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Slater I 183
Bandura/Aggression/Bobo-Puppenstudie/Psychologische Theorien: Banduras Bobo-Puppenstudie (Bandura 1961(1)) (>Aggression/Bandura) wurde seitdem aus methodischen und ethischen Gründen kritisiert.
1) Einige Kritiker haben in Frage gestellt, ob Banduras Studie von einem IRB des 21. Jahrhunderts genehmigt worden wäre, da die Kinder sowohl der expliziten Modellierung der Aggression, als auch der Provokation, ausgesetzt waren, keinen Zugang zu attraktivem Spielzeug zu erhalten, welches dazu bestimmt war, die eigenen aggressiven Reaktionen der Kinder hervorzurufen.
2) Wissenschaftler haben die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse in Frage gestellt, da die Kinder alle aus der Vorschule der Stanford University rekrutiert wurden und damit sozioökonomische Vorteile besaßen im Gegensatz zur allgemeinen Bevölkerung. Die ursprüngliche Studie liefert keine Informationen über die Rasse, die ethnische Zugehörigkeit, die Ausbildung der Eltern oder andere soziodemografische Variablen, die heute typischerweise in der Literatur vorkommen.
Spätere Forschungen haben soziodemographische Unterschiede in den durchschnittlichen Aggressionsniveaus von Kindern dokumentiert. So zeigen beispielsweise Kinder mit gebildeteren Eltern (Nagin & Tremblay, 2001)(2), aus Familien mit weniger Stressoren (Sanson, Oberklaid, Pedlow, & Prior, 1991)(3) und aus Zwei-Eltern-Haushalten (Vaden-Kiernan, Ialongno, Pearson, & Kellam, 1995)(4) im Durchschnitt ein geringeres Maß an Aggression als Kinder mit weniger gebildeten Eltern, aus Familien mit mehr Stressoren bzw. aus Haushalten mit Alleinerziehenden.
Die mangelnde Aufmerksamkeit für soziodemographische Merkmale der Kinder in der ursprünglichen Studie würde jedoch nur dann ein Problem darstellen, wenn diese Merkmale die Zusammenhänge zwischen der Exposition gegenüber einem aggressiven Modell und dem eigenen imitativen Lernen von Aggression mildern würden. Bislang gibt es keine Beweise für eine solche Milderung. >Aggression/Bandura.
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Einige Kritiker haben in Frage gestellt, ob die Bobo-Puppenstudie Beweise für die Nachahmung von Aggression durch Kinder oder nur Verhaltensweisen darstellt, die die Kinder als Spiel betrachteten. Dieses Argument hängt davon ab, wie Aggression definiert wird. Zeitgenössische Forscher definieren Aggression im Allgemeinen als eine Handlung, die von einem Individuum begangen wird und die dazu bestimmt ist, einem anderen physischen, psychischen oder sozialen Schaden zuzufügen (Anderson & Bushman, 2002)(5). Es ist plausibel, dass die Absicht, Schaden anzurichten, in den imitativen Verhaltensweisen der Kinder gegenüber der Bobo-Puppe fehlte, auch wenn sie von Natur aus (z.B. treten, schlagen) aggressiv wirken.


1. Bandura, A., Ross, D., & Ross, S. A. (1961). Transmission of aggression through imitation of aggressive models. Journal of Abnormal and Social Psychology, 63, 575—582.
2. Nagin, D. S., & Tremblay, R. E. (2001). Parental and early childhood predictors of persistent physical aggression in boys from kindergarten to high school. Archives of General Psychiatry, 58, 389—394.
3. Sanson, A., Oberklaid, F., Pedlow, R., & Prior, M. (1991). Risk indicators: Assessment of infancy predictors of pre-school behavioral maladjustment. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 32, 609—
626.
4. Vaden-Kiernan, N., Ialongno, N. S., Pearson, J., & Kellam, S. (1995). Household family structure and children’s aggressive behavior: A longitudinal study of urban elementary school children. Journal of
Abnormal Child Psychology, 23, 553—568.
5. Anderson, C. A., & Bushman, B. J. (2002). Human aggression. Annual Review of Psychology,, 53, 27-
51.


Jenifer E. Lansford, “Aggression. Beyond Bandura’s Bobo Doll Studies“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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