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Gruppenverhalten: Der Begriff des Gruppenverhaltens ist mehrdeutig in Bezug darauf, ob das Verhalten von Individuen in einer Gruppe oder das Verhalten von Gruppen gegenüber anderen Gruppen betrachtet wird. Hilfsbegriffe dazu sind Intra-Gruppenverhalten (Verhalten von Individuen) und Inter-Gruppenverhalten (Verhalten von Gruppen). Als dritter Aspekt tritt das mögliche Herausbilden neuer Gruppen hinzu. In der LIteratur wird - ausgehend von der Terminologie Muzafer Sherif’s - mit Intergruppenverhalten oft sowohl das Verhalten von Individuen innerhalb einer Gruppe als auch das Verhalten von Gruppen gegenüber anderen Gruppen bezeichnet. Siehe auch Kollektive, Gemeinschaften, Konflikte.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Muzafer Sherif über Gruppenverhalten – Lexikon der Argumente

Haslam I 146
Gruppenverhalten/Sherif: um Phänomene zwischen den Gruppen zu verstehen (d.h. die Art und Weise, wie sich Gruppen zueinander verhalten) glaubte [Sherif], dass es wichtig sei, einen gruppenübergreifenden Ansatz zu verfolgen. Als Psychologe betrachtete er die "Wahrnehmung der sozialen Welt" des Einzelnen, gepaart mit dem "Lernen darüber" des Einzelnen und der Beurteilung und Bewertung derselben, als einen Schwerpunkt seiner Analyse (Sherif und Sherif, 1969(1): 8). >Individuen/Sherif.
Haslam I 147
Sherif: Der Fortschritt und das Muster des intergruppenspezifischen Verhaltens stellen ein normales sozialpsychologisches Funktionieren dar und sind weder "irrational" (Sherif und Sherif, 1969(1): 269) noch ein "Problem des abweichenden Verhaltens" (Sherif et al., 1961(2): 198).
VsSherif: Es kann manchmal so aussehen, als ob Sherif einen sehr einseitigen Ansatz für die Beziehungen zwischen den Gruppen verfolgt hätte.
SherifVsVs:/Platow/Hunter: [Sherif et al.] taten alles, was sie in ihren Jungen-Camp-Studien (>Robbers Camp Studien/Sherif) konnten, um zu zeigen, dass biologische und Persönlichkeitskonstrukte ihre Ergebnisse nicht erklären konnten. Um dies zu erreichen, arbeiteten sie hart daran, die Macht des sozialen Kontextes bei der Gestaltung sowohl gruppeninterner als auch gruppenübergreifender Einstellungen und Verhaltensweisen zu demonstrieren. Aber [ihr] Ziel war es nie, völlig andere potenzielle Faktoren zu vernachlässigen. >Robbers Camp Studien/Sherif.
Haslam I 148
Intergruppenspezifische Beziehungen: [für Sherif et al.] wurden Intergruppenbeziehungen als "funktionale Beziehungen zwischen zwei oder mehr Gruppen... und ihren jeweiligen Mitgliedern" konzipiert (Sherif und Sherif, 1969(1): 223).
Auch hier ist die Grundannahme, dass diese Beziehungen tatsächliche, materielle Interaktionen mit sich bringen. Darüber hinaus treten diese Beziehungen sowohl zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern als auch zwischen den Gruppen als Einheiten auf.
Interaktionen: a) zwischen Menschen innerhalb von mindestens zwei separaten Gruppen
b) zwischen Gruppen.
Methode/Sherif: drei experimentelle Phasen
1) innere Gruppenbildung
2) gruppenübergreifender Konflikt
3) Reduzierung des gruppenübergreifenden Konflikts. > Robbers Cave Experiment/Sherif.
Haslam I 154
Gruppenverhalten/Boys-Camp-Studien/Robbers Cave Experiment/Sherif/Psychologische Theorien: Die Studien zeigten, dass gruppenübergreifende Eindrücke, Einstellungen und Verhaltensweisen sowohl
(a) Folgen von gruppenübergreifenden Beziehungen (im Gegensatz zu Ursachen) als auch
(b) psychologisch sinnvoll für Gruppenmitglieder sind. Insbesondere in den Studien wurde gezeigt, dass sich die gruppenübergreifenden Eindrücke (d.h. Stereotypen) sowohl inhaltlich als auch wertig stark unterscheiden, um Veränderungen in den Wettbewerbs- und Kooperationsbeziehungen zwischen den beiden Gruppen widerzuspiegeln.
Haslam I 155
Ergebnisse: [Die Studien] bieten einen klaren Weg, um einen breiteren sozialen Wandel zu verfolgen: Um negative Stereotypen abzubauen und positive Einstellungen zwischen den Gruppen zu fördern, muss man die realen Beziehungen zwischen realen Gruppen, aus denen sie entstehen, verändern. In diesem Zusammenhang kann der Versuch, die Harmonie zwischen den Gruppen zu fördern, indem man einfach Mitglieder der beiden Gruppen zusammenbringt, um zu zeigen, dass "sie alle nur normale, anständige Menschen sind", als gefährlich naiv angesehen werden.



1. Sherif, M. and Sherif, C.W. (1969) Social Psychology. New York: Harper & Row.
2. Sherif, M., Harvey, O.J., White, B.J., Hood, W.R. and Sherif, C.W. (1961) Intergroup Conflict and Cooperation: The Robbers Cave Experiment. Norman, OK: Institute of Group Relations, University of Oklahoma.



Michael W. Platow and John A. Hunter, „ Intergroup Relations and Conflicts. Revisiting Sherif’s Boys’ Camp studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Class studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Sherif, Muzafer

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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> Gegenargumente gegen Sherif

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