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��kologische Theorien über Konsum - Lexikon der Argumente

Norgaard I 296
Konsum/Nutzen/Klimawandel/Ökologische Theorien: Es wird allgemein davon ausgegangen, dass der Nutzen jedes Individuums auf der Grundlage seines gesamten Verbrauchs an Waren und Dienstleistungen mit Hilfe einer allen gemeinsamen Nutzenfunktion geschätzt werden kann. Die Auswirkungen des Klimawandels und der Reaktionen darauf (d.h. Adaption und Minderung) werden als Veränderung dieses Verbrauchs gemessen.
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Der Gesamtverbrauch pro Kopf in empirischen Studien wird einfach aus einer Zukunftsprognose der Wirtschaftsleistung (d.h. des Bruttoinlandsprodukts oder des BIP) pro Kopf durch Verrechnung der Investitionen abgeleitet. Die Auswirkungen des Klimawandels und die Reaktionen darauf werden dann als gleichwertige Veränderungen des Verbrauchs geschätzt und zu diesem Basisstrom des Pro-Kopf-Verbrauchs hinzugefügt. Daher müssen alle Auswirkungen des Klimawandels, der Adaption und der Minderung preislich berücksichtigt werden. Der Konsum wird mit Hilfe einer Nutzenfunktion in einen Nutzen umgewandelt. (...) der Grenznutzen des Konsums nimmt ab, je reicher man wird. Dies hat zur Folge, dass die Auswirkungen des Klimawandels und die Reaktionsstrategien auf reiche (arme) Menschen weniger (mehr) Gewicht erhalten. Da der Konsum zufällig ungleichmäßig über Zeit, Raum und Naturzustände verteilt ist, wirkt sich die Nutzenfunktion auf den sozialen Diskontsatz, die Risiko- und Ungleichheitsaversion aus. Sicherlich kann jeder Ansatz, der (i) die Folgen politischer Entscheidungen für (ii) das menschliche Wohlergehen ernst nimmt, aufschlussreich sein (Sen 1999)(1).
Vs: (...) Die Enge des Ansatzes gibt auch Anlass zu einigen ernsthaften Bedenken, die in zahlreichen anderen Kontexten allgemeiner zur Wohlfahrtsökonomie geäußert wurden. Am offensichtlichsten ist vielleicht, dass der Ansatz mehrere Faktoren ignoriert, die zum menschlichen Wohlbefinden beitragen.
Welche Rolle spielen insbesondere Veränderungen der ökologischen, politischen und sozialen Verhältnisse? (...) wenn sie als gleichwertige Veränderungen des monetarisierten Konsums geschätzt werden können, dann können sie in die Schätzung des Nutzens einbezogen werden. (...) die Basislinie für den Nutzen ist (...) im Wesentlichen individuelles Einkommen [und dies] ignoriert andere nicht-monetäre Bestandteile. Zweitens ist es in der Praxis sehr schwierig, Geldwerte für viele der Auswirkungen des Klimawandels festzulegen, und es ist bekannt, dass die
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IAMs [integrierte Bewertungsmodelle], die zur Durchführung der wirtschaftlichen Bewertung verwendet werden, einige potenziell wichtige Veränderungen der ökologischen, politischen und sozialen Bedingungen auslassen (Watkiss und Downing 2008)(2).
Drittens achtet der Ansatz nicht annähernd genug auf die Unterscheidung, zwischen den Dingen, die der Mensch unbedingt braucht, und den Dingen, die er sich nur wünscht (z.B. O'Neill, Holland, et al. 2008)(3).



1. Sen, A. 1999. Development as Freedom. New York: Knopf.
2. Watkiss, P., and Downing, T. E. 2008. The social cost of carbon: Valuation estimates and their use in UK policy. Integrated Assessment 8(1): 85–105.
3. O'Neill, J., Holland, A., et al. 2008. Environmental Values. London: Routledge.


Dietz, Simon: “From Efficiency to Justice: Utility as the Informational Basis for Climate Strategies, and Some Alternatives”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Ökologische Theorien

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011

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