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Corr I 388
Persönlichkeitsmerkmale/Lexikalische Untersuchungen/kulturelle Unterschiede/Saucier: Studien der meisten Sprachen europäischer Herkunft (sowie derjenigen auf Türkisch, Koreanisch und Chinesisch) haben Faktoren hervorgebracht, die Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit entsprechen. Obwohl diese Struktur in philippinischen, französischen, griechischen oder Maasai-Studien nicht beobachtet wurde, erscheint sie leicht in einer Teilmenge von Sprachen, die größer ist als die Teilmenge, die die >Big Five ergibt.
Unter den englischen Adjektiven war diese Struktur gegenüber Variablenauswahlen ebenso robust wie ein- und zweifaktorige Strukturen (Saucier 1997)(1). Aber Studien über englische Type-Nouns (Saucier 2003b(2)) und andere integrative Selektionen von Variablen (Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(3); Saucier, Ole-Kotikash und Payne 2006)(4) konnten sie nicht finden.
Lexikalische Studien in slawischen und germanischen Sprachen (einschließlich Englisch) haben die Big Five sehr unterstützt, ebenso wie eine Untersuchung zu Türkisch. Aber auch andere Studien (z.B. Di Blas und Forzi 1998(5); Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(3); Szirmák und De Raad 1994)(6) haben kein klares Gegenstück zum Intellektfaktor in Fünf-Faktor-Lösungen gefunden.
Keine dieser Analysen hat die Big Five in einer Fünf-Faktoren-Lösung gefunden. Das Auftreten der Big Five hängt eindeutig vom Verfahren der variablen Auswahl und damit von der operativen Definition der Persönlichkeit ab.
Corr I 389
Sechs Faktoren: Ashton, Lee, Perugini et al. (2004)(7) haben Beweise dafür vorgelegt, dass viele der bisher durchgeführten lexikalischen Studien ein einheitliches Muster in sechs Faktorenlösungen ergeben: sechs Faktoren, die als Extraversion, Emotionalität, Sympathie, Ehrlichkeit/Humility, Gewissenhaftigkeit und Offenheit bezeichnet werden können. Obwohl das Strukturmuster erstmals in Studien mit Koreanisch (Hahn, Lee und Ashton 1999)(8) und Französisch (Boies, Lee, Ashton et al. 2001)(9) entdeckt wurde, schien es auch in Niederländisch, Deutsch, Ungarisch, Italienisch und Polnisch erkennbar zu sein.
Sieben Faktoren: Sieben-Faktoren-Lösung (Goldberg und Somer 2000(10); Saucier 1997(1); Tellegen und Waller 1987)(11). Von den beiden zusätzlichen Faktoren in diesen Studien wurde einer in allen drei gefunden: "Negative Valenz" (NV) ist ein Faktor, der Attribute mit extrem niedrigen Erwünschtheits- und Befürwortungsraten und mit beschreibenden Inhalten wie Moral/Depravität, Gefährlichkeit, Wertlosigkeit, Eigenart und Dummheit betont (vgl. Benet-Martínez und Waller 2002)(12). Ein Kernthema der Inhalte scheint die Noxious Violativeness ('schädliche Verletzlichkeit') zu sein - Attribute, die die Tendenz widerspiegeln, die Rechte anderer schädlich zu verletzen, was in vielerlei Hinsicht den zeitgenössischen Definitionen von asozialen Persönlichkeitsstörungen entspricht (Saucier 2007).
Cor I 390
Eine lexikalische Studie über die Sprache mit der größten Anzahl von Muttersprachlern (Chinesisch) erzeugte sieben emische Faktoren mit einer gewissen Ähnlichkeit zu dieser Struktur (Zhou, Saucier, Gao und Liu in der Presse). Zu den sieben Faktoren gehören negative Valenz (oder schädliche Gewalttätigkeit), Gewissenhaftigkeit, Intellekt, Geselligkeit, Selbstsicherheit, auch Temperament und Sorge um andere (versus Egotismus). Ein Vergleich von Sieben-Faktor-Lösungen aus zahlreichen Studien zeigt, dass die ersten sechs davon in allen Studien besonders häufig vorkommen.



1. Saucier, G. 1997. Effects of variable selection on the factor structure of person descriptors, Journal of Personality and Social Psychology 73: 1296–1312
2. Saucier, G. 2003b. Factor structure of English-language personality type-nouns, Journal of Personality and Social Psychology 85: 695–708
3. Saucier, G., Georgiades, S., Tsaousis, I. and Goldberg, L. R. 2005. The factor structure of Greek personality adjectives, Journal of Personality and Social Psychology 88: 856–75
4. Saucier, G., Ole-Kotikash, L. and Payne, D. L. 2006. The structure of personality and character attributes in the language of the Maasai. Unpublished report. University of Oregon
5, Di Blas, L. and Forzi, M. 1998. An alternative taxonomic study of personality descriptors in the Italian language, European Journal of Personality 12: 75–101
6. Szirmák, Z. and De Raad, B. 1994. Taxonomy and structure of Hungarian personality traits, European Journal of Personality 8: 95–118
7. Ashton, M. C., Lee, K., Perugini, M., Szarota, P. De Vries, R. E., Di Blas, L., Boies, K. and De Raad, B. 2004. A six-factor structure of personality-descriptive adjectives: solutions from psycholexical studies in seven languages, Journal of Personality and Social Psychology 86: 356–66
8. Hahn, D. W., Lee, K. and Ashton, M. C. 1999. A factor analysis of the most frequently used Korean personality trait adjectives, European Journal of Personality 13: 261–82
9. Boies, K., Lee, K., Ashton, M. C., Pascal, S. and Nicol, A. A. M. 2001. The structure of the French personality lexicon, European Journal of Personality 15: 277–95
10. Goldberg, L. R. and Somer, O. 2000. The hierarchical structure of common Turkish person-descriptive adjectives, European Journal of Personality 14: 497–531
11. Tellegen, A. and Waller, N. G. 1987. Re-examining basic dimensions of natural language trait descriptors. Paper presented at the 95th annual convention of the American Psychological Association, August 1987


Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Lexikalische Untersuchungen

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

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