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Psychologische Theorien über Phonetik - Lexikon der Argumente

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Phonetik/Psychologische Theorien: Liberman, Harris, Hoffman und Griffith (1957)(1) fassten ein Jahrzehnt der Forschung an den Haskins Laboratories zusammen, was eine besondere Eigenschaft des menschlichen Hörsystems für Erwachsene aufdeckte. Im Gegensatz zu jeder anderen Art von auditorischem Stimulus, dessen Wahrnehmung den invarianten Prinzipien wie dem Weberschen Gesetz entsprach.
Def Webers Gesetz: Unterschiede in Intensität und Frequenz werden in proportionalen Schritten und nicht in absoluten Schritten unterschieden.
LibermanVsWebers Gesetz: Liberman et al. lieferten überzeugende Beweise dafür, dass bestimmte Klassen von Sprachlauten (insbesondere Plosive) nicht auf diese monotone Weise wahrgenommen werden.
Vielmehr wird Sprache auf nicht-monotone Weise wahrgenommen, mit Diskontinuitäten in der Diskriminierung, die etwa an den Rändern von Wahrnehmungskategorien liegen. Spätere Arbeiten von Haskins (Liberman, Harris, Kinney, & Lane, 1961(2); Liberman, Cooper, Shankweiler, & Studdert Kennedy, 1967)(3) lieferten noch eindeutigere Hinweise auf das, was als kategorische Wahrnehmung (CP) bekannt wurde.
Kategorische Wahrnehmung (CP): Diese besondere Art der Wahrnehmung war durch zwei entscheidende Eigenschaften gekennzeichnet:
(a) Token, die aus einem physischen Kontinuum stammen, als Mitglied der einen oder anderen Kategorie identifiziert (beschriftet) wurden und einen scharfen Übergang in der Identifikation (ID) an der Kategoriengrenze aufwiesen, und
(b) das Versagen der Diskriminierung innerhalb der Kategorie und ein Spitzenwert in der Diskriminierung zwischen den Kategorien für Token, die die Kategoriengrenze überschritten haben. >Sprachentwicklung/Psychologische Theorien.
Sprachentwicklung: Da zur Dokumentation der Anwesenheit von CP keine Sprachproduktion erforderlich war, konnte man die zirkuläre Logik vermeiden, zu behaupten, dass die Kompetenz durch Produktionsmängel eingeschränkt sei. Wenn man also eine Methode entwickeln könnte, um Säuglinge auf eine Sprachwahrnehmungsaufgabe zu testen, und wenn ihre Leistung dem bei Erwachsenen beobachteten CP-Muster der Diskriminierung und Identifizierung entspricht, dann würde das Vorhandensein eines funktionierenden Sprachmodus (d.h. eines angeborenen und sprachlich relevanten Wahrnehmungssystems) nachgewiesen werden.
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Entwicklung: Es steht außer Frage, dass Säuglinge bei einer phonetischen Diskriminierung besser sind als Erwachsene. So können beispielsweise Säuglinge aus einer japanischsprachigen Umgebung den Kontrast /ri-/li diskriminieren (Tsushima et al., 1994)(4), obwohl er von erwachsenen Japanern nicht phonemisch verwendet wird, und diese erwachsenen Sprecher große Schwierigkeiten haben, ihre /r/-/l/ Diskriminierung auch nach einem umfangreichen Training zu verbessern (Lively, Pisoni, Yamada, Tohkura & Yamada, 1994)(5). Dies deutet darauf hin, dass die Hörerfahrung eine wesentliche Rolle bei der Diskriminierung zumindest einer phonetischen Kategorie spielen muss.
Werker und Tees (1984) waren die ersten, die den Zeitablauf einer solchen Abstimmung durch die Hörumgebung zeigten. Säuglinge aus einer englischsprachigen Umgebung konnten im Alter von sechs Monaten zwei nicht-muttersprachliche phonetische Kontraste (von Hindi und von Salish, einer indianischen Sprache) unterscheiden und übertrafen damit ihre erwachsenen englischsprachigen Eltern. Im Alter von 12 Monaten beruhten die diskriminierenden Fähigkeiten von Säuglingen aus einer englischsprachigen Umgebung für diese beiden nicht-muttersprachlichen Gegensätze eher auf Zufall.
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Konsonantische Diskriminierung: (...) Erfahrungen mit der Muttersprache können eine wesentliche Rolle bei der Diskriminierung von Konsonanten in den zweiten sechs Monaten des postnatalen Lebens spielen. (...) Kuhl, Williams, Lacerda, Stevens und Lindblom (1992)(6) zeigten, dass der Effekt der Muttersprachlerfahrung noch früher wirkt als bei Vokalkontrasten, mit sprachspezifischer Abstimmung im Alter von sechs Monaten. Jüngste Erkenntnisse aus Kuhl, Tsao und Liu (2003)(7) deuten darauf hin, dass soziale Interaktion und nicht nur passives Zuhören eine Schlüsselrolle in diesem Prozess der Abstimmung der phonetischen Kategorien spielt, und weitere Arbeiten von Tsao, Liu und Kuhl (2004)(8) deuten darauf hin, dass eine frühe Abstimmung eine Vorhersage für spätere Niveaus des Wortschatzes ist.



1. Liberman, A. M., Harris, K. S., Hoffman, H. S., & Griffith, B.C. (1957). The discrimination of speech sounds within and across phoneme boundaries. Journal of Experimental Psychology, 54, 358—368.
2. Liberman, A. M., Harris, K. S., Kinney, J., & Lane, H. (1961). The discrimination of relative onset-time of the components of certain speech and non-speech patterns. Journal of Experimental Psychology, 61,379—388.
3. Liberman, A. M., Cooper, F. S., Shankweiler, D. P., & Studdert-Kennedy, M. (1967). Perception of the speech code. Psychological Review, 74, 431—461.
4. Tsushima, T. Takizawa, O., Sasaki, M., Siraki, S., Nishi, K., Kohno, M., Menyuk, P., & Best, C. (1994,
October). Discrimination of English/r-l/ and/w-y/ by Japanese infants at 6—12 months: Language specific developmental changes in speech perception abilities. Paper presented at the International Conference on Spoken Language Processing, Yokohama, Japan.
5. Lively, S. E., Pisoni, D. B., Yamada, R. A., Tohkura, Y., & Yamada, T. (1994). Training Japanese listeners to identify English/r/ and /1/. III. Long-term retention of new phonetic categones. Journal of the
Acoustical Society of America, 96, 2076—2087.
6. Kuhl, P. K., Williams, K. A., Lacerda, F., Stevens, K. N., & Lindbiom, B. (1992). Linguistic experience alters phonetic perception in infants by 6 months of age. Science, 255, 606—608.
7. Kuhi, P. K., Tsao. F.-M., & Liu, H.-M. (2003). Foreign-language experience in infancy Effects of short-term exposure and social interaction on phonetic learning. Proceedings of the National Academy of
Sciences, 100, 9096—9101.
8. Tsao, F.-M., Liu, H.-M., & Kuhl, P. K. (2004). Speech perception in infancy predicts language development in the second year of life: A longitudinal study. Child Development, 75, 1067—1084.


Richard N. Aslin, “Language Development. Revisiting Eimas et al.‘s /ba/ and /pa/ Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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