Philosophie Lexikon der Argumente

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Paradoxien: Widersprüche innerhalb von formal korrekten Aussagen bzw. Aussagenmengen, die dazu führen, dass eine Existenzannahme, die zunächst plausibel erschien, zurückgezogen werden muss. Paradoxien sind keine Fehler, sondern Herausforderungen, die eventuell zur Neuformulierung der Voraussetzungen und Annahmen oder zur Änderung der Sprache, des Gegenstandsbereichs und des logischen Systems führen. Siehe auch Antinomien, Russellsche Paradoxie, Widersprüche, Reichweite, Konsistenz.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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I 47
Rabenparadox/Poundstone: "Dieser Hering ist rot" stützt beide Kontrapositionen: a) "Alle nichtschwarzen Dinge sind Nichtraben" als auch "Alle nichtweißen Dinge sind Nichtraben" (Kontraposition von "Alle Raben sind weiß"). - Daraus folgt: schwarz ist weiß - das ist das Paradox.
I 66
Das Rabenparadox braucht kein Paradox zu sein, wenn die Anzahl der Gegenstände endlich ist
I 175
Wissensparadoxie/Gefangenen-Paradox/Poundstone: (unerwartete Hinrichtung) funktioniert nur, wenn der andere über die Situation nachdenkt und falsche Schlüsse zieht.
I 192
Wissensparadoxie/Gefangenen-Paradox/Quine/Poundstone: (unerwartete Hinrichtung) das "Wissen" ist hier eine Illusion. - Die erste Schlussfolgerung, nach der der Gefangene nicht am letzten Tag hingerichtet werden kann, ist ungültig. - Der Unlogische ist besser dran: er kann das richtige ahnen - die Annahme eines bestimmten Tages führt dazu, dass die Hinrichtung an einem beliebigen Tag stattfinden kann.
Pointe/Poundstone: Fehler: die Annahme, wenn alles Unmögliche ausgeschlossen sei, müsse etwas Mögliches übrig bleiben - wenn der Gefangene von der Unmöglichkeit ausgeht, kann er an jedem Tag hingerichtet werden.
I 221
Thomsons Lampe/Poundstone: Lampe geht für 1/2 min an, dann 1/4 min aus, dann 1/8 an... Summe: 1 - Frage: ist sie nach 1 Min an oder aus? (Summe unendlicher Glieder) - falsche Frage - analog: ob die größte Zahl gerade/ungerade sei -I 228 letztlich physikalische Grenzen: Frequenz, Energie, Schalter.
I 224
Zenon/Achilles/Poundstone: Lösung: Überholen nach 111,111...cm - die "Unendlichkeit" liegt in Zenons Analyse, nicht der Physik - Pfeil-Paradoxie: selbst in der Relativitätstheorie bleibt der Augenblick unscharf. - auch hier glauben wir an Ursache und Wirkung: die Gegenwart bestimmt die Zukunft - woher weiß der Pfeil, wohin er muss? - kein physikalisches Problem- Reihenbegriff keine Lösung.
I 236
Olbers Paradox: vierfache Fläche gleicht vierfach schwächere Strahlung aus - es müßte sich alles auf der Erde auf die mittlere Temp der Sterne aufheizen - Lösung: Rotverschiebung.
I 243
Tristram Shandy-Paradox/Russell/Poundstone: wenn er unendlich lang lebte, bliebe kein Tag unbeschrieben, weil kein Tag zu nennen wäre, für den es unmöglich wäre - Eins-zu-eins-Zuordnung möglich - aber niemals abgeschlossen - nicht aber bei Umkehrung: ue Vergangenheit: man kann keine eindeutige Zuordnung bestimmter Tage zu bestimmten Jahren vornehmen - im letzten Jahr kann er nicht über einen Tag jenes Jahres geschrieben haben -unendlich langes unvollendetes Manuskript.
I 400
Paradox/Paradoxie/Antinomie/Poundstone: allgemeine Form: die Illusion, alles Wahre sei auch erkennbar - unerwartete Hinrichtung: das Opfer irrt weil es meint, etwas durch logisches Schließen zu erreichen, was so nicht zu erreichen ist - Newcombs Paradox: derjenige der die Voraussage macht, kann seine eigenen Gedanken nicht kennen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
W. Poundstone
I W. Poundstone Im Labyrinth des Denkens, Reinbek 1995

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 22.10.2017