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Phoneme: Sprachlich interpretierte Laute, die für jeweils eine Sprache in einer Systematik zusammengefasst sind und die das Potential haben, die Bedeutung einer größeren lautlichen Einheit in der sie vorkommen, zu verändern. Bsp rot/tot. Als reine Klangereignisse werden diese kleinsten Lauteinheiten Phone genannt.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Slater I 137
Phoneme/Schriftspracherwerb/Kulturpsychologie: Die Entwicklungsrate des Phonembewusstseins ist in den einzelnen Sprachen sehr unterschiedlich (Ziegler & Goswami, 2005)(1). Zwei Faktoren scheinen bei der Erklärung von sprachübergreifenden Variationen besonders wichtig zu sein: die phonologische Komplexität von Silbenstrukturen in verschiedenen Sprachen und die orthographische Konsistenz der Schriftform der Sprache. Die meisten Sprachen der Welt haben Silben mit einer einfachen phonologischen Struktur. In diesen Sprachen ist der dominante Silbentyp Konsonant-Vokal oder CV. In Sprachen wie Italienisch, Finnisch und Spanisch bestehen die meisten Wörter aus Silben mit diesem Muster, zum Beispiel "Mamma", "Pizza" und "casa" (Italienisch, Haus). Im gesprochenen Englisch ist der dominante einsilbige Typ CVC.
Orthographische Konsistenz ist der andere sprachübergreifende Faktor, der die Entwicklung des phonologischen Bewusstseins beeinflusst. In vielen alphabetischen Sprachen gibt es eine 1:1-Konsistenz zwischen Buchstaben und Klängen. Der gleiche Buchstabe entspricht immer dem gleichen Klang oder Phonem. Beispiele für sehr konsistente Schriftsysteme sind Finnisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch, Tschechisch und Walisisch. In anderen alphabetischen Sprachen gibt es eine 1:viele Übereinstimmung zwischen Buchstaben und Klängen. Der gleiche Buchstabe kann mehr als einem Ton entsprechen. Beispiele sind Französisch, Dänisch, Englisch und Portugiesisch.
Slater I 138
Angesichts dieser Faktoren ist es vielleicht nicht überraschend, dass englische Kinder relativ langsam lernen Buchstaben in Klänge umzuschreiben, im Vergleich zu Kindern, die andere Sprachen lernen (Seymour, Aro, & Erskine, 2003)(2).


1. Ziegler, C., and Goswami, U. (2005). Reading acquisition, developmental dyslexia, and skilled reading across languages: A psycholinguistic grain size theory. Psychological Bulletin, 131, 3–29.
2. Seymour, P. H. K., Aro, M., & Erskine, J. M. (2003). Foundation literacy acquisition in European orthographies. British Journal of Psychology, 94, 143–174.


Usha Goswami, „Reading and Spelling.Revisiting Bradley and Bryant’s Study“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

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Mündlicher Hinweis A. Pehlgrimm für das Deutsche:
Dürscheid(1) und Schründer-Lenzen(2) sagen eindeutig, dass es keine 1:1 Zuordnung gibt und Eisenberg(3) sowie Fuhrhop & Peters(4) gehen davon aus, dass eine primäre Zuordnung (also eine 1:1 Zuordnung) auf empirischen Wege gefunden werden kann. Dies gilt dann jedoch nur für native Wörter des Deutschen.

Etwas problematisch in diesem Eintrag ist auch die Verwendung des Begriffs „Buchstabe“ (bzw. „letter“). Richtig müsste es eigentlich Graphem heißen. Immerhin wird der Begriff „Phonem“ für Klänge (bzw. „sounds“) genannt. Denn bei den Korrespondenzen spricht man in der Linguistik von GPK-Regeln (also Graphem-Phonem-Korrespondenzen). Das ist darauf zurückzuführen, dass Buchstaben nicht immer Graphemen entsprechen.

1. Dürscheid, Christa (2016): Einführung in die Schriftlinguistik. Göttingen, Bristol: Vandenhoeck & Ruprecht. (S. 135)
2. Schründer-Lenzen, Agi (2009): Der Leseprozess und seine Schwierigkeiten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. (S. 16)
3. Eisenberg, Peter (2013): Das Wort. Stuttgart: J.B. Metzler. (S. 290f)
4. Fuhrhop, Nanna, Jörg Peters (2013): Einführung in die Phonologie und Graphematik. Stuttgart: J.B. Metzler. (S.209)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Kulturpsychologie

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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