Philosophie Lexikon der Argumente

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Paradoxien: Widersprüche innerhalb von formal korrekten Aussagen bzw. Aussagenmengen, die dazu führen, dass eine Existenzannahme, die zunächst plausibel erschien, zurückgezogen werden muss. Paradoxien sind keine Fehler, sondern Herausforderungen, die eventuell zur Neuformulierung der Voraussetzungen und Annahmen oder zur Änderung der Sprache, des Gegenstandsbereichs und des logischen Systems führen. Siehe auch Antinomien, Russellsche Paradoxie, Widersprüche, Reichweite, Konsistenz.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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CresswellII 110
Paradoxie/Lügner/Kreter/Prior/Cresswell: These: der Kreter muss, damit er überhaupt etwas gesagt (ausgedrückt) haben kann, mehr als einen Satz gesagt haben. - ((s) Weil sonst der Satz sich selbst widerlegt und damit logisch nichts ausdrückt).
Cresswell II 180ff
Paradox/Cohen/Prior/Cresswell: (Cohen 1957, 225), (Prior 1961). Cohen Bsp Wenn der Polizist bezeugt, dass alles was der Häftling erklärt, falsch ist und der Häftling erklärt, dass etwas, das der Polizist bezeugt wahr ist, dann ist etwas, was der Polizist bezeugt falsch und etwas was der Häftling erklärt, wahr. - Schreibweise: d1: "Der Polizist bezeugt, dass- d2: "der Häftling erklärt" - logische Form: (d1 p(d2p > ~p) ∧ d2Ep(d1p ∧ p)) > (Ep(d1p ∧ ~p) ∧ Ep(d2p u p)) - Lügner/Prior: d: "wurde gesagt von einem Kreter": d p(dp > ~p) > (Ep(dp ∧ p) ∧ Ep(dp ∧ ~p)) - (ii)d p(dp > ~p) > Ep Eq(p ≠ q) ∧ dp ∧ dq). - (ii) besagt, dass der Kreter mindestens zwei Dinge gesagt haben muss.
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Prior I 81
Prior/(s): Tautologie p > pq liest Prior hier so: p z.B. Sagen, q: Adverb! - Bsp CpAKpqKpNq: wenn es der Fall ist, dass p, dann entweder es ist der Fall, dass p-und-q oder es ist der Fall dass p-aber-nicht-q. - Moore's Paradox: derselbe Apparat kann dazu benutzt werden: "Ich glaube dass es regnet, aber natürlich regnet es nicht" - Philosophen haben es bemerkenswert schwierig gefunden, zu erklären, was daran falsch ist. - Aber das passiert ständig.
Prior I 2
Mooresches Paradox/Prior: wir brauchen nur normale Wahrheit und Irrtum (Irrtum oder Unaufrichtigkeit als einzige Möglichkeiten).
Prior I 85ff
Vorwortparadox/Prior: These, dass etwas was im Buch ist, nicht der Fall ist, kann nur außerhalb des Buches behauptet werden - Variante: Buch mit nur einem Satz: etwas in diesem Buch ist falsch: Reihenfolge der Theoreme: 1. Dann ist etwas falsch - 2. Das Gesagte, dass etwas in dem Buch falsch ist, ist wahr - 3. Das ist wiederum wahr - 4. Dann ist in dem Buch etwas falsch und etwas ist wahr ((s) aber nur eine Aussage) - aber dann werden mindestens zwei verschiedene Dinge in dem Buch gesagt - durch Kontraposition: wenn nichts in dem Buch falsch ist, außer dem, dass gesagt wird, dass etwas in dem Buch falsch ist, dann wird dies auch nicht in dem Buch gesagt!
Prior I 88f
Vorwort-Paradox/Prior: in dem Buch ist etwas falsch kann einfach nicht die einzige Behauptung sein - Selbstbezüglichkeit ist aber nicht das Problem.
Prior I 96f
Vorwort-Paradox/Prior: Parallele/Cohen: Bsp Wenn John eine braune Kuh hat, die dann und nur dann schwanger ist, wenn irgendein Tier von John nicht schwanger ist, dann ist irgendein Tier von John nicht schwanger - Beweis: ex hypothesi: wenn ein Tier von John nicht schwanger ist, ist die Kuh schwanger Also, wenn die Kuh nicht schwanger ist, so ist das andere Tier schwanger - und daher (weil die Kuh nur schwanger ist, wenn ein anderes Tier es nicht ist, ist ein Tier von John nicht schwanger. - Er muss mindestens zwei Tiere besitzen.
Prior: merkwürdigerweise nicht wesentlich, dass das schwangere Tier eine braune Kuh sein müsste, genauso ginge: für ein x, x bedeutet, dass der Himmel blau ist und x ist wahr, gdw. Gras grün ist. - Die beiden Komponenten sind ganz irrelevant füreinander - auch beim Vorwortparadox.
Prior I 98
Vorwort-Paradox/PriorVsTarski: mein Wahrheitsbegriff hier nicht-Tarskisch: Wahrheit nicht Eigenschaft von Sätzen, sondern von Propositionen. - D.h. Quasi-Eigenschaften von Quasi-Objekten - eher Adverbien als Adjektive. - Bsp "wahrheitsgemäß" und "fälschlicherweise".


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Pri I
A. Prior
Objects of thought Oxford 1971

Pri II
Arthur N. Prior
Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984

Pri II
Arthur N. Prior
Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 22.10.2017