Philosophie Lexikon der Argumente

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Radikale Interpretation, Philosophie: Ausdruck für eine Familie von Gedankenexperimenten, die die Übersetzung einer gänzlich fremden Sprache, die der Interpret auch nicht ansatzweise versteht, in die Sprache des Interpreten zum Gegenstand haben. Auch Radikale Übersetzung. Siehe auch Übersetzung, Unbestimmtheit, Gavagai.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Jerry Fodor über Radikale Interpretation – Lexikon der Argumente

IV 70
Radikale Interpretation/RI/Davidson/Fodor/Lepore: 1. Empirische Belege spezifizieren - 2. Da verschiedene Weisen der Auswahl von Belege zu verschiedenen Wahrheitstheorien (WT) führen, muss die Auswahl durch die RI-Theorie gerechtfertigt werden. - Problem: der Wahrheitstheorie kann nicht unabhängig von der Bedeutungstheorie (BT) Korrektheit zugeschrieben werden.
VI 72
Belege/Quine: alles, was der Radikalen Interpretation zugänglich ist - (Sprachlernen/Spracherwerb des Kindes, Reize).
IV 77
Ähnlichkeitsraum/Quine/Fodor/Lepore: steht dem radikalen Interpreten nicht zur Verfügung - (da eine abweichende Kultur angenommen werden muss, anders als beim Sprachlernen).
IV 86
Holismus/Radikale Interpretation/Davidson/Fodor/Lepore: sein Argument für den Holismus beruht auf seiner Annahme, dass einzelne Sätze gesetzesaartig (Gesetze) sind: Bsp "Kurt gehört zur deutschen Sprachgemeinschaft und Kurt hält für wahr: Es regnet am Samstag nachmittag und es regnet in der Umgebung von Kurt am Samstag nachmittag".
FodorVsDavidson/LeporeVsDavidson: die Verallgemeinerungen davon Bsp (x)(t)(wenn x zur deutschen Sprachgemeinschaft gehört, dann "(x hält "es regnet" für wahr zu t dann und nur dann, wenn es in der Umgebung von x zu t regnet)" unterstützen keine kontrafaktischen Konditionale (KoKo) und sind daher nach Davidsons Definition von Gesetz nicht gesetzesartig. - Sie liefern keine Unterstützung von kontrafaktischen Konditionalen. Bsp die Bedeutung von "Es regnet" könnte sein: "Die Katze ist auf der Matte". - Dann folgt nicht, dass die Katze nicht auf der Matte ist, wenn es nicht regnet.
IV 87
Lösung: "...für eine Relation R und jeden Sprecher S..." ist nomologisch - aber noch nicht geeignet für die Radikale Interpretation. - Gesetzesartigkeit: mussten wir nur wegen der Konventionalität der Sprache annehmen. - Problem: die Radikale Interpretation kann die Konventionalität per definitionem nicht herausfinden.
IV 89
Radikale Interpretation/Fodor/Lepore: unser Bild der Radikale Interpretation ist viel reicher als das von Davidson.
IV 90 Problem: der nomologische Ansatz ist nicht holistisch.
IV 88
Konventionalität/Sprache/Radikale Interpretation/Fodor/Lepore: per definitionem ist die Konventionalität nichts, was der radikale Interpret herausfinden kann! - Bsp Nichtdeutsche sagen nicht "Hund" wenn sie Hund meinen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

F/L
Jerry Fodor
Ernest Lepore
Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992

Fodor I
Jerry Fodor
"Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115
In
Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992

Fodor II
Jerry Fodor
Jerrold J. Katz
Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Fodor III
Jerry Fodor
Jerrold J. Katz
The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

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