Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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II 334ff
Rationalität/Evolutionstheorie: erklärt nicht, warum physikalischer Zustand r Bewegung b verursacht - (wenn der Zustand r der entsprechende rationale Grund und Bewegung b die rationale Handlung ist) - Nozick: wenn R kein rat. Grund wäre, gäbe es gar keinen Organismus, der dafür selektiert wäre. - ((s) Weil irrationale Organismen nicht selektiert werden, könnte man rationales Verhalten nicht als besonders erkennen und beschreiben.
II 338
Nozick: dennoch: wenn r nicht rational wäre, wäre der Organismus nicht selektiert worden - "Abwärtskausalität". - Also gibt es doch Rationalität in der Welt.
II 342
Evolutionstheorie/Nozick: scheint Werte und wertende Tatsachen zu eliminieren. - Selbst wenn Handeln mit Glauben in Verbindung steht, steht es nicht mit wertenden Tatsachen in Verbindung.
III 343
Stattdessen: "unsichtbare Hand", blinder Mechanismus. - Ethisches Verhalten könnte ererbt sein.
Pointe: das untergräbt nicht die Rolle von ethischen Tatsachen. - Erklärung: individuelles Verhalten wird nicht "blind" erklärt. - Lösung: zusätzlich braucht man Wahrheit zur Erklärung.
II 348
Moralische Überzeugung muss letztlich in Verbindung mit seiner Wahrheit stehen - aber das zeigt nicht, dass aus einer erfolgreichen Erklärung der unsichtbaren Hand (blinde Erklärung) nicht folgen könnte, dass es vielleicht gar keine Verbindung mit Richtigkeit gibt.

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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

No I
R. Nozick
Philosophical Explanations Oxford 1981

No II
R., Nozick
The Nature of Rationality 1994

> Gegenargumente gegen Nozick
> Gegenargumente zu Evolution



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 25.06.2017