Philosophie Lexikon der Argumente

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Wünsche/Appraisal-Theorie/Psychologische Theorien/Reisenzein/Weber: An der Spitze der Motivhierarchie stehen vermutlich eine Reihe von grundlegenden Wünschen, die die ultimativen Quellen menschlicher Motivation darstellen (z.B. Reiss 2000)(1). Diese Annahmen besagen, dass die emotionale Reaktion auf ein konkretes Ereignis davon beeinflusst werden sollte, inwieweit übergeordnete Wünsche von diesem Ereignis betroffen sind, sowie von der Stärke dieser Wünsche. Eine Reihe von Tests dieser Annahme wurden durchgeführt. So baten Sheldon, Elliot, Kim und Kasser (2001)(2) die Teilnehmer, sich an das einzelne, zufriedenstellendste Ereignis des letzten Monats zu erinnern und zu bewerten, inwieweit dieses Ereignis jeden der zehn grundlegenden Wünsche der Kandidaten erfüllt (z.B. den Wunsch nach Kompetenz, Sicherheit, Verbundenheit, Popularität und persönlicher Autonomie).
Andere Forschungen haben sich auf eine mittlere Ebene der Motivhierarchie konzentriert, wo die Wünsche der obersten Ebene (z.B. das Leistungsmotiv) auf spezifischere Wünsche konkretisiert werden, die das repräsentieren, was die Person in ihrer aktuellen Lebenssituation erreichen will (z.B. gute Noten erhalten; siehe Brunstein, Schultheiss und Grässmann 1998)(3). So bezog Emmons (1986)(4) diese Wünsche der mittleren Ebene, die als persönliche Bestrebungen bezeichnet werden, auf Emotionen, die eine Erfahrungsstichprobenmethode verwenden.... (für weitere Informationen siehe Emmons 1996(5); Brunstein, Schultheiss und Maier 1999(6).
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Abgesehen davon, dass positive und negative Emotionen mit der Erfüllung von Wünschen bzw. der Frustration von Begehren in Beziehung gesetzt werden, haben Appraisal-Theoretiker bestimmte Emotionen mit bestimmten Arten von Begehren verknüpft (z.B. Lazarus 1991(7); Ortony, Clore und Collins 1988(8); Roseman 1979)(9). Ein wichtiger Unterschied in diesem Zusammenhang ist der, zwischen Wollen versus nicht-Wollen eines Sachverhalts (Roseman 1979(9)), oder zwischen dem Haben eines Annäherungsziel versus einem Vermeidungsziel.
Mehrere Theoretiker (z.B. Gray 1994(10); siehe Carver 2006(11) für eine Kritik) schlugen
(a) vor, dass die Verfolgung von Ansatz versus Vermeidungszielen eines von zwei verschiedenen grundlegenden Motivationssystemen, ein Verhaltensanlagesystem (BAS) oder ein Verhaltenshemmungssystem (BIS) aktiviert; und
(b) dass sich die Menschen in zentralen Parametern dieser Systeme unterscheiden, insbesondere in der relativen Stärke ihres allgemeinen Ansatzes und ihrer Vermeidungsmotivation. Carver (2004)(12) fand heraus, dass ein Maß für interindividuelle Unterschiede in der Motivation des allgemeinen Ansatzes (BAS-Sensitivität) die Intensität von Traurigkeit und Wut als Reaktion auf Frustration (das Nichteintreten eines erwarteten positiven Ereignisses) voraussagte.


1. Reiss, S. 2000. Who am I: the 16 basic desires that motivate our actions and define our personality. New York: Tarcher Putnam
2. Sheldon, K. M., Elliot, A. J., Kim, Y. and Kasser, T. 2001. What is satisfying about satisfying events? Testing 10 candidate psychological needs, Journal of Personality and Social Psychology 80: 325–39
3. Brunstein, J. C., Schultheiss, O. C. and Grässmann, R. 1998. Personal goals and emotional well-being: the moderating role of motive dispositions, Journal of Personality and Social Psychology 75: 494–508
4. Emmons, R. A. 1986. Personal strivings: an approach to personality and subjective well-being, Journal of Personality and Social Psychology 51: 1058–68
5. Emmons, R. A. 1996. Striving and feeling: personal goals and subjective well-being, in P. M. Gollwitzer and J. A. Bargh (eds.), The psychology of action: linking cognition and motivation to behaviour, pp. 313–37. New York: Guilford Press
6. Brunstein, J. C., Schultheiss, O. C. and Maier, G. W. 1999. The pursuit of personal goals: a motivational approach to well-being and life adjustment, in J. Brandtstädter and R. M. Lerner (eds.), Action and self-development: theory and research through the life span, pp. 169–96. New York: Sage
7. Lazarus, R. S. 1991. Emotion and adaptation. New York: Oxford University Press
8. Ortony, A., Clore, G. L. and Collins, A. 1988. The cognitive structure of emotions. New York: Cambridge University Press
9. Roseman, I. J. 1979. Cognitive aspects of emotions and emotional behaviour. Paper presented at the 87th Annual Convention of the APA, New York City, September 1979
10. Gray, J. A. 1994. Three fundamental emotion systems, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.), The nature of emotion, pp. 243–8. Oxford University Press
11. Carver, C. S. 2006. Approach, avoidance, and the self-regulation of affect and action, Motivation and Emotion 30: 105–10
12. Carver, C. S. 2004. Negative affects deriving from the behavioural approach system, Emotion 4: 3–22

Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Appraisal-Theorie

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

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> Gegenargumente gegen Appraisal-Theorie

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