Philosophie Lexikon der Argumente

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Corr I 56
Emotionssystem/Psychologische Theorien/Reisenzein/Weber: Das Emotionssystem scheint im Kern aus einem Mechanismus zu bestehen, der
(1) die Relevanz von erkannten Ereignissen für die Wünsche oder Motive der Person überwacht, und
(2) erkannte motivrelevante Veränderungen an andere Persönlichkeitssubsysteme kommuniziert und gleichzeitig konkrete Handlungsziele vorschlägt (Frijda 1994(1); Reisenzein 2009(2)). Eine Person kann sich zu einem beträchtlichen Teil entscheiden, die "Vorschläge" ihrer Emotionen zu beachten oder zu ignorieren, sowie die Emotionen selbst zu kontrollieren oder zu regulieren. Frijda (1986(3)) formulierte es so: "Menschen haben nicht nur Emotionen, sie gehen auch mit ihnen um".
Corr I 60/61
Es ist heute weithin anerkannt, dass Emotionen adaptive Effekte haben, was der Grund dafür war, dass das Emotionssystem (zumindest sein Kern) in der Evolution entstanden ist. Es stellt sich die Frage, ob individuelle Unterschiede in der Emotionalität (z.B. Angst oder Irritation) zumindest teilweise ebenfalls das Produkt natürlicher Selektion sind. Obwohl es inzwischen starke Hinweise auf die teilweise Erblichkeit der Big Five (z.B. Bouchard (2004)(4)) und damit auf die Erblichkeit grundlegender interindividueller Unterschiede in der Emotionalität gibt, bedeutet dies nicht, dass diese vererbbaren interindividuellen Unterschiede adaptiv sind. Im Gegenteil, es wurde argumentiert, dass die bloße Existenz einer vererbbaren Variation in einem Merkmal einen Mangel an adaptiver Bedeutung signalisiert (Tooby and Cosmides 1990)(5). Siehe >Emotionssystem/Tooby, >Emotionssystem/Cosmides.


1. Frijda, N. H. 1994. Emotions are functional, most of the time, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.), The nature of emotion, pp. 112–36. Oxford University Press
2. Reisenzein, R. 2009. Emotions as metarepresentational states of mind: naturalizing the belief-desire theory of emotion, Cognitive Systems Research 10: 6–20
3. Frijda, N. H. 1986. The emotions. Cambridge University Press, p. 401
4. Bouchard, T. J. Jr. 2004. Genetic influence on human psychological traits, Current Directions in Psychological Science 13: 148–51
5. Tooby, J. and Cosmides, L. 1990. On the universality of human nature and the uniqueness of the individual: the role of genetics and adaptation, Journal of Personality 58: 17–67


Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018

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