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Experiment: künstliches Herbeiführen eines Ereignisses oder künstliches Erzeugen eines Zustands zur Überprüfung einer Hypothese. Die Durchführung von Experimenten kann zur Neuformulierung der Ausgangshypothesen und zur Neuformulierung von Theorien führen. Siehe auch Theorien, Messungen, Wissenschaft, Hypothesen, Bayesianismus, Bestätigung, Ereignisse, Paradigmen, Paragimenwechsel, Rahmenbedingungen, Bezugssysteme.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Leon Festinger über Experimente – Lexikon der Argumente

Haslam I 49
Experiment/Festinger/Carlsmith: Festinger und Carlsmith (1959(1): Die von ihnen entwickelte Methode wurde zum Modell für die Forschung der nächsten Jahrzehnte. (>Milgram-Experiment). Seine Strenge und Kontrolle wurden durch seine Kreativität ergänzt. Tatsächlich wurde diese Studie wohl ebenso berühmt für ihre geniale Methodik wie für die Ergebnisse, die sie hervorgebracht hat.
Im Labor musste eine neue Haltung geschaffen werden. Sie erfanden eine Aufgabe, die die Studierenden erfüllen sollten, und sorgten dafür, dass sie von jedem, der sie ausführte, als wirklich langweilig empfunden wurde. Das wäre die Einstellung, der die Teilnehmer später durch ihre mündlichen Aussagen widersprechen würden.
Haslam I 50
Experiment: Der Experimentator erzählt den Teilnehmern, dass der eigentliche Zweck der Studie (...) ist, es zu sehen, wie sich Erwartungen auf die Leistung bei einfachen, manuellen Aufgaben auswirken. Er erklärt, dass die Hälfte der Teilnehmer tatsächlich in einer Versuchsgruppe ist. Er überprüft es bei dir noch einmal. Er gesteht, dass das, was er wirklich testet, ist, ob Menschen, die erwarten, dass die Studie Spaß macht, anders funktionieren als Menschen - wie Sie - die keine Erwartungen hatten. Du hattest keine Möglichkeit, das zu wissen, aber nichts, was der Experimentator dir bisher gesagt hat, war wahr.
Die einzelnen Teilnehmer galten als Initiatoren, die ausnahmsweise einmal die anderen Teilnehmer von der interessanten Natur des Experiments überzeugen sollten. Der Experimentator bot dem Teilnehmer $1 für das Gespräch mit der nächsten Person oder $20, je nachdem, welcher Bedingung [sie] zufällig zugeordnet war [als Kontrollperson].
Haslam I 51
Der nächste "Kandidat" im Wartezimmer ist jedoch kein Kandidat, sondern die bezahlte Konföderierte des Experimentators. Sie hört sich die Lüge über eine angeblich interessante Aufgabe an und verschwindet dann im Untersuchungsraum.
Dissonanz: [Die] Vorhersage war, dass das Verhalten (d.h. die Aussage an den wartenden Teilnehmer, dass die Aufgabe Spaß gemacht hat), das von der Einstellung abweichend war (d.h. dass die Aufgabe langweilig war), Dissonanz erzeugen würde. Der unangenehme Spannungszustand der Dissonanz würde zu einer Änderung der Einstellung führen, um sie mit dem Verhalten in Einklang zu bringen, aber das Ausmaß der Dissonanz würde der Größe des Anreizes entgegengesetzt sein: Je höher der Anreiz zur Abgabe der Aussage, desto geringer die Dissonanz. Festinger und Carlsmith prognostizierten, dass die Teilnehmer daher eine positivere Einstellung zu den Maßstäben der Leistungsaufgabe äußern würden, wenn ihnen für ihre Aussage ein trivialer Betrag und nicht ein großer Betrag gezahlt worden wäre.
Messung: Eine weitere List war notwendig, um die Einstellungen der Teilnehmer zu messen. Sie wurden gebeten, im Sekretariat der Abteilung einige Papiere zu unterschreiben. Die Sekretärin erklärte, dass die Psychologieabteilung eine Umfrage durchführte, wie sehr die Studierenden die Aufgaben, die sie bei psychologischen Experimenten übernommen hatten, genossen. Den Studierenden wurde eine Reihe von Fragen gestellt, wie interessant die Aufgaben waren und wie sehr sie ihnen gefallen haben.
Ergebnisse: Kontrollteilnehmer bildeten eine Gruppe von zufällig zugewiesenen Teilnehmern, die lediglich die Aufgabe durchführten, Stifte umzudrehen, ohne aufgefordert zu werden, eine gegensätzliche Stellungnahme abzugeben. Wie erwartet, fanden sie die Aufgabe langweilig und hatten kein Interesse daran, es wieder zu tun.
Aber auch, wie vorhergesagt, führte die Abgabe einer Erklärung, die von ihrer Haltung abweichend war, dazu, dass die Teilnehmer ihre Einstellung änderten, um sie an ihr Verhalten anzupassen, aber nur, wenn der Anreiz dazu sehr gering war. Als die Teilnehmer die gleiche Erklärung abgaben, dafür aber eine große finanzielle Belohnung erhielten, hatte die Erklärung keinerlei Auswirkungen auf ihre Einstellung. Sie hielten an ihrer Haltung fest, dass die [Aufgabe] tatsächlich eine langweilige Aufgabe war. Anscheinend, und wie vorhergesagt, war die Dissonanz minimal, wenn es einen großen Anreiz gab, gegen die eigene Haltung zu sprechen, aber maximal, wenn der Anreiz trivial klein war. >Dissonanztheorie/Psychologische Theorien.


1. Festinger, L. and Carlsmith, J.M. (1959) ‘Cognitive consequences of forced compliance’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 58: 203–10.


Joel Cooper, “Cognitive Dissonance. Revisiting Festinger’s End of the World study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Festinger, Leon

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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