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Muzafer Sherif über Robbers Cave Experiment – Lexikon der Argumente

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Robbers Cave Experiment/Sherif: Um Phänomene zwischen den Gruppen zu verstehen (d.h. die Art und Weise, wie sich Gruppen zueinander verhalten) glaubte [Sherif], dass es wichtig sei, einen gruppenübergreifenden Ansatz zu verfolgen. Als Psychologe betrachtete er die "Wahrnehmung der sozialen Welt" des Einzelnen, gepaart mit dem "Lernen darüber" des Einzelnen und der Beurteilung und Bewertung derselben, als einen Schwerpunkt seiner Analyse (Sherif und Sherif, 1969(1): 8).
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Robbers Cave Experiment: war das dritte von drei Experimenten, später "Jungen-Camp Studien" genannt. Die erste Phase in allen drei Studien war eine der inneren Gruppenbildung vor allen nachfolgenden Interaktionen zwischen den Gruppen. In den ersten beiden Tagen der Experimente 1 und 2 hatten alle Jungen die Möglichkeit, spontane, zwischenmenschliche Freundschaften zu entwickeln. Nach dieser Zeit ordneten die Experimentatoren die Jungen jedoch systematisch zwei verschiedenen Kategorien zu. Diese durchschnitten alle Freundschaften, die sie ursprünglich geschlossen hatten, so dass die Freunde nun getrennt waren. Auf diese Weise konnten die Forscher das Entstehen von Gruppenprozessen beobachten, ohne dass bereits Verbindungen bestanden. Experiment 3 brachte zwei Jungen auf die Forschungslager und hielt sie für die gesamte Phase 1 getrennt. Die Jungen führten eine Reihe von Aktivitäten durch, die voneinander abhängige Interaktionen und gemeinsame Ziele erforderten.
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Phase 1: Hier versuchten die Experimentatoren, den Wettbewerb innerhalb der sich bildenden Gruppen zu begrenzen. Die Jungen differenzierten sich in die Rollen von Führern und Anhängern, und es entstanden Verhaltensnormen. Jungen, die diese Normen überschritten, wurden auf verschiedene Weise bestraft.
Phase 2: Nachdem Sherif zwei verschiedene Gruppen gebildet hatte, wollte er das Auftreten negativer Einstellungen und Verhaltensweisen zwischen den Gruppen untersuchen.
Verhalten: Frage: Sind die Einstellungen und Verhaltensweisen zwischen den Gruppen - wie Vorurteile und Diskriminierungen - von spezifischen, materiellen Beziehungen zwischen den Gruppen geprägt?
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Erste Studie (1954): In dieser Studie wussten die Jungen zunächst nicht von der Existenz der anderen Gruppe. Es wurde festgestellt, dass bereits vor dem eigentlichen Kontakt zwischen Gruppen negative Einstellungen geäußert wurden. (Sherif et al. 1961(2): 94-95). Die Jungen äußerten auch sehr voreingenommene Einstellungen. Als die beiden Gruppen schließlich zusammengebracht wurden, tat Sherif dies mit dem spezifischen Ziel, die Rolle des gruppenübergreifenden Wettbewerbs um begrenzte und wertvolle Ressourcen zu untersuchen. Er sagte voraus, dass ein solcher gruppenübergreifender Wettbewerb zu Feindseligkeiten zwischen den Gruppen, negativen Stereotypen zwischen den Gruppen und einer verstärkten Solidarität innerhalb der Gruppe führen würde. Bei all diesen Wettbewerben wurden die ursprünglichen Gruppen, die sich in Phase 1 entwickelten, beibehalten. Im weiteren Verlauf des Wettbewerbs wurden zunehmend negative intergruppenspezifische Einstellungen geäußert.
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Der konzerninterne Wettbewerb führte auch zu Veränderungen in den konzerninternen Beziehungen. Nachdem sich in Phase 2 der breitere soziale Kontext verändert hatte, führte dies auch zu Veränderungen in den Rollenstrukturen. So verlor beispielsweise ein Gruppenführer der Phase 1 während der Phase 2 an Macht, als er seine Zurückhaltung im Outgroup-Wettbewerb zum Ausdruck brachte. Die Anforderungen an eine Führungskraft variierten dramatisch in Abhängigkeit von Veränderungen im sozialen Kontext.
Phase 3: Reduzierung des Intergruppenkonflikts: Im Feldexperiment 1949 wurde eine Deeskalation der Intergruppenfeindlichkeit beobachtet, als die beiden Gruppen zusammenkamen, um gegen ein externes Baseballteam anzutreten.
Sherif et al. 1. These: Die gruppenübergreifende Zusammenarbeit gegen einen Dritten ("ein gemeinsamer Feind") könnte ein Weg sein, um die Harmonie zwischen den beiden ursprünglichen Feinden zu fördern.
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Robbers Cave Experiment: (das Experiment fand 1954 statt) hier wurde die Konfliktreduktion systematisch untersucht. Es stellte sich heraus, dass der Kontakt zwischen den Gruppen ohne Konkurrenz (z.B. beim Anschauen von Filmen) unwirksam war, um die Feindseligkeit zu verringern. (Sherif et al. 1961(2): 209).
2. These: Negative Einstellungen und Verhaltensweisen zwischen den Gruppen würden reduziert, wenn nicht sogar eliminiert, unter Bedingungen, unter denen die beiden Gruppen zur Erreichung eines gemeinsam geschätzten, übergeordneten Ziels zusammenarbeiten müssten. Wichtig für Sherif ist, dass die Erreichung dieses Ziels nicht "durch die Bemühungen einer Gruppe allein" erreicht werden konnte (Sherif et al., 1961(2): 52).
Ergebnis: Die kooperativen Aufgaben reduzierten die Feindseligkeiten und auch die Bewertungen zwischen den Gruppen. >Robbers Cave Experiment/Psychologische Theorien.



1. Sherif, M. and Sherif, C.W. (1969) Social Psychology. New York: Harper & Row.
2. Sherif, M., Harvey, O.J., White, B.J., Hood, W.R. and Sherif, C.W. (1961) Intergroup Conflict and Cooperation: The Robbers Cave Experiment. Norman, OK: Institute of Group Relations, University of Oklahoma.


Michael W. Platow and John A. Hunter, „ Intergroup Relations and Conflicts. Revisiting Sherif’s Boys’ Camp studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Sherif, Muzafer

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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> Gegenargumente gegen Sherif

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