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Wirtschaftstheorien über Kognitive Verzerrungen - Lexikon der Argumente

Parisi I 65
Kognitive Verzerrungen/Nichtwissen/Nicht-Optimierung/Begrenzte Rationalität/Wirtschaftstheorien/Jolls: David Friedman's (2013)(1) Analyse der Hintergründe für das New Yorker "Soda-Gesetz" entwickelt beide Ausprägungen [Nichtwissen und Nicht-Optimierung]. >Begrenzte Rationalität/Simon.
Nichtwissen: In Bezug auf Nichtwissen beschreibt Friedman, wie Optimismus dazu führt, dass Individuen "Fettleibigkeit ... und andere Konsequenzen" des übermäßigen Konsums von zuckerhaltigen Getränken unterschätzen (Friedman, 2013(1), S. 94).
Nichtwissen: In Bezug auf Nicht-Optimierung zitiert Friedman den ehemaligen Bürgermeister von New York City, Michael Bloomberg, der meinte, das "Soda-Gesetz" sei "wirklich nur ein Vorschlag", der dazu tendiere, die Entscheidungsfindung durch "satisficing" (dt. genügend/befriedigend, erstbeste Möglichkeit wird gewählt) oder anderweitig nicht-optimierende Entscheidungsträger umzuleiten (...).
Jolls: Beachten Sie, dass im Falle solcher relativ unreflektierter Konsumenten oder Konsumenten, die nach der "satisficing"-Methode agieren, die Nicht-Optimierung selbst zur Nicht-Rationalität beitragen kann, da Individuen, die reflexiv konsumieren, wahrscheinlich keine Informationen erhalten und genau verarbeiten, die für das Konsumverhalten relevant sind. >Begrenzte Rationalität.
Begrenzte Rationalität/Jolls: Obwohl Nichtwissen und Nicht-Optimierung in Friedmans Analyse verbunden werden, gibt es wiederum keine notwendige Implikation, dass die beiden Aspekte der begrenzten Rationalität ähnliche normative Analysen hervorrufen. Friedmans eigener Fokus liegt darauf, wie das New Yorker "Soda-Gesetz" die spezifischen, diskreten Parameter der nominalen Begriffe des Gesetzes transzendierte und zum Gegenstand einer weitreichenden nationalen Debatte über Freiheit und Verantwortung wurde. >Begrenzte Rationalität/Jolls.
Parisi I 66
Debiasing Strategien: siehe Farnsworth, 2003(2); Jolls und Sunstein, 2006(3); Heller, 2009(4); Williams, 2009(5); Jolls, 2013a(6); Jolls, 2013b(7)).
Parisi I 67
Optimismus/gesetzliche Grenzen für Verbraucher: (...) Optimismus kann dazu führen, dass viele Verbraucher ihr persönliches Risiko unterschätzen (...). Dementsprechend kann Optimismus (vielleicht in Verbindung mit anderen Faktoren) rechtliche Beschränkungen für Verbrauchertransaktionen rechtfertigen; das Gesetz kann versuchen, die negativen Auswirkungen des Nichtwissens der Verbraucher zu minimieren, während es davon ausgeht, dass dieses Nichtwissen selbst fortbesteht (zum Beispiel Prentice und Roszkowski, 1991-92)(8). Eine solche Bemühung kann jedoch große eigene Kosten verursachen, wie Schwartz (1988)(9) und andere vorgeschlagen haben.
Eine Alternative zu einem solchen Ansatz besteht darin, das Gesetz zu nutzen, um den Grad des Nichtwissens der Verbraucher in erster Instanz zu reduzieren. (...) nicht alle Formen eingeschränkter Rationalität sprechen auf Entschärfungsstrategien an (z. B. Weinstein und Klein, 2002)(10); aber in Kontexten, in denen sozialwissenschaftliche Erkenntnisse darauf hindeuten, dass solche Strategien erfolgreich sein können (z. B. Babcock, Loewenstein und Issacharoff, 1997)(11), kann das Recht diese Strategien einsetzen, um das Nichtwissen der Verbraucher zu reduzieren. >Verfügbarkeitsheuristik/Wirtschaftstheorien, >Risikowahrnehmung/Wirtschaftstheorien, >Optimismus/Wirtschaftstheorien.


1. Friedman, David Adam (2013). “Micropaternalism.” Tulane Law Review 88: 75–126.
2. Farnsworth, Ward (2003). “The Legal Regulation of Self-Serving Bias.” U.C. Davis Law Review 37: 567–603.
3. Jolls, Christine and Cass R. Sunstein (2006). “Debiasing through Law.” Journal of Legal Studies 35: 199–241.
4. Heller, Kevin Jon (2009). “The Cognitive Psychology of Mens Rea.” Journal of Criminal Law and Criminology 99: 317–379.
5. Williams, Sean Hannon (2009). “Sticky Expectations: Responses to Persistent Over-Optimism in Marriage, Employment Contracts, and Credit Card Use.” Notre Dame Law Review 84: 733–791.
6. Jolls, Christine (2013a). “Product Warnings, Debiasing, and Free Speech: The Case of Tobacco Regulation.” Journal of Institutional and Theoretical Economics 169: 53–78.
7. Jolls, Christine (2013b). “Bias and the Law of the Workplace,” in Cynthia L. Estlund and Michael L. Wachter, Hrsg., Research Handbook on the Economics of Labor and Employment Law, 275–295. Cheltenham: Edward Elgar Publishing.
8. Prentice, Robert A. and Mark E. Roszkowski (1991–92). “‘Tort Reform’ and the Liability ‘Revolution’: Defending Strict Liability in Tort for Defective Products.” Gonzaga Law Review 27: 251–302.
9. Schwartz, Alan (1988). “Proposals for Products Liability Reform: A Theoretical Synthesis.” Yale Law Journal 97: 353–419.
10. Weinstein, Neil D. and William M. Klein (2002). “Resistance of Personal Risk Perceptions to Debiasing Interventions,” in Thomas Gilovich, Dale Griffin, and Daniel Kahneman, eds., Heuristics and Biases: The Psychology of Intuitive Judgment, 313–323. New York: Cambridge University Press.
11. Babcock, Linda, George Loewenstein, and Samuel Issacharoff (1997). “Creating Convergence: Debiasing Biased Litigants.” Law and Social Inquiry 22: 913–925.


Jolls, Christine, „Bounded Rationality, Behavioral Economics, and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Wirtschaftstheorien

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017

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