Philosophie Lexikon der Argumente

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Quantoren: Quantoren sind in der Prädikatenlogik die Symbolkombinationen (Ex) und (x) für die Menge der Gegenstände, denen eine oder mehrere Eigenschaften zugeschrieben werden. a) Existenzquantifikation (Ex)(Fx) („Mindestens ein x“). b) Allquantifikation (x)(Fx) („Alles ist F“). Für weitere Gegenstandsarten werden z.B. y, z… gewählt. Bsp (x)(Ey)(Fx > Gy). Siehe auch Quantifikation, verallgemeinerte Quantoren.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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Bertrand Russell
Hintikka I 173
Quantifikation/Quantor/Bekanntschaft/Beschreibung/Russell/Hintikka: bei Russell gehen die Quantoren (bzw. der Bereich der gebunden Variablen) nur über Objekte der Bekanntschaft. ((s) Körperlich präsente Dinge).
Kennzeichnung/ThdK/Russell: Kennzeichnungen werden eliminiert im Kontext zugunsten von Quantoren. Es gibt nur noch Quantoren und gebundene Variablen.
Russell/Hintikka: man könnte ihn so paraphrasieren: „der Begriff „ist immer wahr“ kommt als einziges in den Propositionen vor, die ursprünglich bestimmte Kennzeichnungen enthielten.
Kraft/Russell/Hintikka: die Kraft ((s) semantische Kraft) der reduzierten Propositionen hängt vom Individuenbereich der Variablen ab.
Pointe/Hintikka: nun ist es nur ein Teil der Geschichte, dass Russell erfolgreich nicht-existente Objekte eliminiert hat (Bsp Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl). Seine Reduktion geht weiter:
Quantor/Russell/Hintikka: die Quantoren gehen nur über Objekte der Bekanntschaft. ((s) Objekte, von denen wir nur durch Beschreibung wissen, sind nicht zugelassen, über sie darf bei Russell nicht quantifiziert werden. Das ist mehr als die Elimination von nichtexistenten Objekten, denn es gibt auch existierende Objekte, die wir nur durch Beschreibung kennen).
Hintikka I 173
Denotation/Russell/Hintikka: Pointe: ein geniales Merkmal von Russells Theorie der Denotation von 1905 ist, dass es die Quantoren sind, die denotieren!
Theorie der Kennzeichnungen/Russell: (Ende von „On Denoting“) These: enthält die Reduktion von Kennzeichnungen auf Objekte der Bekanntschaft.
I 174
Hintikka: dieser Zusammenhang ist erstaunlich, Es scheint auch zirkulär zu sein, nur Objekte der Bekanntschaft zuzulassen.
Lösung: wir müssen sehen, was erfolgreich denotierende Ausdrücke (phrases) tatsächlich denotieren: sie denotieren eben Objekte der Bekanntschaft.
Uneindeutigkeit/Eindeutigkeit/Hintikka: es ist eben Uneindeutigkeit, die zum Fehlschlagen der EG führt.
Bsp Waverley/Russell/Hintikka: dass nur Objekte der Bekanntschaft zugelassen sind, zeigt sein eigenes Beispiel: „der Autor von Waverley“ in (1) ist tatsächlich ein primäres Vorkommnis d.h. sein Beispiel (2) .
„ob“/Russell/Hintikka: einziger Unterschied: wollte wissen, ob“ statt „wusste nicht“.
Sekundäre Kennzeichnung/Russell: kann man auch so ausdrücken: dass George von dem Mann, der tatsächlich Waverley schrieb wissen wollte, ob er Scott sei.
I 175
Das wäre der Fall, wenn Georg IV Scott gesehen hätte (in der Distanz) und gefragt hätte „Ist das Scott?“.
HintikkaVsRussell: warum wählt Russell ein Beispiel mit einem wahrnehmungsmäßig bekannten Individuum? Haben wir nicht normalerweise mit Individuen aus Fleisch und Blut zu tun, deren Identität uns bekannt ist, statt nur mit Wahrnehmungsobjekten?
Wissen wer/Wissen was/Wahrnehmungsobjekt/Russell/Hintikka: gerade bei Wahrnehmungsobjekten scheint es, als sei die Art von Eindeutigkeit, die wir für ein Wissen-wer brauchen, gerade nicht gegeben ist.
Hintikka I 178
Quantor/Quantifikation/HintikkaVsRussell: Russell verwechselt systematisch zwei Arten von Quantoren. (a) der Bekanntschaft, b) der Beschreibung).
Problem: Russell hat nicht erkannt, dass der Unterschied nicht allein in Bezug auf die aktuale Welt definiert werden kann!
Lösung/Hintikka: wir brauchen eine Relativierung auf Mengen von möglichen Welten, die mit den verschiedenen propositionalen Einstellungen wechseln.
Hintikka I 180
Elimination/Eliminierbarkeit/HintikkaVsRussell/Hintikka: um bloß scheinbar denotierende Kennzeichnungen zu eliminieren, muss man annehmen, dass die Quantoren und gebundenen Variablen über Individuen gehen, die beschreibungsmäßig identifiziert sind. ((s) Objekt der > Beschreibung).
Sonst wäre der reale Bismarck kein zulässiger Wert der Variablen, mit denen wir ausdrücken, dass es ein Individuum einer bestimmten Art gibt.
Problem: dann dürfen diese Quantoren aber keine Konstituenten der Propositionen sein, denn ihre Wertebereiche bestehen eben nicht bloß aus Objekten der Bekanntschaft. Daher war Russells Fehler ein zweifacher.
1.
Quantor/Variable/Russell/Hintikka, 1905 hatte er schon aufgehört zu denken, dass Quantoren und gebundene Variablen echte Konstituenten von Propositionen sind.
Def Scheinveränderliche/Russell/Hintikka: = gebundene Variable.
2.
Bekanntschaft/Russell: Werte der Variablen sollten nur noch Objekte der Bekanntschaft sein. (HintikkaVsRussell).
Hintikka I 180
Quantoren/HintikkaVsRussell: jetzt können wir sehen, warum Russell nicht zwischen verschiedenen Quantoren unterschied (Bekanntschaft/Beschreibung): Für ihn waren Quantoren nur notationale Muster, und für sie braucht man den Bereich der möglichen Interpretation nicht festzulegen, daher macht es auch keinen Unterschied, wenn sich der Bereich ändert!
Quantifikation/Russell: für ihn war sie implizit objektional (referentiell) jedenfalls nicht substitutional.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

R I
B. Russell/A.N. Whitehead
Principia Mathematica Frankfurt 1986

R II
B. Russell
Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989

R IV
B. Russell
Probleme der Philosophie Frankfurt 1967

R VI
B. Russell
Die Philosophie des logischen Atomismus
In
Eigennamen, U. Wolf (Hg), Frankfurt 1993

R VII
B. Russell
Wahrheit und Falschheit
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg), Frankfurt 1996

Hin I
Jaakko and Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989

W I
J. Hintikka/M. B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 29.06.2017