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Psychologische Theorien über Sprachentwicklung - Lexikon der Argumente

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Sprachentwicklung/Psychologische Theorien: Im Alter zwischen 12 Monaten, wenn Säuglinge beginnen, ihr erstes Wort zu sprechen, und 36 Monaten, wenn Kleinkinder bis zu tausend Wörter gelernt haben, haben sie auch viele der Feinheiten ihrer muttersprachlichen Grammatik gemeistert. Wie ist es möglich, dass ein so kompliziertes System von der überwiegenden Mehrheit der Kinder in nur zwei Jahren durch bloße Exposition und nicht durch offenes Unterrichten erworben wird?
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Kategoriale Wahrnehmung/Phonetik: Kategoriale Wahrnehmung (CP, > Phonetik/Psychologische Theorien). Um 1957 [als Chomsky(1) und Liberman(2) veröffentlichten] war kategoriale Wahrnehmung nur für die Sprache anwesend, und nur für die Komponenten der Sprache, wenn sie als Sprache gehört werden (nicht, wenn dieselben Komponenten als Nicht-Sprache gehört werden). Dies führte zu dem Vorschlag, dass der Mensch einen speziellen neuronalen Mechanismus - den Sprachmodus - entwickelt hat, der angeboren ist und sich der Interpretation von artikulatorischen Signalen widmet, die vom menschlichen Stimmtrakt erzeugt werden. Diese beiden nativistischen Perspektiven - Chomsky auf der Ebene der Syntax und Liberman auf der Ebene der Phonetik - bilden die Grundlage für einen endgültigen Test der angeborenen Einschränkungen der Sprache. >Sprachentwicklung/Eimas, >Chomsky/Psychologische Theorien.
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Zwei Jahrzehnte nach Eimas et al. (1971)(3) wurden die ersten Studien zur akustischen Worterkennung in flüssiger Sprache begonnen (Jusczyk & Aslin, 1995)(4), die die Tatsache dokumentierten, dass Achtmonatige Sprachbrocken erkennen konnten, selbst wenn sie in Sätze eingebettet waren. Säuglinge gleichen Alters erwiesen sich auch als bemerkenswert geschickt darin, auditive Wortformen aus fließendem Sprechen zu extrahieren, auch wenn diese Wortformen ausschließlich auf der Grundlage der Statistik der zeitlichen Ordnung definiert wurden (Saffran, Aslin, & Newport, 1996)(5). Wenn Säuglinge jedoch in einer Referenzaufgabe Wortformen auf Objekte abbilden mussten, scheiterten sie oft erst viel später (bei 14 Monaten), es sei denn, diese Wortformen waren vertraut und/oder die visuellen Objekte waren vertraut (Stager & Werker, 1997)(6). Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass dieser Abbildungsprozess unter den richtigen Umständen zusammen mit der Segmentierung durch flüssiges Sprechen auch bei Sechsmonatigen stattfinden kann (Shukla, White, & Aslin, 2011)(7). Siehe auch >Spracherwerb/Psychologische Theorien.




1. Chomsky, N. (1957). Syntactic structures. Mouton: The Hague.
2. Liberman, A. M., Harris, K. S., Hoffman, H. S., & Griffith, B.C. (1957). The discrimination of speech sounds within and across phoneme boundaries. Journal of Experimental Psychology, 54, 358—368.
3. Eimas, P. D., Siqueland, E. R.,Jusczyk, P., &Vigorito,J. (1971). Speech perception in infants. Science, 171, 303-306.
4. Jusczyk, P. W., & Aslin, R. N. (1995). Infants’ detection of the sound patterns of words influent speech. Cognitive Psychology, 29, 1—23.
5. Saffran, J. R., Aslin, R. N., & Newport, E. L. (1996). Statistical learning by 8-month-old infants. Science,274, 1926—1928.
6. Stager, C. L., & Werker, J. F. (1997). Infants listen for more phonetic detail in speech perception than
in word leaming tasks. Nature, 388, 38 1—382.
7. Shukla, M., White, K. S., & Aslin, R. N. (2011). Prosody guides the rapid mapping of auditory word
forms onto visual objects in 6-mo-old infants. Proceedings of the National Academy of Sciences, 108,


Richard N. Aslin, “Language Development. Revisiting Eimas et al.‘s /ba/ and /pa/ Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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