine Stärke der Appraisal-Theorie der Emotionen ist, dass sie leicht erklären kann, wie interindividuelle Unterschiede in den emotionalen Reaktionen auf dasselbe Ereignis auf psychologischer Ebene entstehen (Roseman und Smith 2001)(1). (....) diese Unterschiede in der Beurteilung wiederum sind auf interindividuelle Unterschiede in den kognitiven und motivationalen Strukturen (z.B. Gedächtnisschemata) zurückzuführen, die den Bewertungsprozessen zugrunde liegen. Zumindest einige dieser Strukturen sind ausreichend stabil, um als Bestandteile der Persönlichkeit angesehen zu werden. Dies sind insbesondere relativ stabile und allgemeine Wünsche und relativ stabile und allgemeine Überzeugungen über die Welt und das Selbst (Lazarus 1991(2); Pekrun 1988(3); Smith und Kirby 2001(4)). Aus informationsverarbeitender Sicht betreffen diese Persönlichkeitsdeterminanten der Beurteilung den Inhalt der kognitiven und motivationalen Strukturen, die der Beurteilung konkreter Ereignisse zugrunde liegen (Reisenzein 2001)(5).
Die Informationsverarbeitungsperspektive deutet darauf hin, dass die Persönlichkeitsdeterminanten der Beurteilung zusätzlich interindividuelle Unterschiede in der chronischen Zugänglichkeit von bewertungsrelevanten kognitiven und motivationalen Strukturen (z.B. Gedächtnisschemata; zur Unterstützung siehe z.B. Higgins, Bond, Klein und Strauman 1986)(6) umfassen können. Außerdem finden sich Unterschiede in den Verfahren, die üblicherweise zur Verarbeitung bewertungsrelevanter Informationen verwendet werden (z.B. Cacioppo, Petty und Feinstein 1996)(7).
Obwohl die Klärung der Persönlichkeitsdeterminanten von Beurteilungen und damit derjenigen von Emotionen bereits von Lazarus, Averill und Opton (1970)(8) zur Hauptaufgabe der Emotionspsychologie erklärt wurde, wurde diesem Thema bisher nur begrenzt systematische Forschung gewidmet. Fast alle diese Forschungen befassten sich mit den Auswirkungen stabiler, allgemeiner Wünsche und Überzeugungen auf emotionale Zustände.
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Die Appraisal-Theorie postuliert, dass Emotionen entstehen, wenn ein Ereignis als motivkongruent oder motivinkongruent beurteilt wird, und dass die Intensität der resultierenden Emotionen von der Stärke des Motivs oder der subjektiven Bedeutung des Ziels (d.h. dem Inhalt des Begehrens) abhängt.
VsAppraisal-Theorie: Motiv- und Zieltheoretiker gehen üblicherweise davon aus, dass die Ziele, die eine Person in einer bestimmten Situation hat, von grundlegenderen Zielen abgeleitet sind, für die die spezifischen Ziele als Mittel zum Zweck angesehen werden (z.B. Brunstein, Schultheiss und Grässmann 1998(9); Reiss 2000)(10). An der Spitze der Motivhierarchie stehen vermutlich eine Reihe von grundlegenden Wünschen, die die ultimativen Quellen menschlicher Motivation darstellen (z.B. Reiss 2000)(10).


1. Roseman, I. J. and Smith, C. A. 2001. Appraisal theory: overview, assumptions, varieties, controversies, in K. R. Scherer, A. Schorr, and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 3–19. Oxford University Press
2. Lazarus, R. S. 1991. Emotion and adaptation. New York: Oxford University Press
3. Pekrun, R. 1988. Emotion, Motivation und Persönlichkeit [Emotion, motivation and personality]. Munich: Psychologie Verlags Union
4. Smith, C. A. and Kirby, L. D. 2001. Toward delivering on the promise of appraisal theory, in K. R. Scherer A. Schorr, and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 121–38. New York: Oxford University Press
5. Reisenzein, R. 2001. Appraisal processes conceptualized from a schema-theoretic perspective: contributions to a process analysis of emotions, in K. R. Scherer, A. Schorr and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 187–201. Oxford University Press
6. Higgins, E. T. Bond, R. N., Klein, R. and Strauman, T. 1986. Self-discrepancies and emotional vulnerability: how magnitude, accessibility, and type of discrepancy influence affect, Journal of Personality and Social Psychology 51: 5–15
7. Cacioppo, J. T., Petty, R. E. and Feinstein, J. 1996. Dispositional differences in cognitive motivation: the life and times of individuals varying in need for cognition, Psychological Bulletin 119: 197–253
8. Lazarus, R. S., Averill, J. R. and Opton, E. M. Jr. 1970. Toward a cognitive theory of emotion, in M. B. Arnold (ed.), Feelings and emotions, pp. 207–32. New York: Academic Press
9. Brunstein, J. C., Schultheiss, O. C. and Grässmann, R. 1998. Personal goals and emotional well-being: the moderating role of motive dispositions, Journal of Personality and Social Psychology 75: 494–508
10. Reiss, S. 2000. Who am I: the 16 basic desires that motivate our actions and define our personality. New York: Tarcher Putnam


Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Reisenzein, Rainer

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

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