Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Slater I 167
Kohlberg/Moral/Psychologische Theorien: Eine wichtige Kritik wurde von Shweder vorgetragen.
(1991)(1), der das Modell kritisierte, weil es sich zu sehr auf Fragen der Gerechtigkeit konzentrierte und es versäumte, eine Reihe von moralischen Anliegen wie Göttlichkeit und Gemeinschaft zu erfassen, die in nicht-westlichen Kulturen sehr ausgeprägt sind. (ShwederVsKohlberg). (Siehe auch GilliganVsKohlberg: >Moral/Gilligan).
Kohlbergs Ansatz wurde weiterhin kritisiert, weil er sich auf hypothetische Situationen stützt. Wie Krebs und Denton (2005)(2) feststellten, unterscheiden sich die moralischen Dilemmata im wirklichen Leben in vielerlei Hinsicht von den Dilemmata Kohlbergs, was Auswirkungen auf die moralische Argumentation haben kann. (KrebsVsKohlberg, DentonVsKohlberg).
Wenn Einzelpersonen beispielsweise hypothetische Dilemmata in Betracht ziehen, werden sie wahrscheinlich nicht die Möglichkeit in Erwägung ziehen, in Zukunft mit den Zielen ihrer Urteile zu interagieren. Empirische Beweise scheinen diese Kritik jedoch nicht zu unterstützen. So zeigte beispielsweise die Arbeit von Walker und Kollegen (Walker, 1989(3); Walker, de Vries, & Trevethan, 1987)(4), dass hypothetische und selbst erzeugte moralische Dilemmata zu ähnlichen moralischen Einstufungen für Kinder und Erwachsene führen. (WalkerVsKohlberg).
Slater I 168
ShwederVsKohlberg/DentonVsKohlberg: Kohlbergs Modell (...) betont moralisches Denken unter Ausschluss moralischen Verhaltens. Krebs und Denton (2005(2), S. 645) argumentierten: "Was Menschen tun, ist praktischer wichtig als das, was sie sagen, und das Studium dessen, was Menschen tun, ist besser gerüstet, um die Moral zu erklären, als das Studium dessen, was sie sagen". Sie behaupteten, dass moralisches Denken nur einen kleinen Teil der Varianz des moralischen Verhaltens ausmacht, und stellten fest, dass die Korrelationen zwischen moralischem Verhalten und Leistung bei Kohlbergs Argumentationsaufgaben tendenziell etwa .3 und nach der Kontrolle für Faktoren wie den sozioökonomischen Status noch niedriger sind (siehe auch Blasi, 1980(5) und Gibbs, 2006(6), für ein Gegenargument).
Slater I 171
Xu et al. (2010)(7) fanden heraus, dass (...) Kinder, die fälschlicherweise behaupteten, ein Geschenk zu mögen, eher eine positive Ansicht von Lügen in Höflichkeitssituationen äußerten. Eine Studie von Fu, Evans, Wang und Lee (2008)(8) untersuchte den Zusammenhang zwischen der Argumentation von Kindern über das Lügen und ihrem tatsächlichen Lügenerzählen. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass die moralische Argumentation von Kindern signifikante Auswirkungen auf ihr moralisches Verhalten haben kann, wenn die Argumentations- und Verhaltenskontexte sehr parallel aufgebaut sind. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kohlbergs moralische Dilemmata in der Tat zu abstrakt sein könnten, um nützliche Einblicke in das moralische Verständnis, das moralische Verhalten und die Verbindung zwischen beiden zu geben (Krebs & Denton, 2005)(2).


1. Shweder, R. (1991). Thinking through cultures: Expeditions in cultural psychology. Cambridge, MA:
Harvard University Press.
2 Krebs, D. L. & Denton, K. (2005). Toward a more pragmatic approach to morality: A critical evaluation of Kohlberg’s modeL Psychological Review, 112,629—649.
3. Walker, L. J. (1989). A longitudinal study of moral reasoning. Child Development, 60, 157—166.
4. Walker, L. J., de Vries, B., & Trevethan, S. D. (1987). Moral stages and moral orientations in real-life and hypothetical dilemmas. Child Development, 58, 842—858.
5. Blasi, A. (1980). Bridging moral cognition and moral action: A critical review of the literature. Psychological Bulletin, 88, 1-45.
6. Gibbs, J. C. (2006). Should Kohlberg’s cognitive developmental approach be replaced with a more pragmatic approach? Comment on Krebs and Denton. Psychological Review, 113, 666—671.
7. Xu, F., Bao, X., Fu, G., Taiwar, V, & Lee, K. (2010). Lying and truth-telling in children: From concept to action. Child Development, 81, 581—596.
8. Fu, G., Evans, A. D., Wang, L., & Lee, K. (2008). Lying in the name of the collective good: A developmental study. Developmental Science, 11, 495—503.


Gail D. Heyman and Kang Lee, “Moral Development. Revisiting Kohlberg’s Stages“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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