Philosophie Lexikon der Argumente

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Quasi-Anführung, Philosophie: Ausdruck für die Form, in der das Zitieren von Aussagen oder Teilen von Aussagen zu geschehen hat, die selber Variablen enthalten. (Vgl. W.V.O. Quine, 1961, § 6). Da Verschiedenes anstelle dieser Variablen eingesetzt werden kann, muss der Bezug erst hergestellt werden bzw. der fehlende Bezug kenntlich gemacht werden. Das Ausfüllen von Formulardaten kann in ähnlicher Weise verstanden werden. Man ist z.B. nicht aufgefordert, „Geburtsdatum“ zu schreiben, sondern an der Stelle [Geburtsdatum] einen Wert einzutragen. Siehe auch Erwähnung, Gebrauch.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I 206
Zitat/Quasianführungszeichen/Schreibweise/Quine/Geach: Quine benutzt halbe eckige Klammern [x] für das, was er "Quasi-Zitat" (Quasi Anführung) nennt.
extern, Brandom I 960
eckige Klammern [, ] (eigentlich nur obere Ecke): stammen von Quine: bequemer Ausdruck für Verallgemeinerungen, in denen Zitiertes vorkommt: [p] soll eine Variable sein, die über die Ergebnisse der Anwendung von Anführungszeichen auf die Sätze läuft, über die die Variable läuft: Umgekehrte Operationsreihenfolge wie bei den gewöhnlichen Anführungszeichen: hier gilt: "p" ist ein Zitatname eines Buchstabens des Alphabets.
Geach I 206 (Fortsetzung)
Quine: lässt für alle x [x] und x dasselbe sein, Geach: das mache ich nicht. Ich benutze die Klammern also etwas anders.
Bsp [Cicero] und [Cicero war ehrlicher als Demosthenes] wären dann einfach die Ausdrücke "Cicero" und "Cicero war ehrlicher als Demosthenes".
Aber [x] wäre nicht notwendig die Variable x (könnte sie aber sein).
und [x war ehrlicher als Demosthenes] wäre das Resultat des Einsetzens von "x" in "x war ehrlicher.." durch welchen Ausdruck auch immer [x] war.
Es würde daher keinen Unterschied in (1) machen, wenn wir statt der Anführungszeichen eckige Klammern [ ] benutzt hätten. Wir nennen die entsprechende Variante (1'). Aber können wir von (1') übergehen zu:

(3) Für ein x, x war ein großer Redner und [x] ist der einzige Eigenname eines Römers, der in [x war ehrlicher als Demosthenes] vorkommt

(3) sieht nach einer furchtbaren Vermischung von zwei Formen aus:

(4) Für ein x, x war ein großer Redner (x ist hier Person)

(5) Für ein x, [x] ist der einzige Eigenname eines Römers, der in [x war ehrlicher als Demosthenes] vorkommt.

(x ist hier Ausdruck)

(4) und (5) können gelesen werden als: "Es gibt ein Objekt x, sodass", aber in (5) hieße das: es gibt einen Ausdruck sodass" (Quine würde hier erlauben, dass die Quantifikation in die eckigen Klammern des Quasi-Zitats hineinreicht).
Aber bei (4) muss das Erfüllungsobjekt eine Person, und in (5) muss es ein Ausdruck sein!
I 207
Daher kann (3) nicht aus (1') geschlossen werden!

Wir können (3) aber auch ganz anderes interpretieren: "Für ein x, Fx".
Das würde dann wahr, wenn jedes freie Vorkommnis von "x" so ersetzt werden könnte durch ein und denselben Eigennamen, dass ein wahres Ergebnis herauskommt. Dann wäre (3) aus (1') ableitbar.

Zitat/Vorkommnis/VsGeach: manche werden einwenden, dass man nicht mehr Recht hat, von einem"zitierten Vorkommnis" von "Cicero" oder von "x" zu sprechen, als man hat, von einem Vorkommnis von "x" in "six" zu sprechen. Weil "six" logisch unteilbar ist.
GeachVsVs: das ist unfundiert, man kann das bei sorgfältigem Gebrauch der Anführungszeichen vermeiden.
Nach unserer Konvention ist es egal, wie lange ein Name (Zitat) ist, z.B. ein ganzes Gedicht kann zitiert werden. Punkte oder Striche benutze ich nicht, um genau ein Wort abzukürzen, es können mehrere Wörter mit einem Strich abgekürzt werden.
Wörter sind im allgemeinen als Zitate erkennbar, ob sie in Anführungszeichen stehen oder nicht.

Bezeichnen/Gebrauch/Erwähnung/Mittelalter/Geach: hier war die Bezeichnung konventionell markiert und logisch vorrangig zum Gebrauch.
Die Referenz oder suppositio eines Worts konnte auf der anderen Seite durch ein angefügtes Prädikat deutlich gemacht werden. z.B. eine Variante der suppositio war die suppositio materialis, der Gebrauch eines Worts, um sich selbst zu bezeichnen! (Carnap: autonym). Wir benutzen [Cicero] (eckige Klammern).

(6) [Cicero] ist ein Eigenname.

oder alternativ:

"Cicero" ist ein Eigenname.
I 208
Anführungszeichen/Geach: sind nicht eine Art Funktor, der aus "Cicero" den Namen eines Ausdrucks bildet, sondern ein Indikator, der eine intentionale Argument Stelle schafft, in die "Cicero" eingefügt wird.
Nach dieser Lesart sind aber iterierte Zitate nicht konstruierbar:

(7) ' "Cicero" ' ist der Name eines Eigennamens

hat dann keinen Platz mehr in unserer Logik, wie Nom d'un nom!


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972

Bra I
R. Brandom
Expressive Vernunft Frankfurt 2000

Bra II
R. Brandom
Begründen und Begreifen Frankfurt 2001

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972

> Gegenargumente gegen Geach



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 24.07.2017