Philosophie Lexikon der Argumente

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Determinismus, Philosophie: die These, dass Ereignisse oder auch Geistzustände aufgrund strikter Gesetze eintreten und daher im Voraus festgelegt sind. Zur Voraussage muss man dann nur noch die Rahmenbedingungen kennen. Dass wir nicht wissen, ob der Determinismus wahr ist, wird zuweilen auf die unvollständige Kenntnis der Rahmenbedingungen zurückgeführt. Siehe auch Indeterminismus, strikte Gesetze, Vorhersage, Wahrscheinlichkeit, Probabilismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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III 441
Determinismus/Tradition: vier verschiedene Positionen:
1. die Position dessen, der nicht weiß, was diese These eigentlich besagt.
2. die Position des Pessimisten, der meint, die Wahrheit der deterministischen These werde der Moral den Boden entziehen.
3. die Position des Optimisten, der die Wahrheit des Determinismus für vereinbar erklärt mit unseren Begriffen von Pflicht und Verantwortung.
4. die Position des moralischen Skeptikers, der diese Begriffe allgemein für unfundiert hält, egal ob der Determinismus zutrifft oder nicht.
III 441/442
Determinismus/Strawson: der Optimist hat nicht mehr vorzubringen als die unbestrittene Leistungsfähigkeit der Begriffe in Bezug auf die Regulierung gesellschaftlich erwünschten Verhaltens.
Der Pessimist bestreitet mit einigem Recht die Angemessenheit dieser Art von Begründung. Seiner Meinung nach muss ein ganz anderer (metaphysischer) Freiheitsbegriff ins Spiel kommen: einer der die Falschheit des Determinismus nach sich zieht.
"Gemeinplatz": betrifft die zentrale Bedeutung, die wir unserm Handeln, Denken und Fühlen beimessen.
III 443
Determinismus: Frage: wären wir durch die Überzeugung von der Wahrheit des Determinismus gezwungen, generell gegenüber allen anderen Menschen die »objektive« Einstellung anzunehmen und damit die Grundlage unserer Pflicht und Verantwortungsbegriffe zu zerstören?
Strawson: 1. unsere normalen Verhaltensweisen, Überzeugungen, Empfindungen und Institutionen sind viel zu stark geprägt von den üblichen reaktiven Einstellungen und Gefühlen als dass es realistisch wäre, eine bloße theoretische Überzeugung vom Determinismus könnte sie wirklich ändern.
2. spielt in den Fällen, in denen wir unsere Einstellungen tatsächlich ändern eine etwaige Überzeugung über die Wahrheit des Determinismus überhaupt keine Rolle.
Fragen der rationalen Rechtfertigung gehören anderen Ebenen und engeren Bereichen an als unser tatsächliches Verhalten.
III 443
Determinismus/Strawson: wenn er wahr wäre, würde das unsere eingeübten Einstellungen und Reaktionen nicht ändern.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Str I
P.F. Strawson
Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972

Str IV
P.F. Strawson
Analyse und Metaphysik München 1994

Str V
P.F. Strawson
Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981

> Gegenargumente gegen Strawson
> Gegenargumente zu Determinismus



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 28.07.2017